Trattoria Borgo Antico

Trattoria Borgo Antico

Die Trattoria Borgo Antico sei bekannt für ihre hübschen Bedienungen, weiß Claudia, und man möchte ihr nicht widersprechen. Hübsch sind sie und nett und flink, also so, wie man es sich wünscht. Für die Damen unter den Gästen laufen entsprechend attraktive männliche Bedienungen herum, da ist man in Italien ja nicht so.

Aber eigentlich waren wir ja des Essens wegen dort und nicht wegen Brautschau und so. Die Meeresplatte als Vorspeise war groß genug, um dreien zu dienen. Mehrere Sorten Muscheln und auch ausreichend Krustengetier in einer Sauce, die nicht nur nach Wein schmeckte, sondern auch scharf war. Die Pizzen danach waren eigentlich überflüssig, weil wir ja schon satt waren. Aber mit Steinpilzen (die eine) und viererlei Käse (die andere) belegt wäre es eine Schande gewesen, sie nicht probiert zu haben. Na klar: Pizzeria steht draußen dran – die schmecken sogar ohne Belag, was ja nicht selbstverständlich ist.

Michele, der Chef des Hauses, war offensichtlich nicht zum Essen da, sondern auf Brautschau. Also nicht wirklich, aber er flirtete heftigst mit den beiden Damen herum. Sylke erhielt eine Gratismassage und was genau er mit Clau besprach, haben wir wegen mangelnder Italienischkenntnisse und anerzogener Diskretion nicht verstehen wollen.

Trattoria Borgo Antico
Piazza Santo Spirito 6R
50125 Firenze
Tel. 055 210437

Süditalien mitten in der Toskana

Osteria Masticabrodo

In Florenz (2): Osteria Masticabrodo

Die Osteria Masticabrodo in der Borgo Alegri 58 tarnt sich perfekt: Hinter Fenster und Tür des schmalen Etablissements hängen rote Vorhänge, zwischen Vorhang und Fensterglas blinkert es wild-weihnachtlich. Das Ambiente wirkt eher wie ein kleiner Puff, aber wer einen Blick auf die handgeschrieben Karte wirft, die draußen aufgestellt ist, wird sich schon denken, dass das falsch ist: Die Preise sind zu niedrig!

Drinnen ist es italienisch-gemütlich. Vier einfach, aber nett eingedeckte Tische, eine offene Küche, helles Licht, laute Musik eines Radiosenders mit Werbung. Der Chef Enzo kommt aus Neapel, er steht zusammen mit seiner Frau Anna in der Küche. Sie rührt in den Töpfen verschiedene Sorten sugo, er spült nach dem Abräumen die Teller vor, manchmal verschwinden beide zusammen hinter einer Ecke. Danach kommt er dann immer mit was Leckerem an den Tisch.

Wir bestellten Antipasti della casa für drei und bekamen vier Teller mit gegrillter Aubergine, einer Art Lasagne, einer Parmesantarte und Bruschetta, dann einen Teller mit Schinken, dann zwei Teller mit superfeinen Hackfleischbällchen in Tomatensauce sowie gedünstetem Gemüse, das wir nicht kannten. Es schmeckte nach Rosenkohl, sah aus wie Mangold und war Schwarzkohl. Zum Abschluss der Vorspeisen stellte der Chef ein Holzbrett mit Käse und zweierlei Honig auf den Tisch. Abschluss? Denkste: Als Zwischengang brachte uns der Chef noch eine Spezialität, eine neapolitanische salciccaauf Linsen. Wer braucht schon Köche, die es wie Gott in Frankreich treiben, wenn man zwei Süditaliener in Florenz hat? Unsere Primi, als Hauptgang, waren normal-lecker, da gehe ich jetzt mal drüber weg, um auf das Ende des Abends hinzuweisen. Ungefragt stand ein Teller mit einem Glas Vino Santo in der Mitte und Cantucine drumherum auf dem Tisch. Wir bedankten uns artig und schon kam der Chef erneut, dieses Mal mit drei Gläsern und zwei Flaschen, die er zur Selbstbedienung auf den Tisch stellte: Grappa war in der einen und Limoncello in der anderen. Das hat uns gut gefallen, und wer nun glaubt, dass wir noch einmal da waren, liegt absolut richtig!

Beim zweiten Besuch wurden wir quasi schon als Stammgäste begrüßt. Es war spät, eigentlich sah es schon aufgeräumt aus. Aber wir waren willkommen! Die „kleinen und leichten“ Antipasti waren eine Mischung aus Bewährtem und Neuem, darunter vor allem Pulpo in sehr feiner Tomatensauce. Und zum Abschluss gab es dann dieses Mal drei Flaschen auf den Tisch des Hauses. LimoncelloGrappa undMyrto aus Sardinien. Den nahmen wir!

Osteria Masticabrodo
Borgo Alegri 58
Tel. +39 (0)55 – 241920

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…wir waren im Sommer noch einmal da!

Authentisches mit Wurst und Wein

Agriturismo Nuraghe Mannu

Geschichten aus Sardinien (8)

Unweit des Nuraghe Mannu gibt es einen der zahlreichen Betriebe Sardiniens, die sich neben der Landwirtschaft auch mit Touristen beschäftigen. Wir hatten Gutes über Agriturismo Nuraghe Mannu gelesen und erinnerten uns an die einfachen Köstlichkeiten von Dona Efigenia auf La Gomera – also gar keine Frage: Da müssen wir hin. Nach dem Besuch des Nuraghe Mannu steuerten wir das Gehöft an, um zu reservieren, denn essen kann man dort entweder als Übernachtungsgast oder auf Vorbestellung.

Der nette Landwirt, dem wir als erstes begegneten, sprach nur die Landessprache, so dass wir es mit den üblichen Mitteln (Freundlichkeit und ggf. Zuhilfenahme der Hände) versuchten. Wagemutig bestellte ich also am Freitag für Montag, ließ mir die Startzeit nennen und hoffte, dass alles klappen würde. Unsere Namen waren dem Herrn zu schwer, er meinte, er würde den Tisch für “die Deutschen” reservieren.

Und so war es dann auch: Als wir am Montag exakt zur verabredeten Zeit kamen, waren alle eingedeckten Tische des Nebengebäudes bereits besetzt. Alle außer einem: Auf dessen rot-weiß-karierter Papierdecke stand schwungvoll mit schwarzem Filzer geschrieben: TEDESCI. Auf dem Tisch standen ein Krug Wasser und Krug mit Wein: Hier wurde nicht lange gefragt, hier ließ man Fakten sprechen.

Die freundliche Bedienung brachte, kaum dass wir saßen, die Vorspeise: Ein Holzbrett mit Speck, Wurst und Peccorino. Es war ein schönes altes Holzbrett – der Versuch, im Laufe des Urlaubs so etwas Authentisches zu kaufen, schlug fehl: Die angebotenen Touribretter hatten deutlich weniger Patina und Seele. Unpretentiös, einfach und gut kam so Spitzenfleisch und Käse auf den Tisch, zusammen mit einem Korb sardischen Brotes. Das ist hauchdünn, knusprig und – wenn es denn gut ist – leicht gesalzen. Dieses pane carasau war gut!

Der zweite Gang bestand aus Sardischen Gnocchi mit Ragout – wobei das Ragout wegen sparsamsten Fleischeinsatzes nicht weiter ins Gewicht fiel. Vielleicht gar nicht so schlecht, denn der Hauptgang bestand quasi nur aus Fleisch mit ein wenig Salat: In Wein geschmortes Zicklein, serviert wie gewachsen: manchmal viel Knochen und wenig Fleisch, aber wenn man der Bedienung sozusagen Dackelaugen machte, gab es beim Nachlegen auch viel Fleisch und kaum Knochen!

Beim Dessert stellte sich die Frage, ob gesund oder schlemmernd erst gar nicht: es gab beides! Zuerst Obst (Birne, Apfel, Orange), dann Seadas. Das sind frittierte Süßigkeiten, gefüllt mit Ricotta oder Ziegenkäse, außen mit Honig eingepinselt. Garantiert nicht kalorienarm – aber erstaunlicherweise finden derlei Süßigkeiten auch nach einem opulenten Essen immer noch ihren Weg. Und der Kaffee nebst Verdauer (Mirto gab’s und noch einen anderen, dessen Namen ich vergessen habe) sind damit auch gerechtfertigt!

Wir zahlten im Mai 22 Euro pro Person, was schon fast unanständig wenig für das Gebotene war. Derzeit steht auf der Webseite ein Preis von 25 bis 35 Euro pro Person, je nach Angebot – auch das wäre in Ordnung gewesen für den Abend!

So war der ombra mal gemeint…

Rotweinschatten

Venezianische Impressionen (11)

Vor der Kirche dei Tolentini gegenüber vom deutschen Honorarkonsulat, unweit des Piazale Roma, gibt es eine veritable Restauration, die vorzustellen sich lohnt: Bacareto da Lele heißt die kinderzimmerkleine Lokalität am Kirchplatz. Zwei Türen gibt’s, und der Raum vor der Theke ist klitzeklein. Aber er ist ja auch nur zum Bestellen gedacht, denn dann geht man raus und hat auf dem Campo dei Tolentini genug Platz zum Plaudern.Von Draußen hinterlässt da Lele einen durchaus ungewissen, vielleicht sogar bei vielen voreingenommenen Betrachtern einen gewissen Eindruck: Nämlich den, da nicht hinein zu gehen. Fahrlässig grob betrachtet könnte man den Ort für einen Pennertreff halten. Richtig ist: Da stehen Männer (seltener Frauen) in Arbeiterkleidung, haben ein Glas Wein in der Hand, reden laut – ob das das richtige für uns ist?

Gemischte Gesellschaft
Gemischte Gesellschaft

Der erste Blick ist typisch deutsch und trügerisch: Erstens stehen da Männer von der Müllabfuhr neben dem Rechtsanwalt im edlen Zwirn. Zweitens ist das Glas Wein so klitzeklein, wie das nur in Venedig geht – und drittens reden italienische Männer immer laut. Wir also rein!Drinnen trennt die Theke das da Lele in den Kundenbereich – da passen vielleicht zehn stehend zusammen rein – und den Bedien- nebst Küchenteil. Zwei freundliche Herren wuseln da herum – der eine bediente uns (und sprach leidlich deutsch, wer hätte das erwartet?), der andere kümmerte sich um Nachschub bei den cichetti, den kleinen Leckereien. Es gibt verschiedene Sorten Rot- und Weißwein, es gibt Prosecco – aber keinen Espresso – so eine große Maschine passt in den Laden wohl nicht rein (zwei Espressobars sind aber gleich nebenan).

Nur Mut...
Nur Mut…

Hier scheint ganz Venedig (bzw. der Teil, den es hier vorbeiführt auf dem Weg zur und von der Arbeit) Gast zu sein. Und die beiden Jungs scheinen alle zu kennen – jedenfalls plaudern sie so mit ihnen, trinken auch mal einen mit und sind immer gut drauf. Dass die Gäste auch gut drauf sind, liegt einerseits an der ehrlichen Qualität der Weine (aus dem Fass kommen sie in die Zweiliterflasche und von dort aus in die Ombra-Gläschen) und den vorzüglich schmeckenden kleinen belegten Brötchen – es liegt auch am Preisgefüge: 60 Cent für das Gläschen Cabernet und 90 Cent für ein Häppchen (zum Beispiel Peperonisalami/Käse oder Mortadella/Paprika).

Bacareto Da Lele
Campo dei Tolentini
183 Santa Croce
Kein Telefon.

[Karte Essen und Trinken in Venedig]

Von Surfern und Bierhäusern

PittiPlatsch

Apulische Augenblicke (25)

Liebes Tagebuch!

Heute waren wir am Strand mit den vielen Surfern. Punta Lunga heißt das da, und es gibt Campingplätze en masse, gefährlich viel drahtige Italiener und obendrein eine Menge Bayern, die den ungleichen Kampf mit den Naturgewalten Wasser und Wind aufnehmen wollen. Meistens verloren sie: Es lagen weitaus mehr Surfbretter am Strand und Menschen neben ihren glitschigen Brettern im Wasser als für ein chices Coverfoto gut gewesen wäre. Außerdem schien die Sonne mal wieder kein bisschen, zudem wehte nur ein recht lauer Wind. Und dann auch noch aus der falschen Richtung! Uns war das egal, denn wir liefen nur voyeuristisch den Strand entlang und kamen ohne körperfigurbetonenden Neoprenanzug aus, was vielleicht auch besser so war…

Landestypisches Restaurant
Landestypisches Restaurant

Bayern in Apulien klingt gewöhnungsbedürftig, ist aber offensichtlich sowas von selbstverständlich, dass man auf alles gefasst sein muss. Zum Beispiel auf ein bayerisches Tupferl etwas landeinwärts: Da steht ein Beergarden mit Hofbräu-Bier vom Fass. Da geht unsereins (Weintrinker/in und nicht aus Bayern) doch freiwillig nie rein! Wir taten’s dennoch, tapfere Tester im Namen aller nach uns Reisenden – und waren begeistert. Hausgemachtes Brot aus dem Pizza-Ofen, Bio-Olivenöl, gefüllte Artischocken (würzige Brot-Ei-Mischung), vorzüglicher frischer Barsch vom Grill, der (endlich einmal!) nicht nach Holzkohlengrill schmeckte, obwohl die knusprige Haut über dem saftigen Fleisch schon ordentlich Hitze abbekommen hatte. Pane Pomodore als Spezialität erschloss sich uns nicht wirklich als (wie von der Chefin angesagt) etwas Besonderes, aber die Maulbeeren aus dem Garten, mit grünen Blättern geschützt und von Tisch zu Tisch wandernd, waren eine kostenlos gereichte Leckerei zum Abschluss – und der Lorbeerschnaps nach dem Bezahlen hatte es auch in sich.

Beergarden
Beergarden

Am Nachmittag füllte sich das Haus: Lauter total coole Italiener fuhren vor (und parkten uns beinahe zu), alle mit total coolen Klamotten und supercoolen Sonnenbrillen, die sie aber im dunklen Haus abnehmen konnten. Sie kamen, um gemeinschaftlich das Fußballspiel Rom gegen Mailand zu sehen. Der Wirt musste mitgucken, weswegen der Caffee von einer Tittenbraut serviert wurde,die zuvor am Gästetisch saß. (Ich bitte das zweite durch Kursivdruck zurückgenommene Wort zu entschuldigen, aber die Dame hing schon sehr betont an ihrem Busen und betonte die üppige Macht noch durch ein rotes Herz im sonst enganliegenden schwarzen Dress. Und ja: ich habe ein Bild, aber nein: ich werde es nicht zeigen ;-)

Und nun noch die Geschichte, warum im Gargano ausgerechnet Hofbräu gezapft wird.

Der Wirt ist hier in der Gegend geboren, aufgewachsen aber in Mailand. Als er ins wehrpflichtige Alter kam, zog er es vor, auch der erweiterten Heimat vorübergehend ade zu sagen („die Hippiezeit!“ grinst seine Frau, als sie es uns erzählt) – und es verschlug ihn nach England, wo er sie kennen lernte. Beide waren, wenn ich das richtig verstanden habe, noch acht oder neun Jahre gemeinsam in München, bevor er sich wieder nach Italien trauen konnte. Hier betreiben die beiden nun den Beergarden – mit Bier aus München, „weil wir ein Bier vom Fass ausschänken wollten, das auch schmeckt!“ Im Winter besteht die Kundschaft nahezu ausschließlich aus „den Jungs aus Vieste“, die nun hier Fußball gucken. Im Sommer wagt man den Spagat mit den Touristen, die die nahe gelegenen Campingplätze massig anspülen. Chef und Chefin sprechen deutsch, englisch und italienisch, und sie führen ihr Restaurant nach dem Motto „das Beste aus den drei Kulturen“.

Wetten, dass wir am nächsten Abend noch einmal da waren?

Oria

Apulische Augenblicke (10)

Um frischen Fisch zu bekommen, fährt man am besten ans Meer. In Villanova, dem Strandort von Ostuni, gibt es vier bis sechs (ich habe sie nicht gezählt) Fischläden – und alle hatten keinen Fisch. Als wir einmal abends da waren, fand ich das gut: Abends muss Fisch entweder noch ungefangen im Meer schwimmen (vom Fisch bevorzugte Variante) oder auf dem Herd stehen (meine Vorzugsversion). Aber jetzt, am Morgen? Wir wollten doch Pesce Spada kaufen, den von uns so geliebten Schwertfisch!

Wir hätten vor Ort in Carovigno suchen sollen: dort entdeckten wir – eigentlich schon auf dem Weg zu unserem Tagesziel – eine Pesceria, und sie hatten dort alles, auch Schwertfisch. Mama sagte den Preis an (22 Euro/Kilo) und verzog sich dann zu einem Schwatz mit anderen Kunden, Sohnemann wetzte die Messer und ging dem Prachtkerl an die Kiemen. Genüsslich schnitt er den Kopf ab, legte ihn (Johannes der Täufer lässt grüßen) wieder in die Theke, kümmerte sich ausgiebig-liebevoll um die blutigen Innereien und grinste uns an: ob wir kotzen wollten? Eine derbe Ansprache für einen Fischhändler seinen Kunden gegenüber, aber wir wollten nicht. Wir wollten den Schwertfisch! Je nach Durchmesser ein, zwei oder drei Tranchen – da sind wir seit unserem Erlebnis auf den Liparischen Inseln vorsichtig geworden! Drei Tranchen sind es geworden, 600 Gramm – gerade richtig für zwei Schwertfischliebhaber!

Vor dem Gewittter

Oria

Unterwegs nach Oria. Ein veritables Gewitter mit senkrecht niedergehendem Blitz und blitzartig (haha!) folgendem Donner. Es gab helle Stellen am Himmel, aber da fuhren wir nicht hin. Wir fuhren nach Oria, hielten vor dem Tor zum jüdischen Viertel, gingen zur Piazza Manfredi - ein sizilianischer König, dieser Manfred, Sohn von Friedrich II. Über den könnte man Bücher schreiben, man könnte auch viele über ihn bereits geschriebene lesen. Der Schwabe aus Sizilien hatte jedenfalls einen Narren gefressen an Apulien und dem Land vor 800 Jahren gut getan. Viele Städte berufen sich heute auf ihn, die schönsten Friedrich-Orte haben wir aber gar nicht gesehen (und müssen also noch mal hin, auf den Spuren des ganz alten Fritz, sozusagen). Oria verdankt seine Burg jenem “stupor mundi” (dem “Staunen der Welt” – ein netterer Beiname als des zuvor über Apulien gekommenen Robert Guiscard, den man “terror mundi”, Schrecken der Welt nannte). Friedrich II. war ein bemerkenswerter Mann, der eine eigene Apulien-Rundreise (mit entsprechend vielen netten Geschichten) wert wäre. Mal sehen, vielleicht in einem der nächsten Jahre…

Jüdisches Tor
Jüdisches Tor

Wir sind also in Oria. Es ist die alte Königsstadt der Ur-Apulier, der Messapier – die Geschichte reicht also weit zurück. Zwei Stadttore sind gut erhalten, wir begannen unseren Rundgang bei der Porta Ebra, dem “Jüdischen Tor”. Dahinter liegt – was dann nicht weiter verwundert – das ehemalige jüdische Viertel. Sehr heimelige Gassen und Häuser, viele Fotomotive! Wer durchs andere Tor kommt, der Porta Manfredi, landet hingegen mitten im Trubel des Hauptplatzes, der Piazza Manfredi. Tor wie Platz haben, wie bereits eingangs erwähnt, ihren Namen nach Manfred, König von Sizilien und Sohn von Friedrich II. Laut Wikipedia lebte Manfred 1231 – 1266, laut Straßenschlaumachschild in Oria 1232 – 1266. Auf jeden Fall war er aus der Liason mit Bianca Lancia der Jüngeren hervorgegangen. Der tolle Friedrich und die schöne Bianca hatten drei Kinder gemeinsam. Geheiratet hat der Kaiser seine Geliebte aber erst, als sie schon im Sterbebett lag – so konnte er Sohn Manfred für legitim erklären. Die wahren Geschichten von Friedrich II und seinen insgesamt 19 Kindern, davon die meisten außerhalb der offiziellen Ehe gezeugt und geboren, sind sicher auch spannend!

Antica Trattoria Luce
Antica Trattoria Luce

Am oberen Ende der Piazza fällt ein schmales Haus auf – das ehemalige Gerichtsgebäude, in dem heute die Polizia Urbana beheimatet ist. Interessanter erschien uns aber ein äußerlich unauffälliger Bau am unteren Ende des Platzes, in Tornähe: Dort befindet sich die „Antica Trattoria Luce 1898“, ein eher schlichtes Restaurant. Sylke sah durchs Fenster rein, es war offensichtlich geschlossen – um halb drei ist das ja auch okay. Aber nichts da: Eine Signorina kam raus und bat uns rein. Sie ist nicht mehr die Jüngste, irgendwo zwischen 68 und 86. Ihre ältere und zumindest klappriger wirkende Schwester verzog sich gerade in die hinteren Gemächer. Die beiden haben die schönen Vornamen Chichina und Titina – aber ich habe versäumt zu fragen, wer denn nun wer sei!

Küche im "Luce"
Küche im “Luce”

Das Restaurant ist am besten mit dem Adjektiv “urig” zu beschreiben, was sich vor allem auf die liebenswürdig diktatorischen Züge der allein regierenden Chefin bezieht. Ob wir essen wollten? Eigentlich nicht, wir waren nur neugierig, also sagte ich “Ja, natürlich!” Auch trinken? Na klar: Wasser und Wein. Das reichte als Generalbestellung, und wir bekamen – sozusagen par ordre de mufti – Pasta al Forno. Normalerweise verbrennt man sich daran die Zunge, diese waren handwarm. Aber lecker: Makkaroni, Tomaten, Eier, vielleicht auch Käse. Dann kam ein Salat (extra-saurer Essig) mit frischem Brot, dann folgten Polpette – Hackfleischbällchen in Tomatensauce. Wir tranken Rotwein aus einer unetikettierten Flasche und zogen einen Limoncello den als Dolce offerierten Bananen vor. Fotografieren war – ich habe gefragt! – ausdrücklich erlaubt. Ich wurde sogar in die Küche gebeten, nachdem sie aufgeräumt war (und zwei Stunden später, als wir draußen zufällig wieder vorbei gingen, erneut herein gerufen: Ich sollte doch zusehen und fotografieren, wie sie Makkaroni macht). Ob 30 Euro für das Gastmahl recht seien, fragte sie uns nach dem Essen – wir bejahten, das war es wert!

Kathedrale
Kathedrale

Doch Oria zu bummeln macht Spaß: Jede Menge Heilige grüßen aus Wandnischen, die Kathedrale (Spätbarock, falls das jemanden interessiert) bietet eine grün-gelb-violett bunt geflieste Kuppel und – sozusagen am anderen Ende, nämlich unten in der Gruft – 15 aufrechte Mumien – letztere sind allerdings nur auf Anfrage zu besichtigen, was wir uns verkniffen haben. Ganz weltlich: Beim Weg zum Castello trifft man hier auf eine Filiale der Deutschen Bank, gut bewacht von einem Mann mit schwarzer Sonnenbrille – obwohl es gerade mal wieder regnete.

Torre Guaceto
Torre Guaceto

Das Kastell, an dem nicht nur Friedrich II gebaut hat, sondern alle jeweils aktuelllen Herrscher, kann man besichtigen, wenn man will. Wir wollten nicht, weil es schon später Nachmittag war und es uns nach Natur lüstete und nicht nach Mauern. Also verließen wir Oria, um auf dem Heimweg m heimeligen Abendlicht schon mal die Küste zu inspizieren: “Torre Guaceto” heißt das liebreizende Naturschutzgebiet, das sich vom Wasser bis ins Landesinnere erstreckt. Wir erklärten es zum Halbtagesausflusgziel – später also mehr darüber.

Pesce Spada

Abends zu Hause erwarteten uns drei Tranchen Pesce Spada, die wir kalt auswuschen, trockneten, salzten und pfefferten. Dann haben wir sie in wenig Öl in der Pfanne angebraten, gewendet und auch von der anderen Seite kräftig angebraten.

Ein Stück Butter begab sich in die Pfanne, gefolgt von einer geschnittenen Zwiebel und etwas gehacktem Knoblauch (ich glaub’, es waren drei Zehen für uns zwei). Der Saft einer Zitrone, über den Fisch geträufelt, löschte alles ab. Ein Schluck Weißwein (der, den wir auch tranken!) kam hinzu, eine Hand voll klein gehackter glatter Petersilie ebenfalls.

Dazu gab es Blattspinat (mit Zwiebel und Knoblauch in Butter gedünstet).

Schlafen, Essen, Trinken

Venezianische Impressionen (9)

Viele einschlägige Reiseführer empfehlen für eine Stadterkundung Museen, Kirchen und andere Hochkultur. Eigentlich tun das sogar die meisten, und irgendwie wollen die Leute ja auch dringend wissen, wie der Vater und der Bruder des Domenico Robusti hießen, und warum.

So spannend und kulturgeschichtlich wertvoll die Anhäufung derlei Wissen auch sein mag – man kann sich einer Stadt auch anders nähern. Schlendernd, beobachtend und immer wieder einhaltend, um Land und Leute zu studieren. Und wie sollte das besser geschehen als bei einer Tasse Caffé oder einem Glas Wein?

Hier nun also eine Zusammenfassung der einschlägigen Erlebnisse, subjektiv sowieso und keineswegs repräsentativ: Wir sind wirklich spontan und uninformiert in die Läden gegangen, die uns nett und gut erschienen – und nicht enttäuscht worden.

In der Reihenfolge, wie wir sie besucht haben, hier die Kurzkritiken:

Pane Vino & San Daniele

Spezialität: San Daniele
Spezialität: San Daniele

Nicht weit von der Rialto-Brücke und deutlich touribefreit fanden wir Pane & Vino – ein kleiner einfacher Laden mit Holztischen und einfachem Angebot. Vorspeisenteller 7 Euro, zweiter Gang (bei uns: Hauptgang) 10 Euro – unspektakulär war’s, wir hätten den Schinken nehmen sollen, denn der sah gut aus (bei der Antipasti war er auch dabei und schmeckte!). Eine Flasche Hauswein 11 Euro, und sie war genießbar!
Calle dei Boteri 1544, S. Polo Tel. 03428700276

Trattoria Pizzeria Antica Capon

Campo Santa Margherita
Campo Santa Margherita

Am Campo Santa Margherita findet man – weil es lange genug als Geheimtipp gehandelt wurde – genug Touristen, um es nicht mehr nett zu finden – aber auch ausreichend Einheimische und (dies vor allem abends!) Studenten, um doch zu bleiben. Über die Anmache der Tourifänger habe ich schon berichtet, dass es dennoch gut schmeckte, auch. Im Antica Capon lässt der Chef die Bedienung tanzen – er sieht nach dem Rechten und hält seine Jungs an, schnell zu servieren – wer fertig ist, geht und macht den Weg frei für neue Gäste. Wenn man sich aber nicht scheuchen lässt, lassen einen die Ober in Ruhe und man kann es locker angehen lassen und die Schönheit des Platzes genießen. Wir hatten Penne (7 EUR) und Pizza (8 EUR), und beides war in Ordnung, der Wein dazu auch.
Campo S. Margherita Dorsoduro, 3004 | Tel. 041/ 52.85.252 | www.anticocaponristorante.com

Caffé in Castello

Bar in Castello
Bar in Castello

Oh wie peinlich, da habe ich keinen Namen. Es war am Campo S. Maria Formosa, wahrscheinlich an der Ecke zur Calle Lunga. Es gab jede Menge Außenplätze, und drinnen ging es venezianisch-rustikal zu, mit lautstarkem Dialog zwischen Cheffe und la Mamma. Wir nahmen nur zwei Caffé an der Theke und waren zufrieden. Und wie das heißt, krieg ich auch noch raus!(Es ist an einer Ecke, und es hat auf der grünen Markise “Bar Gelateria Pizze Toast …” stehen. und es sind wohl nicht das Al Mascaron, Calle lunga Santa Maria Formosa, 5525, 30122 Venezia, Tel. 041 52 25 99 5, Calle Lunga S. Maria Formosa 5225, Castello, Tel. 04 15 22 59 95 und auch nicht die Enoteca Mascareta, Calle Lunga Santa Maria Formosa,Castello 5183, Venice, Tel.041/523-0744)

[Nachtrag 2009:] 
Na also: Das ist die Bar All’Orologio. Castello 6130, Campo Santa Maria Formosa, Tel. 041 / 5230515

Osteria al Bomba

Osteria Al Bomba (3)
Osteria Al Bomba (3)

Die Calle de l’Oca findet man garantiert nicht, wenn man gezielt nach ihr sucht – sie ist klein genug, um auf normalen Stadtplänen namenlos zu bleiben. Wenn man allerdings nur so durch Cannaregio läuft und auch mal links und rechts der Hauptstraßen einen Blick riskiert, findet man sie. Die Osteria al Bomba leuchtete in der einbrechenden Abenddämmerung bis zur Haupteinkaufsstraße des Sestiere Cannaregio, der Strada Nova – und wir fühlten uns irgendwie magisch angezogen, dort einmal nach Spritz und Cichetti zu schauen.Eine lange Theke, hinter deren Glas tatsächlich Leckereien lagen, an der Wand jede Menge Flaschen und reichlich Zettel mit lustigen Sprüchen oder Werbung fürs Essen und Trinken. Vor der Theke zwei, drei Einheimische, dahinter der Wirt mit hochgekrempeltem Hemd und Pullover – und Sonnenbrille, hoch ins schwarze Haar geschoben. Wir hatten so was wie eine Eckkneipe erwischt, nur dass sie nicht an der Ecke lag.

Wir waren, nur wenige Schritte von der viel begangenen Starda Nova, in einer der besten kleinen Osterias des Viertels gelandet. Der Wirt empfahl “Spritz” – und irgendwann muss man die Mischung aus Aperol, Wein und Kohlensäure ja mal probieren. Die Leute links und rechts neben uns an der Theke bestellten alle etwas zu essen, und es sah hinter dem Thekenglas auch sehr verlockend aus. Wir hatten für den Abend vor, ins Al Brindisi zu gehen – also gönnten wir uns nur einen Teller voll Pulpo-Salat. Es war: köstlich! So einfach gemacht, aber eben einfach gut!

Calle de l’Oca, Cannaregio | Tel. 041 5205175 | www.osteriaalbomba.it

Al Brindisi

Al Brindisi
Al Brindisi

Dazu gibt’s bereits einen ausführlichen Bericht - ein netter Ort für einen schönen Abend. Wenn es wärmer ist, kann man sicher auch abends draußen sitzen und das pulsierende Leben am Campo genießen.
Campo S. Geremia, Cannaregio, Tel. 041 716968Cantine del Vino gia Schiavi / Al Bottegon

Cantine del Vino gia Schiavi
Cantine del Vino gia Schiavi

Auch zum Al Bottegon, das viele eher unter dem Namen Cantine del Vino gia Schiavi kennen, weil das überm Eingang steht, gibt es einen ausführlichen Bericht, den man wie folgt zusammen fassen kann: Es lohnt sich, wieder hierhin zu gehen – auch wenn es manchmal sehr voll ist, weil sich das herum gesprochen hat!
Al Bottegon | Fondamenta Nani, Dorsoduro 992 | Tel 041 523 0034

Caffé Belle Arti

Im Caffé Belle Arti
Im Caffé Belle Arti

Unweit der Accademia werden auch anderweitig die schönen Künste gepflegt – im Caffé Belle Arti mühen sich zwei Männer ungemein freundlich, dass sich im engen Laden die Touristen wohl fühlen. Wir waren nur auf eine Kaffee an der Theke dort und beobachteten das muntere Treiben, und ich glaube, dass ich dort auch nur für einen Kaffee (und nicht zum Essen) wieder hingehen würde. Das aber jederzeit!
Dorsoduro | Calle Gambara (an der Accademia)

Osteria Al Bacareto

Pause
Pause

In San Marco, aber nicht so im Zentrum der Besucherströme gelegen, fanden wir die Osteria Al Bacareto. Rammelvoll, viele Italiener aus der Gegend, die hier ein Häppchen an der Theke oder auch am Tisch nahmen. Venezianisches ist im Angebot: Fisch, Gemüse – alles sah gut aus. Uns reizte das Vitello tonnato (9,50 EU), eins von der besseren Sorte, wie sich zeigen sollte, mit hauchdünnem zarten Fleisch und feiner Tun-Sauce. Wein und Espresso zu den üblichen Theken-Preisen (2 EU das Glas, 1 EU das Tässchen).
Calle Crosera, S. Samuele 3447, San Marco | Tel. 041 5289336

Cantina Vecia Carbonera

Cantina Vecia Carbonera
Cantina Vecia Carbonera

Am Ende der Rio Tera de la Maddelena in Cannaregio lädt die Cantina Vecia Carbonera ein, eine Weinbar. “Andar per ombre” – in den Schatten gehen, nennen die Venezianer ihre Ausflüge in die vielen sich anbietenden Gaststätten und Bars. Diese Cantina ist ein elendig langer Schlauch, wo es vorne an der Bar zum üblichen Spottpreis von 1 Euro den Schatten (ombra) gibt – trinkbarer Zechwein, weiß oder rot. Außerdem Spritz (Aperol, Weißwein, Prosecco, Kohlensäure) und natürlich Kleinigkeiten zu essen. “Cicheti” wie Schinken, Tintenfische, die beliebten Sardinen a saor – ach, das einfache Leben kann so nett sein!
Campo della Maddalena, Cannaregio 2329 | Tel. 041 71 03 76

La Cantina

La Cantina
La Cantina

La Cantina ist das begehrteste Ziel an der Strada Nova, viel ChiChi mit BussiBussi und nicht nur mit Cicheti, sondern auch mit größeren Häppchen, die Mitbesitzer Francesco Zorzetto mit Wissen um die Effekte in der offenen Miniküche zubereitet. Wer will, kann auch nur ein Glas Wein trinken – die Auswahl ist reichlich, allein die etwa 40 offenen lassen keine Wünsche übrig (ausführlicherer Bericht).
La Cantina | Campo San Felice/Strada Nuova, Cannaregio 3689 | 041 522 8258

Trattoria La Rosa dei Venti

Rio Gaffaro
Rio Gaffaro

Fernab der Touristenströme in der eher beschaulicheren Ecke Santa Croces sitzt man gar nicht so schlecht in der Windrose (im Bild bei tag aufgenommen: vorne links). Die Tische eher einfach-rustikal, das Essen eine Mischung aus der italienischen Varianten von “gutbürgerlich” und “typisch venezianisch” – nicht allererste Wahl, aber wenn das Hotel (“unser” Hotel!) gleich nebenan ist, ein praktischer Ort, den Abend angemessen zu verleben. Zum Preisgefüge: Vorspeisenteller (sehr gut) 9 Euro, Hauptgerichte zwischen zehn und 15 Euro, eine Karaffe Hauswein (halber Liter, wenn ich mich recht erinnere) 5 Euro, Espresso 1,50. Nette Bedienung – aber die hatten wir eigentlich überall!

Taverna Ciardi
Eine Cicheteria in Cannaregio, etwas abseits gelegen, aber man kann es gut in einen Cannaregio-Bummel einbauen. Wir waren zu einer unmöglichen Zeit da – so gegen elf am Vormittag. Unmöglich? Nicht für ein Gläschen Wein, dort gereicht mit Oliven. Die Karte las sich so, dass man noch einmal abends hin sollte. Supernetter Wirt hinter der Theke – und siehe da: Eigentlich sind sie zu zweit, und offenischtlich greifen sie abends schon mal beide zur Gitarre und singen. Ordentliche Songs, ohne Italoschmalz.
Calle dell‘ Aseo, 1885 | Cannaregio | 30100 Venezia |Tel. +39 041 5241026
www.tavernaciardi.it | armando@tavernaciardi.it

Paradiso Perduto

Paradiso Perduto
Paradiso Perduto

Das “verlorene Paradies” ist eher als Szene-Treff für gute Musik bekannt, wir fanden es in Cannaregio direkt am Rio della Misericordia. In der Küche steht ein Inder, der Chef selbst ist Trompeter – eine lustige Kombination. Uns hat’s geschmeckt, und wir fanden es (anders als die Kollegen vom Max Cityguide) auch nicht zu teuer für venezianische Verhältnisse: großer guter Antipasti-Teller 12 Euro, Spaghetti mit Pesto 10 Euro, ein halber Liter Hauswein 6 Euro, Espresso 1,50. Wir saßen mittags draußen – zu den Toiletten (die etwas abenteuerlich sehr küchennah im Hof liegen, aber das hat man ja oft) geht’s durch die Kneipe vorbei an Poster, Postkarten und anderem Ansehenswerten.
Fondamenta della Misericordia 2540 | Tel. 041 / 720581Übernachtet haben wir in einem kleinen Hotel, dem Locanda Salieri. Für venezianische Verhältnisse mehr als günstig – und für unsere Zwcke gut gelegen: Nahe am Busbahnhof, nahe am Canal Grande. Einfaches Zimmer unterm Dach, Frühstück nebenan – aber nettes Personal. Was also will man mehr?
160, Fondamenta Minotto – Rio del Gaffaro – 30135 Santa Croce | www.hotelsalieri.com

Ach ja, um noch einmal auf den Anfang zurück zu kommen: der Vater von Domenico Robusti war Jacobo Tintoretto, sein Bruder hieß Marco, und den Namen Tintoretto hatten die Robustis, weil Il Tintoretto „das Färberlein“ heißt – und das war der Beruf des Vaters von Jacobo. So steht’s in der Wikipedia und nun auch hier… Werken des Malers Tintoretto begegnet man in Venedig quasi auf Schritt und Tritt – beispielsweise im Dogenpalast und auf der Klosterinsel St. Giorgio Maggiore.

[Karte bei Google-Maps]

San Trovaso

Venezianische Impressionen (8)

Wir kamen vom anderen Ufer. Da war’s auch sehr schön, aber wir hatten ein Ziel – bzw. korrekter: zwei Ziele. Zum einen wollten wir bei langsam blau werdendem Himmel noch einmal eine der übrig gebliebenen fünf alten Gondelwerften der Stadt ansehen, die ein sehr idyllisches Bild abgibt: Squero, die Werft, also Squero San Trovaso.

San Trovaso
San Trovaso
Die klassische venezianische Gondel ist schwarz, etwas mehr als zehn Meter lang und 1,50 Meter breit. Eine Menge Handarbeit steckt drin, bis die 280 Teile einer Gondel korrekt verbaut sind, und der Preis von irgendwo zwischen 15.000 und 25.000 Euro lässt sich auch nicht unbedingt aus der Portokasse bezahlen. Allerdings scheint die Rendite hoch genug zu sein: 80 bis 100 Euro für eine Gondeltour sind ja auch nicht gerade wenig, und die viel besungene Romantik ist in diesem Preis garantiert nicht inbegriffen: Eine Fahrt mit la Gondola ist so individuell wie eine Kirmesfahrt in der Raupe. Wer Glück hat, bekommt einen hübschen Gondoliere, oder wenigstens einen der coolen Sorte mit schwarzer Brille und so. Aber einen singenden, der einen mutterseelenallein in den Sonnenuntergang hineinsteuert, dürfte man nur im Traum oder romantisierenden Berichten finden.
Cantine del Vino gia Schiavi
Cantine del Vino gia Schiavi
Ziel Nummer zwei liegt schräg gegenüber der Gondelwerft und ist eine der typischen Bars, in denen es immer sehr angenehm zugeht. Cichetti und Ombra – kleine (und wenn man’s richtig gefunden hat: feine) Leckereien und ein (leider auch kleines…) Glas Wein gibt es – wobei man die in der Regel sehr netten Menschen hinter der Theke, an der man zum Bestellen steht, durchaus um ein größeres Glas bitten darf. Sie bekommen dann glänzende Augen, und wenn man dann auch noch einen richtig guten Wein bestellt, hat man einen neuen Freund!
Cantine del Vino gia Schiavi
Cantine del Vino gia Schiavi
Wir haben viele neue Freunde gewonnen – und ich wüsste nicht, wo es nun wirklich am schönsten war. Aber zur “Cantine del Vino gia Schiavi” würde ich immer wieder gehen. Dafür gibt es genau drei Gründe. Die Lage ist der erste: Direkt am Kanal mit Blick auf eine Brücke, eine Kirche und eine Werft – mehr Venedig kann man sich kaum wünschen. Bei gutem Wetter steht man draußen und blickt aufs (ins…) Wasser, schwatzt miteinander und den anderen, die hier zwangsläufig ähnliche Einstellungen zum Leben haben. Sie haben etwas mit Genießen können zu tun, mit Zeit haben, mit miteinander reden.
Cantine del Vino gia Schiavi
Cantine del Vino gia Schiavi
Der zweite Grund ist die Qualität der Cichetti. Da liegen sie in der Theke und – nein, Quatsch, sie lächeln einen nicht an: Essen lächelt nicht. Aber die Verkäuferin lächelt. Der Laden brummt (auch so ein komisches schräges Bild, wenn man drüber nachdenkt. Bären brummen, Läden tun das, was Cichetti tun – sie sind einfach da!) – also, der Laden ist rammelvoll. Also sollte es, rein umsatztechnisch, schon ein wenig vorangehen. Aber Senorina lächelt und gibt auch uns eine Chance, die wir am liebsten von allem etwas hätten, dann aber platzen würden, weswegen wir es vorziehen, kontrovers zu diskutieren. Aber was soll man nehmen, wenn es mehr als 30 gut aussehender Häppchen gibt: Fisch, Käse, Wurst – alles! Auf Brot und in der Not auch einfach so.
Cantine del Vino gia Schiavi
Cantine del Vino gia Schiavi

Danach wird’s nicht einfacher – das Weinangebot ist ebenfalls gigantisch. Hier bleibt aber immer noch die Möglichkeit (nein, nicht: alles durchzuprobieren…), den Hauswein zu verlangen. Das ist eigentlich für zwischendurch nie eine schlechte Wahl… So haben wir es dann also auch gemacht, was eine gute Idee war.Italiener kommen übrigens zu den lustigsten Zeiten hierhin: Vor dem Essen, beispielsweise. Um zu entspannen, wahrscheinlich. Um zu schwatzen, offensichtlich. Und bei vielen hatte ich den Eindruck: Einfach nur so, weil es nettt ist…

Abends im Al Brindisi

Venezianische Impressionen (5)

Unser Reiseführer hatte das Restaurant Al Brindisi wärmstens empfohlen, und nicht nur wir waren offensichtlich deswegen dort – die Herrschaften am Nebentisch erwähnten ihn im trauten Zwiegespräch (ja, ich habe zugehört!) und zwei Tische weiter in die andere Richtung hatte die aufregend hübsch zurechtgemachte Freundin des auffallend unaufgeregt aussehenden Freundes ihn auch in der Hand – also den Reiseführer.

Die Herrschaften nebenan meckerten: Sie müssten dringend dem Herrn Marco Polo schreiben, wie schlecht es hier sei im Vergleich zum Preis, also quasi kein Leistungsverhältnis, das da! Und wenigstens warm hätte man das Essen servieren können – ein Punkt, der uns aufhorchen ließ, denn manche mögen’s heiß. Da die Herrschaften nebenan aber irgendwie einen so nörgeligen Eindruck hinterließen, beschlossen wir, nicht spontan zu gehen, sondern zu bestellen: Zweimal das Dreigangmenü. Und das war gut so!

Es gab:

  • Venusmuscheln und Miesmuscheln in Weißweinsauce, mit dem Gewürz der Seligen.
  • Spaghetti in Tintenfischsauce
  • Gemischte Fischplatte

und

  • Sardine Saor
  • Spaghetti mit Meeresfrüchten
  • Kalbsleber venezianische Art

 

Sarde saór
Sarde saór
Spaghetti mit Meeresfrüchten
Spaghetti mit Meeresfrüchten
Leber Venezianische Art
Leber Venezianische Art

 

Alles warm, alles sehr fein, und der Preis von 25 Euro kann in Venedig als sensationell günstig bezeichnet werden – zumal der Chef in der Küche mit guten Zutaten nicht geizte. Während wir drinnen gemütlich saßen und aßen, tobte draußen ein heftiges Gewitter. Wir hatten schon Angst um unsere Frisuren, aber kaum hatte der Regen so richtig angefangen, stand draußen vor der Tür ein Schirmverkäufer. Endlich mal was Praktisches, dachte ich und fand, dass auch die heimischen Rosenverkäufer auf Handtaschenschirme umstellen sollten – ist doch bei unserem Wetter ein krisensicherer Job! Ich überlegte mir schon, wieviel ich für so einen drei-Euro-Schirm zu zahlen bereit wäre… Aber als wir fertig waren, hatte der Regen aufgehört und der Schirm-Inder ging wieder Rosen anpreisen, so dass wir den Preis nie erfahren haben…

Römische Restaurants

Der Italiener als solcher ist ja sehr berühmt wegen seiner Lebensart, die natürlich auch mit Essen und Trinken zu tun hat und mit den Orten, wo man dies tut. Die Tasse Espresso am Morgen (am Vormittag, am Nachmittag) an der Theke stehend eingenommen ist ein preiswerter und köstlicher Genuss. Mit 80 Cent ist man dabei und kann darob wahrlich nicht meckern. Gegenüber von unserem Hotel, auch das gibt’s, wollte man zwei Euro von dort im Hotel wohnenden und drei Euro von fremden Gästen – was der Dame an der Espressomaschine aber selber peinlich war…

Free
Free

Apropos Hotel: Wir hatten, nomen es omen, ein Hotel namens Romae gefunden. Der Preis unseres Zimmers laut Schranktüraushang: 210 Euro. Bezahlt haben wir (bei Buchung via HRS) 54 Euro – Frühstück inklusive. Den Preis war es allemal wert: Es liegt zentral unweit des Bahnhofs Termini und dennoch relativ ruhig, das Personal (lauter junge Typen, die alle hervorragend englisch reden) superfreundlich, es gibt eine Bar mit freiem Kaffee und auf dem Zimmer WLAN – auch umsonst. Die Zimmer sind klein, das Bad sehr klein, der Aufzug dahin extrem klein – aber alles ist sauber und nett eingerichtet.

Mama Angela
Mama Angela

Das Frühstück gab’s nebenan in der Trattoria Mama Angela. Gleich hinter der Tür saß eine Frau, die ich mal “typisch italienische Mutti” nenne, obwohl sie eigentlich schon eher eine Oma war. Sie hatte den Wettbewerb für grimmiges Gucken unangefochten gewonnen und streckte jedem, der reinkam, die Hand entgegen, um den Frühstücksbon abzufassen. Und wehe, man schlich an ihr vorbei! Nicht dass sie aufsprang (das ging nicht, Gesetze der Masse und der Altersträgheit): Sie machte ihre Bedienung spitz, und die musste die Tickets eintreiben. Das Frühstück selbst war sehr italienisch: Kuchen, Weißbrot, nichtssagender Kaffee, geschmacksneutraler Käse, eine Wurstsorte und einige Plastiktöppe mit Marmelade – aber besser als nichts. Und für die Zeit danach gibt’s ja die Espresso-Bars.

Zu den berechtigten schönen Vorurteilen gehört, dass das italienische Leben sich draußen abspielt. Also saßen wir, am 9. Januar, nachmittags draußen, wie alle mit Mantel an, aber glücklich. Einen Weißweinkühler mussten wir nicht verlangen, aber für Rotwein wäre es deutlich zu kühl gewesen! Zum Glas Wein (drei Euro) bekamen wir einen ordentlichen Topp mit Erdnüssen – ein netter Ohnmachtshappen auf dem Weg zum richtigen Essen. Der Espresso kostete für uns draußen Sitzende 1,50 – auch in Ordnung!

Abends sind wir im Restaurant Edy gelandet – nicht weit von der spanischen Treppe, noch näher an der Via Margutta mit all den Antiquitätenläden – und exakt in der Vicolo del Babuino 4. Wir kamen glücklicherweise etwas zu früh für italienische Verhältnisse – um acht geht da noch keiner aus, und es war erst halb acht also wir hungrig dort strandeten. Ab neun Uhr ist dann aber der Bär los – viele Italiener, was immer ein gutes Zeichen ist. Am Tisch neben uns feierte eine Familie aus der Nachbarschaft. Zuerst kam Mama nebst Tochter, dann diverse Mannsleute, noch eine Frau und zum Schluss: Luigi. Was für ein Mann! Das Haar zum Zopf gebunden, rotbestrumpft (sah aus wie eine Strumpfhose) und sofort Mittelpunkt des Clans. Sie haben gut getafelt, wir aber auch: Carpaccio und Gebackene Auberginen mit Parmesan. Zum Hauptgang gab’s für Mutige Lammhirn in Bierteig und Rinderfilet in Pfeffersauce – beides sehr ordentlich. Der Service auch hier sehr nett – beim nächsten Rom-Besuch sind wir wieder da, garantiert!

Tre Archi
Tre Archi

Ein Kriterium für gutes und nicht überteuertes Essen ist sicher der Besuch von Einheimischen. Wenig effekthaschende Beschilderung draußen und eher helles Licht drinnen sind andere Hinweise. So fanden wir für den Mittag unseres zweiten Tages das Ristorante Tre Archí in der Via dei Coronari 233 (auf dem Weg zu Engelsburg und Vatikan, vom Pantheon kommend). Hier saßen hauptsächlich Geschäftsleute, die Bedienung – wie fast immer in Rom: Ein Mann – mischte auch in der Küche mit – und es schmeckte wirklich römisch-gut: Antipasti misto (ein Teller für zwei), Involtini (Kalbsroulade!) und Spinatflan.

Man kann auch reinfallen bzw. es nicht ganz so nett treffen: Abends im Szeneviertel Trastevére glaubte ich, dass uns die Vinothek Rucantino vor dem Verdursten retten könnte und ließ mich auch von dämmrigem Funzellicht nicht abschrecken. Es war ziemlich leer, als wir kamen – und noch leerer, als wir nach einem Glas Wein gingen. Der preiswerteste Wein aus dem offenen Angebot kostete 5 Euro pro kleinem Glas, natürlich gab’s hier keine Nüsse gratis dazu. Besser als die Hausweine, die es andernorts gab, war das auch nicht unbedingt – und auch nicht wirklich gemütlicher.

Gino in Trastevere
Gino in Trastevere

Wir fanden dann für den Restabend Gino di Trastevere: Grelles Licht! Jahrgang 1951 – ein guter! Alte Kellner mit freundlichem Gesicht! Laut lachende Geburtstagsgesellschaft mit drei Männern und drei Frauen, genau so getrennt sitzend! Holzofenpizza! Hauswein für 9 Euro – aus der eigens etikettierten Flasche! Kochen können sie da auch: Pulpo frittiert und als Salat, beides köstlich (die frittierte Variante ein Gedicht!), Pizza mit hauchdünnem Boden und schwarzem Trüffel bzw. Büffelmozarella und Tomaten, und dann ein selten gutes Tiramisu und ein Tartufo. Zwischendurch nette “Salute!” zum fröhlichen Nachbartisch – italienische Abende können einfach nur nett sein!