Niemanns Tresor

Niemanns Tresor

Gegenüber der Thomaskirche in Leipzig am Thomaskirchhof 20 steht ein ehemaliges Bankhaus. Der Architekt Peter Dybwad, der in Leipzig 1895 das Reichsgerichtsgebäude mit entworfen hat, hatte es 1905 für das Bankhaus Meyer & Co. gebaut. Da gibt es repräsentative Räume – auch wenn das Haus von außen “sich durch eine zurückhaltende Modernität auszeichnet und durch die Wahl vornehmlich traditioneller Stilelemente sehr gut in die städtebauliche Situation Leipzigs einfügt”, wie es in der Wikipedia über Dybwads Bauten heißt.

Um “Niemanns Tresor” zu finden, muss man also schon wissen, wo man ihn zu suchen hat: Im Hochparterre eben jenes Hauses. In einem Fenster flimmert ein Flachbildschirm nach außen, im Sims unterm Fenster gibt es dezent den Schriftzug des Restaurants: Nur wer’s weiß, sieht’s.

Drinnen verliert sich die Zurückhaltung, aber aufdringlich wird es nicht: hohe Räume, holzvertäfelte Zwischenwände, großformatige Bilder an den Wänden, satte warme Farben an der Decke und an Pfeilern, leinengedeckte Tische – irgendwie passt alles für eine angenehme Wohlfühl-Atmosphäre. Es gibt eine Raucher-Lounge, so dass – wer das braucht – nicht wie ein Hund vor die Tür gejagt wird. Und im Keller befindet sich der Tresor, der dem Restaurant dem Namen gab.

Wir waren nicht an irgendeinem Tag in Niemanns Tresor, sondern zu Silvester. Es gab nur ein Menü, aber man konnte kommen, wann man wollte (das hatten wir auch schon anders: da mussten alle zur gleichen Zeit da sein!).

Wo es gediegen-festlich zugeht, da sollte ein Glas Champagner am Anfang nicht fehlen: Die Auswahl ist ordentlich, und in der rosé Variante eine köstliche Einstimmung. Der Service – vier Leute wuselten im Gastraum herum – war supergut drauf, was ja an so besonderen Abenden nicht immer der Fall ist, denn schließlich müssen die Damen und Herren arbeiten, während andere feiern. Aber sie schienen alle gute Laube zu haben und brachten das bis nach Mitternacht auch rüber. Die Weinkarte des Hauses bietet genug Auswahl, um das Passende zum Essen zu finden – und dennoch entschlossen wir uns für eine der Weinempfehlungen aus dem Silvestermenü: Eine trockene Grauburgunder Spätlese vom Weingut Pawis (eins der beiden Saale-Unstrut VDP-Weingüter).

Und schon geht’s los: Brot (von der Sorte: zu lecker um es liegen zu lassen), Butter, Öl und grobes Salz und eine Schieferplatte mit dem Gruß aus der Küche (Lachs, Wachtelei und ein kleines Gurken-Joghurtmousse-Türmchen) – sah gut aus und regte die Geschmacksnerven an. Die sollten in diesem vergnüglichen Zustand bleiben, denn die folgende halbe Wachtel (aufgeteilt und in unterschiedlichen Texturen) mit Entenstopfleber an Rotkohl-Preiselbeersalat erfreute ebenfalls Aug’ und Gaumen. Schön schaumig aufgeschlagen und kräftig im Geschmack war die Selleriecremesuppe mit (erfreulicherweise gar nicht trockener!) Kanichenroulade.

An dieser Stelle baten wir erst einmal um eine Pause, denn bis dato ging es Schlag auf Schlag – kein Problem: “Geben Sie einfach ein Zeichen, wenn es weitergehen soll!” sagte die Gast-freundliche Bedienung. Nach dem Zeichen gab’s Hummerravioli auf Erbsenpurée und Morchelschaum (feiner intensiver Geschmack) und dann ein Stück vom Bentheimer Landschwein an getrüffeltem Spitzkohl. Oh oh, das war superklasse: zart und saftig das Fleisch, fein abgeschmeckt und ausbalanciert der Spitzkohl. Schade, dass man auch bei wohl bemessenen kleinen Portionen irgendwann satt ist, denn dieser Gang wäre eine Zugabe wert gewesen!
Der Käsegang (Fourme d’Ambert mit Pflaumen-Gewürzmousse) war nach unserem Geschmack der einzige geschmacklich etwas unterbelichtete im Menü – aber der dann folgende Abschluss war mehr als ein Trost: Mit der Champagner Zuckerkugel an rosa Grapefruitsorbet schloss sich der Kreis zum Beginn des Abends: was zum Gucken und Schmeckleckern…

Niemanns Tresor
Thomaskirchhof 20
04109 Leipzig
Telefon-Nr: 0341 4800947
www.niemannstresor.de

Besucht am 31.12.2011 | Lage

„Wir müssen mehr unternehmen!“

Gespräch mit Leipzigs OB Wolfgang Tiefensee

Die ersten Sätze eines Interviews, so lernt man als Journalist, sollten quasi im Vorfeld des offiziellen Gesprächs einen sanften Einstieg in die Unterhaltung bieten. Neudeutsch nennt man das warming up, und meistens klappt es auch. Was aber, wenn einer der Beteiligten aus Dresden kommt und das Gespräch in Leipzig stattfindet, zudem noch mit dem Oberbürgermeister der Stadt? Leben dann alte Animositäten auf? Lodert der altbewährte Streit, wer die Schönste im Land sei? Nein! Alles ist anders…

Leipzigs OB zum Frühstück bei Fürstenhof-Direktor F. W. Niemann

Wolfgang Tiefensee ist, normale Maßstäbe einer parteipolitischen Karriere angelegt, ein Spätentwickler. Im Juli 1998 wurde er für die SPD Oberbürgermeister der Stadt Leipzig – nach erst drei Jahren Parteizugehörigkeit. Normal ist das nicht, aber vielleicht ganz gut, denn Tiefensee hat sich ohne die Ochsentour durch alle Gremien weniger Kanten abgeschliffen als viele seiner altgedienten Kollegen – und mehr Frische und Charme hat er auch behalten. Und so ist es dann ein ganz und gar unkompliziertes Gespräch, das der Oberbürgermeister mit dem Geschäftsführenden Direktor des Kempinski Hotel Fürstenhof Leipzig während eines Frühstücks im Hofgarten des Hauses führen – ein Gespräch mit vielen ernsten Momenten (wenn es um Arbeit geht oder um Demokratie beispielsweise), aber auch eins mit vielen Lachern zwischendurch.

Sehr viel Spaß bereitete Tiefensee beispielsweise das Manager Orchester, das kürzlich in Leipzig auftrat: Bis auf den Dirigenten (Herbert Blomstedt vom Gewandhaus) saßen da nur Laien im Orchester, die im normalen Leben eben Manager oder Vergleichbares sind. Der OB beispielsweise hatte zwar in seiner Jugend Cello gelernt und sogar den Bachpreis gewonnen. Weil aber die politische Haltung des Katholiken und in kirchlichen Gruppen arbeitenden Tiefensee damals unbequem war, durfte er nicht studieren, schon gar nicht Musik. Und so blieb dann irgendwann das Cello auf der Strecke. „Nach 30 Jahren war das nun mein erstes Konzert –und es hat irre Spaß gemacht!“ Ein paar Sekunden hatte der OB über eine Auslandsreise nachgedacht, um so dem Termin geschickt auszuweichen. Aber dann entschloss er sich doch, „ein bisschen kräftig zu üben“ und mitzumachen. Mittlerweile bereut er das nicht, hätte sogar gern nächstes Jahr wieder so einen Termin in Leipzig: „Das passt zu uns, das Manager-Orchester!“

Weil da die Kunst die Wirtschaft trifft, und so hätte er sein Leipzig gerne. „Die Gefahr ist groß, dass Leipzig kein Gesicht hat. Aber wir brauchen eins!“ Als „Stadt der Unternehmenden“ könnte es voran gehen – denn die Leipziger seien eben nicht nur „Unternehmer“ im kaufmännischen Sinn. „Leipzig ist eine stolze Bürgerstadt, in der viel selbst gemacht wurde und wird!“ Ein wenig traurig stimme ihn schon, dass ausgerechnet in der Stadt der friedlichen Revolution zehn Jahre nach den entscheidenden Aktivitäten bei Wahlen so eine geringe Beteiligung für Minusrekorde sorge.

Untätigkeit ist nicht sein Metier: Wer in der Biographie liest, dass Wolfgang Tiefensee seinen Wehrdienst ohne Waffe als Bausoldat leistete, der bekommt eine Ahnung, was das für ein Mensch ist: Problemen geht man nicht aus dem Weg, man geht sie an. und mit der Meinung hält man nicht hinterm Berg, man diskutiert sie. Im irreal existierenden Sozialismus keine bequeme Grundeinstellung – aber wer sagt denn, dass im Leben immer alles bequem ablaufen muss?

So gesehen ist es kein Wunder, dass Tiefensee in den Tagen der Wende einer der Zehn am Runden Tisch war. Beinahe wäre er danach zurückgegangen zur Uni, wo er vor der Wende in einem berufsbegleitendem Studium als Ingenieur für Elektrotechnik diplomiert hatte – doch „da war es, als sei die Zeit stehengeblieben!“ – und so wurde Wolfgang Tiefensee Berufspolitiker, erst Dezernent und parteiloser Stadtverordneter, dem Bündnis 90 nahestehend, dann später Amtsleiter der Stadtverwaltung Leipzig. Anschließend Stadtrat und später Bürgermeister für Jugend, Schule, Bildung, Sport, jetzt Oberbürgermeister.

Macht das Spaß in Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation besser sein könnte, in denen der Wettbewerb härter und die Wirtschaftsstatistiken grauer geworden sind? Doch, unterm Strich schon. Optimistisch redet Tiefensee von Chancen und Potentialen, und dass man Gräben überwinden müsse. So wie den zwischen den beiden großen sächsischen Städten. Und glaubhaft versichert er dem aus der Landeshauptstadt angereisten Journalisten, dass diese beiden Städte ganz unterschiedlich seien und er den Wettbewerb sehr befruchtend finde. Nie sei er neidisch oder gar larmoyant. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Doch wehe, wenn er einmal Gelegenheit habe, mit einem Dresdner Wahrer und Hüter alter Pfründe hinter verschlossenen Türen allein zu sein – da werde er immer klar und deutlich Stellung nehmen…

Veröffentlicht in: trialog 4/99
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„LA kam gut in LE!“

Unterwegs im Ampelmännchen-Land
Carla Zwylle berichtet von ihren Erlebnissen bei der Oscar Night Party

Liebe Conny,

war das eine lange Nacht! Kannst Du Dir vorstellen: Durchgemacht habe ich, und das in meinem Alter (hihi)!!! Aber der Reihe nach!

Mein Mann hatte mal wieder in Leipzig zu tun, just zu der Zeit, als in L.A. die Oscar-Preisverleihung über die Bühne ging. Das Leipziger Kempi (Du weißt: Wo wir im letzten Jahr beim Titanic-Abend so nett versunken waren ;-) hatte wieder mal eine tolle Idee, indem dort eine Oscar Night Party stattfand. Kleidungsvorschrift: Aufgemürzelt wie in Hollywood!

Kurz vor Mitternacht ging ’s los. Draußen vorm Hotel roter Teppich und zwei scharfe Limousinen, drinnen Colastand, Schampus und Hamburgerbar zum Selbermixen! Und die Leute (Du weißt, ich kann es nicht lassen…) echt klasse, mit Schlitzkleidern und frisch gestylt, einige Männer sogar im Smoking! Offensichtlich überwiegend junges Leipziger Publikum, die sich ’ne Nacht im Kempi gegönnt haben.

Zuerst gab ’s ne Talkshow mit Leipziger Filmemachern, die “Over the Rainbow“ gedreht haben. Nicht mein Geschmack, aber mal sehen, ob der Film gut kommt, wenn er im Herbst fertig ist.

Dann auf einer Riesenleinwand im Wintergarten (wo wir im vergangenen Jahr den Absacker getrunken hatten…) die Liveübertragung aus dem Shrine Auditorium. Viel Glamour und ansonsten im Prinzip the same procedure as every year, mit Dank an die Produzenten, die Eltern und sowieso. So gegen drei Uhr zog sich der beste Ehemann von allen müde zurück, und auch ich fragte mich, ob ich’s durchhalte bis in den Morgen – aber dann kam der Moment, in dem Roberto Benignis “Das Leben ist schön“ den Oscar als besten ausländischen Film bekam. Wie der Mann lachte, sich freute, auf die Lehne und über die Schultern seiner Nachbarn taumelte vor Freude, das war doch einfach riesig. Jaja, la vita e bella! Und als Strahlemann Roberto auf der Bühne ohne Punkt und Komma sagte, wie er sich freute und dass sicher alles ein terrible mistake war: Da waren wir alle wieder wach, weil wir mit ihm lachen mußten. The Party at its best! Fast, denn als Roberto auch noch für die beste männliche Hauptrolle seinen Oscar absahnte, riss er mich wieder aus dem drohenden Halbschlaf. Warst Du schon in dem Film? Wir sollten ihn uns zusammen ansehen!

Mit fortschreitender Stunde lichteten sich die Reihen ein wenig. Ursprünglich mögen es über hundert Partygäste gewesen sein (ich hab ’s nicht gezählt), doch als dem Morgen graute, waren wir immer noch knapp dreißig (da habe ich neugierig nachgezählt!). Als alles gelaufen war, kam noch mal kurz Spannung auf: Wir hatten alle vorher unsere Oscar-Tips abgegeben. Dichtung und Wirklichkeit: Einer der Gäste hatte 15 richtige Voraussagen – und gewann einen Lufthansa-Flug nach LA mit Übernachtung im Ritz Carlton Hotel Marina del Rey. Er freute sich wie Bolle! Ich hatte übrigens nur elf Richtige: Wir müssen nächstes Jahr öfter ins Kino!

Draußen war ’s schon hell, als ich dann ins Bett ging. Der beste Ehemann von allen ging gerade zum Frühstück, als ich ermattet den Matratzenhorchdienst bestellte: Mein Frühstück gabs um zwölf, und ich war nicht die einzige…

Bis bald zu Hause,
sei ganz doll geherzt von
Deiner Carla

Carla Zwylle

Veröffentlicht in: trialog 2/1999 | Als PDF betrachten (76 KB)

Liebeserklärung an Ampelmännchen & Co

666 Gründe für eine sommerliche Reise nach Dresden – Leipzig – Weimar

Ein Bericht von Carla Zwylle

Im Osten, heißt es, sei alles anders. Immer noch spannend sei es, da hinzufahren und es sich vor Ort anzusehen. Was denn alles anders sei, wollte mein Mann – der beste Ehemann von allen – eines netten Sommertages von mir wissen, und mir fiel außer Alleen, Ampelmännchen und Rechtsabbiegerpfeilen nichts ein. Wie so oft, kam uns der Zufall zu Hilfe. Diesmal in Form einer Anzeige, die auf den ersten Blick eine unverständliche Gleichung zeigte, sich aber als tolles Angebot entpuppte: Drei Übernachtungen in den drei Kempinski Hotels in Dresden, Leipzig und Weimar, das Doppelzimmer für 666 Mark – da ließ sich der Gatte schnell überreden: Nicht rosten, auf in den Osten!

Station Nummer eins: Dresden. Die Landeshauptstadt Sachsens putzt sich an allen Ecken fürs kommende Jahrtausend und bietet eine gelungene Mischung von Neuem und Altbewährtem. Wegen der reichlich vorhandenen Kunst schmückt sich Dresden mit dem Beinamen „Elbflorenz“, was bis aufs Wetter auch gut nachvollziehbar ist. Unser Zimmer im Taschenbergpalais war eins mit Blick auf einen wesentlichen Teil eben jener Kultur: Schloß und Semperoper.

Klar, daß wir gleich nach der Ankunft dieses barocke Dresden erkunden mußten. Der erste Rundgang führt über das Residenzschloß und die Oper in den Zwinger. Natürlich mußten wir in die Gemäldegalerie, um die mittlerweile zu jedem kitschigen Zweck mißbrauchten Engel auf Raffaels Sixtinischer Madonna einmal live zu sehen: Genial! Ein Kaffee im Vestibül des Taschenbergpalais markiert die Halbzeit des Bummels, der mit Fürstenzug, Frauenkirche und Brühlscher Terrasse komplettiert wird.

Abends dann Dinner im Intermezzo, dem Restaurant des Taschenbergpalais. Bei sächsischem Wein und mediterran inspiriertem 4-Gang-Menü studieren wir die üppige Liste aller „666 Gründe, den Sommer zu entdecken…“, die uns das Hotel nach dem ersten Info-Telefonat zugeschickt hatte. Resigniert stellen wir fest, daß uns nur noch der nächste Morgen bleibt und wir eine Auswahl treffen müssen – sie fällt auf eine Schiffstour elbaufwärts zum Blauen Wunder und zum Bummel durch die Königstraße. Hier entwickelt Dresden Einkaufsflair, daß es Spaß macht. Wer will, kann hier wunderbare Sachen kaufen. Und ich wollte…

Der beste Ehemann von allen hatte das kommen sehen und pragmatisch wegen der zu erwartenden Einkaufstüten als Verkehrsmittel das Auto empfohlen. Mit dem verließen wir am Nachmittag die Landeshauptstadt. Das Ziel: Leipzig und sein Fürstenhof. Auch der mittendrin im Geschehen, so daß wir uns die Stadt erlaufen konnten. „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ sagte Goethe (wer denn sonst?), die Stadtwerber bringen es weniger poetisch auf den Punkt und behaupten: „Leipzig kommt“. Aber wo sie recht haben…

Wohin in Leipzig, der Messe- und Museenstadt, der Bach- und Buchstadt, der Universitäts- (seit 1409) und Heldenstadt (seit 1989)? Zuerst aufs Zimmer (chic chic, sogar mit kleinem Balkon), dann zum Hauptbahnhof, weil der ja nach Umbaumaßnahmen zu einem Vorzeigestück geworden ist mit all seinen Shops, Cafés und der immer noch ansehnlichen Zahl von Bahnsteigen und Gleisen. Und dann, nach einem stärkenden Imbiß im Wintergarten des Fürstenhofs (mit flexiblem Sonderservice: Auf Wunsch gab es sogar was von der Zimmerkarte – prima!) auf Tour durch die Innenstadt: Meine Güte, was gibt es dort viel Kneipen! Und das ganze Volk sitzt draußen – Lebensqualität pur, und das auch dann, wenn nicht Großveranstaltungen wie das Classic Open Air locken.

Der Morgen danach, ein Kapitel für sich. Wir genossen (leider nur kurz) die Badelandschaft „AquaMarin“ im Fürstenhof, bevor wir den Stadtbummel wiederholten – diesmal unter besonderer Berücksichtigung der zahlreichen Boutiquen und Geschäfte in den Passagen der alten und prächtig restaurierten Messehäuser. „Gut, daß Samstag ist,“ merkte der beste Ehemann von allen an, weil so der Ladenschluß um 16 Uhr dem Kaufrausch ein natürliches Ende setzte…

…und so kamen wir noch rechtzeitig nach Weimar, um zwei Dinge unseres Plans abzuhaken: Der Elephant, das dritte der Kempinski Hotels mit dem verlockenden 666-Marks-Angebot, liegt am Markt – und nur wenige Schritte vom Park an der Ilm und dem Goethehaus entfernt. Das muß man doch gesehen haben, und nach einer Autofahrt tut ein Spaziergang allemal gut. Anschließendes Muß für den Abend: Besuch im Elephant-Restaurant Anna Amalia. Es wird in den einschlägigen Führern für seine Küche gelobt – und da der beste Ehemann von allen ja nach den zwei Einkaufstouren mit der ihm Anvertrauten noch einen Wunsch frei hatte… Aber es hat sich gelohnt, und der Absacker in der Bar gehört zu den vielen guten Erinnerungen der Reise.

Sonntag in Weimar. Endlich kommen die Klassiker zu ihrem Recht. Das Hotel hat etwas, was wir so noch nirgendwo erlebt haben: Eine eigene Kulturreferentin. Kornelia Lukoschek nahm uns an die Hand und zeigte uns ihr Weimar. Eine belesene Frau, die neben viel Stadthistorie auch das Pikante der Geschichte kennt (manchmal trägt sie im Restaurant des Elephanten zum viergängigen Goethe-Menü Heiteres zum Thema „Goethe und die Frauen“ vor). Knapp zwei Stunden waren wir unterwegs und haben fast alles gesehen, wenn auch nur im Vorübergehen. Herzogin Anna Amalia, Goethe, Schiller, Bauhausgründer Gropius, Herder, Bach und all die anderen: Alle dagewesen zu ihrer Zeit, aber alle immer noch präsent durch Museen und Bibliotheken. Und der Geist der Klassiker, der weht einen sowieso in dem kleinen gemütlichen Städtchen an jeder Ecke an. „Zuviel für einen Tag!“ seufzte der beste Ehemann von allen – und hatte mich schnell auf seiner Seite mit dem Entschluß, die Tour so oder so ähnlich irgendwann mal zu wiederholen. Keine schlechte Idee, wo doch in Weimar die Geschäfte geschlossen hatten…

Carla Zwylle

Veröffentlicht in: TaschenbergNews 4/1998
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