Traditionelles modern interpretiert

Charlotte K

Zitzschewig ist einer der vielen Orte im Osten der Republik, bei denen man am besten gar nicht so genau hinsieht, wie da die Konsonanten aufeinander prallen. Dabei ist es ganz einfach, wie man mit diesem slawischen Gezische umgeht: Vernuscheln. Einfach mal das z zwischen dem t und dem sch weglassen, und dann geht’s doch!

Dieser kleine Exkurs macht es uns ein wenig leichter, sich für Charlotte K. im Radebeuler Ortsteil Zitzschewig zu verabreden. Hier kocht seit dem 1. Dezember 2007 Ines Kuka, eine der wenigen Chefinnen in der Garde der besten Köche im Land. Zum Stil des Hauses gehört auch, dass man die Köche zu sehen bekommt, da sie oft die Teller (mit) an den Tisch bringen. Deswegen kennt und begrüßt die Chefin ihre Stammgäste (deren es viele gibt) dann auch und hat immer ein freundliches Wort übrig – so viel Zeit muss sein.

Das Wohlfühlen spielt also im 1827 gebauten Zweiseithof eine große Rolle. Als wir da waren, gab’s keine freien Plätze mehr – das Konzept scheint also anzukommen. Wir entschieden uns für die Drei-Gang-Variante des angebotenen Menüs und verzichteten auf die Suppe – aber nicht auf den dazu angebotenen Wein: auf den 2010 Grauburgunder „Brüssele“ von Graf Adelmann wollten wir nun wirklich nicht verzichten! Und bis zur Vorspeise kamen immerhin zwei Grüße aus der Küche, die die Wartezeit angenehm verkürzten.

Salat vom Kalbsbäckchen auf Bohnen & Birnen im Kräutersud als Vorspeise waren einerseits eine schöne Erinnerung an heimische Küche (in der es Birnen-Bohnen-Speck gab) und andererseits ein feinschmeckender Beweis dafür, wie man Traditionelles modern interpretieren kann. Die Bäckchen zart und der Kräutersud ein köstlich-würziges Bett für Birnen und Bäckchen. Der dazu gereichte 2010 Rosé „Saigner“ von Markus Schneider ist für sich allein getrunken schon einer unserer Lieblinge, aber zu den Bäckchen legte er noch einmal zu.

Der Rollbraten vom Kaninchen auf Karotten-Lauch -Ragú mit Senfhollandaise erschien uns ein wenig zu trocken – ein bekanntes Phänomen bei Kaninchen. Dafür hatte es Geschmack und somit die zweite Klippe bei Kaninchengerichten bestens umschifft, was auf eine kenntnisreich-liebevolle Behandlung in der Küche schließen lässt. Der passende Wein dazu war ein 2010 Gelber & Roter Traminer Umathum aus dem Burgenland.

Das Dessert hatte das Zeugs, unseren absoluten Liebling bei Charlotte K. auf die Plätze zu verweisen: Eine Schokoladen-Bayrisch-Creme mit Mango. Nicht gerade etwas zum Abnehmen, dafür aber zum Abschlecken (ging aber nicht, da wir keine Chamäleon-Zunge haben und die Creme im Weckglas serviert wurde. Chic, aber unpraktisch und ein gutes Mittel zur Tischsittenerziehung…)

Charlotte K.
Coswiger Straße 23
01445 Radebeul

Tel.: 0351 / 833 6876
http://www.charlotte-radebeul.de
http://www.kochsternstunden.de/index.php/charlotte-k.html

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag ab 18 Uhr

[Besucht am 3. Februar 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Frühere Berichte von den Besuchen 2008 und 2010

Besser als in den guten, alten Zeiten

Eine Zeitreise...

DDR-Buffet im Radebeuler “Seventies” weckt Erinnerungen aufs Allerfeinste

Er, hier geboren, zu Ihr: “Wollen wir heute Abend mal zu einem Abend mit DDR-Buffet?” Sie (in Westfalen geboren und aufgewachsen) zu Ihm: “Was gibt’s denn da?” Er, augenzwinkernd: “Von allem zu wenig!”

Ja wenn das so ist – dann mal hin: Wir waren zu Viert im Seventies, das in Radebeul gleich neben dem DDR-Museum mit Mobiliar im Stil längst überwunden geglaubter Jahre auf Gäste wartet, denen augenflickerlila und knallorange überall innen und außen (beim Werbe-Wartburg vor der Tür) nicht weh tun.

Wir wurden platziert! An einem runden Tisch mit Abenteuerstühlen, deren Lehnen wohl vor Jahrzehnten futuristisch genannt werden wollten. Lustig, und gar nicht mal unbequem! Wir lehnten uns also zurück und schlürften die Bowle, die zur Begrüßung dieses “All-inclusive-Abends” gereicht wird – wobei das natürlich ein Begriff aus der Jetztzeit ist. Die Bowle vermochte es nicht, uns zwanzig Jahre mindestens zurückzuversetzen, also nahmen wir Abstand vom Angebot, für vier Euro fuffzich (über 30 Ostmark!) pro Person einen Flatratetrinkerabend zu veranstalten.

Das Buffet enttäuschte den eingangs zitierten skeptischen Ossi: Es war von allem da! Zur großen Freude von allen gab es diese netten Mitropa-Teller mit der praktischen Facheinteilung. Wir nahmen nie reichlich, dafür aber oft. Eingangs natürlich gleich mal eine tote Oma, natürlich mit Sauerkraut. Schmeckte (sagten die, die sowas mögen). Danach eine Soljanka, natürlich mit Zitronenschnitz und saurer Sahne. Schmeckte (sagten alle).

Das Graubrot, das wir uns zur Vorspeise (gefülltes Schinkenröllchen, dazu Rohkost aus Rotkraut- und Möhrenstiften) nahmen, war an den Rändern gewellt. “Wie damals!” freuten sich die beiden Hiesigen. Die von drüben meinten: Ist doch normal, wenn das da so rumliegt – und hatten mal wieder nichts verstanden. Was natürlich erst recht fürs Jägerschnitzel galt. Denn was dem Kölner sein “Halve Hahn” ist dem Dresdner sein Jägerschnitzel: Touristenirreführung mit schelmischem Lachen. (Für die, die noch nie im Westen aßen: Dort ist ein Jägerschnitzel ein Schweineschnitzel mit Pilzen.) Das vom Buffet war außen kross und innen ein sehr ordentliches Stück Jagdwurst, gut paniert und schön kross gebraten. Im Mischgemüse freilich fanden wir dekadent viel Blumenkohl, aber keine Erbsen!

Geht noch was? Na klar: Der Goldbroiler, unbestrittener Höhepunkt – und auch der war zur großen Freude gut gelungen: Das Fleisch zart und nicht totgegart, die Haut kross. Wobei wir pünktlich um 18 Uhr begonnen hatten und das Buffet bis 22 Uhr steht. Ob die lange Bereitstellung aus dem Broiler einen Gummiadler machte, haben wir nicht getestet – die Gefahr besteht ja bei jedem Buffet, das nicht von den werktätigen Massen gestürmt wird, sondern verhalten besucht ist. Statt dessen ließen sich die beiden Einheimischen zu Schenkelklopfern und Quietschlauten hinreißen, denn zum Dessert tritt auf: Rote Grütze von Komet. Hauptsächlich Gries und Farbstoff, aber laut Packung kann sie sogar Spuren von Schalenfrüchten enthalten…

Seventies
Wasastr. 50
01445 Radebeul
Tel. 0351 / 835 1777
http://www.70-dresden.de

Geöffnet täglich ab 11 Uhr
DDR-Buffet: Donnerstags 18-22 Uhr

[Besucht am 21.07.2011 | Veröffentlicht am 04.08.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung |Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Versöhnung beim Dessert

Restaurant im Schloss Wackerbarth

Schloss Wackerbarth, das sächsische Staatsweingut, verkauft sich als erstes Erlebnisweingut Europas. Was auch immer zu dieser Einschätzung geführt hat – manchmal erlebt man Dinge, die man gar nicht möchte. Zum Beispiel beim Besuch im Gasthaus des Weinguts.Schon bei der telefonischen Reservierung gefragt zu werden, ob man a la carteoder das Menü essen will, verwirrt. Was man als Laie am anderen Ende nicht ahnen konnte: Der Tischreservierungsannehmer wollte wissen, ob man an der an diesem Abend laufenden Sonderaktion teilnehmen wolle? Wir wollten nicht, weil wir von dem Candle-Light-Dinner (so auf der Webseite geschrieben) gar nichts wussten.

Also gab es zwei Menüs, eins aus der Karte selbst zusammengestellt, eins als Auswahl des so angebotenen Kulinaria-Menüs. “Gern empfehlen wir Ihnen eine korrespondierende 3er Weinprobe zu Ihrem Menü” steht auf der Webseite des Erlebnisweinguts, im wirklichen Leben steht das nicht auf der Karte, und auch die Bedienung empfiehlt uns nichts. Also suchen wir selber aus. 16 Weine, natürlich alle vom eigenen Weingut, stehen zur Wahl – und erfreulicherweise kann man sie alle auch offen ordern.

Die beiden Vorspeisen zeigten Mut für gewagte Kombinationen: Jacobsmuscheln auf Steckrübenpüree, Dornfelderschalotten und Meissner Domspeck kombinierte eine nur einen Hauch zu arg gegarte Jacobsmuschel mit sehr feinem Steckrübenpüree, das gerade richtig in der Konsistenz war. Die in Dornfelder getränkten Schalotten passten, beim kross gebratenen Domspeck schieden sich die Tester-Geister.

Das Carpaccio vom Moritzburger Karpfenfilet an fruchtigem Grünkohl-Mangosalat mit Granatapfelvinaigrette erinnerte vom Geschmack tatsächlich an Austern – mal sehen, wann es den Karpfen als “die Auster der Moritzburger Teichlandschaft” gibt. Die Mischung aus Grünkohl, Mango und Granatapfel war eine angenehme Erfahrung, wird aber sicher nicht in die persönliche Liste der Lieblingsbegleitungen zu rohem Fisch aufgenommen.

Die beiden Hauptgänge entpuppten sich – jeder auf ganz eigene Art – als besonders unangenehmes Erlebnis. Medaillons vom Spanferkel an Dijonsenfsauce, Orangen-Spitzkohl und Pastinakenrösti nannte sich der eine Gang, bei dem die Sauce der vom anderen Teller auffallend ähnlich kam – und so gar nicht nach Dijon-Senf schmecken wollte. Die Rösti waren glitschig statt knusprig und somit eine ideale Begleitung zur gummiartigen Kruste des Spanferkels. Die “Medaillons” (Mehrzahl) waren ein (ein!) reichlich gegartes großes Stück Fleisch, das gute Kaumuskulatur erforderte. Es ging allerdings noch schlimmer: Die Geschmorte Rehroulade vom Hofgut Kaltenbach/Sachsen gefüllt mit Maronen auf Steckrübengemüse und Kartoffelkuchen war trockener als der trockenste je in Wackerbarth gekelterte Wein, wurde aber noch übertroffen vom Kartoffelkuchen, der das Prädikat knochentrocken erhielt. Die Maronenfüllung konnte das Trockendesaster nicht ausgleichen, und als einziger Lichtblick blieb der wirklich gute Süßkartoffelchip, der beide Hauptgänge krönte und seinerseits mit einem kleinen Sträußchen Kerbel dekoriert war – so wie auch die beiden Vorspeisen bekerbelt serviert wurden.

Die Bedienung, die bei der Kommunikation gerne einen nicht besetzten Tisch zwischen sich und uns ließ, fragte vorsichtshalber nie, ob es uns geschmeckt hat, sondern schwebte mit einem “Darf ich?” ein, um die Teller abzuräumen. Dafür besorgte er für das Reh einen Spätburgunder, der gar nicht auf der Karte steht!

Das letzte Kapitel versöhnte uns mit dem bis dahin Erlebten: Flüssiger Schokoladenkuchen mit hausgemachtem Sorbet vom Dornfelder und Mousse vom Dornfelder an Gewürz-Orangenragouterfreuten beide, wobei der Schokoladenkuchen eindeutiger Sieger in der Naschgunst war…

Sächsisches Staatsweingut GmbH
Wackerbarthstraße 1
01445 Radebeul
Tel. 03 51 / 89 55-310
http://www.schloss-wackerbarth.de/deutsch/unser-gasthaus

[Besucht am 12. Februar 2011 | Eine kürzere Version erschien im Mai 2011 in Augusto, dem Magazin für Genuss und Lebensart der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Leuchtturm der Gastlichkeit

Il Faro

Ach, dieser gepflegte Akzent hat doch was: “Unsere Empfehlung ist die Mozarella von der Büffel mit etwas Tomate und einem Blatt Basilikum! Ist eine Spezialität, särr gutt!” Dreimal pries unsere Bedienung, die uns freundlich und locker durch den Abend begleitete und dabei viel akzentfreier mit uns scherzte, die Vorspeise an. Wir widerstanden seinem Charme und orderten Antipasti für Vier mit sechs Tellern – und einem dieser exzellenten Mozarella von die Büffel! Sowas geht problemlos imIl Faro di Salvadore

Seit 2007 gibt es die Dependace des Il Grottino, das im Dresdner Stadtteil Plauen zu Recht als eins der zuverlässigsten und besten italienischen Restaurants Dresdens gilt, in Radebeul. Wir wollten sehen, ob der Name auch hier Programm ist: ein Leuchtturm zu sein!

Obwohl beide Ristoranti den Zusatz “da Salvatore” im Namen tragen, kann der natürlich nur in einer in der Küche werkeln – in der Regel kocht er in Plauen. Seine Frau Giovanna, die ehedem im Grottino die beste aller Bedienungen war, trifft man meist in Radebeul an (bei unserem Besuch war sie allerdings nicht dort, aber aus der Küche lugte das Gesicht des Chefs hervor).

Man kann, wenn man mag, im Il Faro lediglich eine Pizza essen und ist damit bestens bedient, denn dort schmeckt nicht nur der Belag, sondern auch der Teig! Aber besser ist es, den Ristorante-Teil des Hauses zu genießen. Die gemischten Vorspeisen regen die Geschmacksnerven an und gehen mitVitello Tonnato und gegrilltem Gemüse über das reine Arrangieren von Wurst und Käse (pikanter Peccorino!) hinaus. Übrigens: Die Büffelmozarellakugel mit Basilikumblatt, die wir zusätzlich hatten, war wirklich fein!

Die Tagesangebote (natürlich angepriesen als superlecker und ganz frisch) waren uns einen Versuch wert: Bei Trüffelnudeln in einer Parmesanhippe kann der Versuch als gelungen bewertet werden, dasDoradenfilet hingegen war leicht übergart, die Steinpilze uns nicht kross genug: Gut essbar, aber kein Leuchtturm. Tadellos gegart und gewürzt hingegen das gegrillte Lammcarré, das mit Rosmarinkartoffeln serviert wurde. Ein wenig irritierte allerdings die zur Blüte geschnitzte Tomate, die alle Gerichte (bis auf die Trüffelnudeln) begleitete und im Einklang mit kreativer Balsamico-Strichmalerei weder optisch noch geschmacklich zu den Highlights gezählt werden können. Vieles wird durch Weglassen besser! Die Spitze der irritierenden Tellermalkunst wurde mit der Dessertvariation geliefert, aber speziell Eis und Tiramisu ließen drüber hinwegsehen: Löffelschlecken!

IL FARO da Salvatore
Ristorante Pizzeria
Hauptstraße 13, 01445 Radebeul
Telefon: 0351 / 6563801
http://ilgrottino.de/

Geöffnet:
Di – So: 11:30 – 14:30 und 18:00 – 23:00

[Besucht am 6. Oktober 2010 | Veröffentlicht am 14.10.2010 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Spektakuläre Aus- und Einblicke

Besenwirtschaften

Als ob man bei Freunden zu Besuch wäre:
Straußwirtschaften in Dresden und Radebeul

Besen- oder Straußwirtschaften bieten die ungeahnte Möglichkeit, einzutauchen in die Welt der Winzer. Vier Monate im Jahr dürfen sie ihren Wein vor Ort anbieten. Die meisten machen es, weil eben nur nebenbei, nur am Wochenende – aber es lohnt sich, denn man lernt mehr kennen als den jeweiligen Hauswein…

Winzer Lutz Müller

Elbhangweinfass
Elbhangweinfass

Die Zahl der Besenwirtschaften im Stadtgebiet von Dresden ist sehr übersichtlich. Aber dafür haben sie es in sich. Nehmen wir den Winzer Lutz Müller, der von März bis November “Weine mit Weitblick” anpreist. Seine Straußwirtschaft befindet sich am Weinberg von Schloss Albrechtsberg – wenn man vom gegenüberliegenden Ufer auf die drei Schlösser guckt, sieht man ihn ganz links.

Was für ein Platz! Lauschig, lauschig. Unten tröten manchmal Dampfschiffe, der restliche Lärm der Welt ist nicht zu hören. Etwa 3 ha bewirtschaftet Lutz Müller am Dresdner Elbhang (Albrechtsberg, Lingnerschloss) und im Pillnitzer Königlichen Weinberg (in der Nähe der Weinbergskirche), viel Wein gibt das nicht: ein Großteil der ca 15.000 Flaschen werden da getrunken, wo der Wein wächst, was ja nicht das Schlechteste sein soll.

Da sitzt man nun also und guckt auf Dresden. Direkt unter uns der Weinberg, dessen Hang steil zur Elbe abfällt. Dort wuchs der Riesling, der jetzt als 2009er Kabinett im Glas vor uns steht und eine der schönsten Überraschungen beim Besuch war (2,50 Euro für 0,1l). Auch der Kerner ist trefflich gelungen, und wer mag, kann sogar einen Roten trinken oder den Rosé Landwein probieren (der uns ein bissel flach erschien). Natürlich gibt’s beim Herrn Müller auch einen ordentlichen Müller-Thurgau, und wenn man sich dazu einen vor Ort im holzbefeuerten Ofen frisch gebackenen Flammkuchen besorgt, dann ist wirklich alles Müller: Tobias Müller ist der Herr der Flammkuchen, aber nicht verwandt – was bei dem Namen ja durchaus glaubhaft erscheint. Der Flammkuchen ist frisch und ein Gedicht, schon in der einfachsten Variante.

Balberg Aussicht

Balberg-Aussicht
Balberg-Aussicht

Die Straußwirtschaft Balberg-Aussicht der Familie Wagner muss man kennen, sonst findet man sie nicht. So gesehen galt sie lange als Geheimtipp, aber wie das mit Geheimem so ist: Der eine sagt’s dem anderen, der plaudert weiter – und nun ist es oben auf dem Balberg meistens voll!

Aussicht genießt. Die Wagners nehmen sich, trotz des Andrangs, auf Wunsch auch Zeit für einen Plausch. Man kann eigentlich vor lauter Genuss und Freude gar nicht dankbar genug dafür sein, dass Leute wie sie ihr Privates öffnen und mit so viel Herzlichkeit teilen. Es geht familiär zu, es gibt den üblichen Zwiebelkuchen und andere Kleinigkeiten: Das erwartet man ja mittlerweile schon fast. Aber wenn dann noch der Vollmond aufgeht und sich hinterm Baum übers Elbland schleicht, dann ist der Abend perfekt (keine Garantie für den Vollmond, der sowieso nur einmal im Monat engagiert ist).

Jägerhof im Paradies

Wo der Besen hängt
Wo der Besen hängt

Direkt am sächsischen Weinwanderweg in Radebeul stoßen Wandersfrau und Wandersmann auf eine Rarität. Der Jägerhof im Paradies bricht auf den ersten Blick mit allen Vorstellungen, die man von einer Besenwirtschaft hat. Der erste Eindruck ist nämlich nicht der eines traditionell gemütlichen Heims, sondern eher befremdlich. Hier spielt offenbar jemand ganz bewusst mit den Vorstellungswelten möglicher Besucher und preist beispielsweise auf handgeschrieben Tafeln „schweinig guten sächsischen Wein“ an.

Es ist ein Freitag um acht Uhr abends, der Besen hängt, ein Schild fordert zum „Glocke läuten“ auf: Wir machen es. Heraus kommt die Winzerin, die im Hauptberuf Lehrerin ist: Na klar, selbstverständlich könnten wir uns setzen. Christine Kühn bleibt, weil wir sie ins Gespräch verwickeln, dann gleich mal bei uns, wir sind – wieder einmal – quasi im Wohnzimmer bzw. Garten privat zu Besuch. Es gibt ordentlichen Hauswein und reichlich Zeit, sich umzusehen.

Jägerhof
Jägerhof

Der Jägerhof ist eine wildromantische Ansammlung von Reliquien zwischen Karl Marx und Karl May: Indianer, Russenkisten und altsozialistische Parolen-Schilder. Eine merkwürdig lustige Mischung hat sich da jemand zusammengesammelt! Kurz vor Sonnenuntergang kommen noch Gäste, Freunde des Hauses. Und aus dem Plan, jetzt zu gehen, wird nichts, denn es will weiter Wein probiert und gesprochen werden. Ein Häppchen (Fettbemme, was sonst?) gibt’s auch noch, und das alles zu sehr verträglichen Preisen (2,40 Euro für 0,2 l Wein). Selbstverständlich waren wir später noch einmal da, tranken wieder Hauswein, trafen wieder Freunde des Hauses – und blieben wieder länger als geplant. Ein schönes Etablissement!

Winzerei Förster

Winzerei Förster
Winzerei Förster

Der Sächsische Weinwanderweg führt auch am Weinberg “Radebeuler Steinrücken” vorbei – und je nach Variante, die man geht, sieht man oben wunderbare Reben vor (bestenfallls) blauem Himmel – oder man hört hinter einer Steinmauer fröhliche Stimmen. Denen sollte man folgen und die Winzerei von Klaus Förster besuchen! Hier hat mitten im Weinberg am Wochenende die Straußwirtschaft des Winzers geöffnet: eine gute Gelegenheit, den Wein genau da zu trinken, wo er wächst.

Die Spezialität des Hauses ist “Kötzschber” – wahrscheinlich heißt der Wein so, weil nach Genuss mehrere Gläser (Flaschen?) kein Mensch mehr ordentlich den Herkunftsort Kötzschenbroda korrekt aussprechen kann und ins natürliche Nuscheln verfällt. Kötschber halt, ohne “z” gesprochen. Den gibt’s rot, weiß und als Rotling, also Wein aus roten und weißen Trauben (was etwas anderes als rosé ist: Der wird bekanntlich nur aus roten Trauben gekeltert!). Da Klaus Förster kein Geheimnis aus den Rebsorten seiner etwas über 1,1 Hektar Rebfläche macht, kann an sich denken, was drin ist im Landwein. 78% Kerner baut Förster an, je 5% Scheurebe und Traminer sowie je 4% Spätburgunder, Ruländer und Müller-Thurgau.

Man sitzt rustikal auf Holzbänken oder auf Stein überm Kerner und genießt Aussicht und Ambiente: Das Grün der Reben, den Rost alter Gerätschaft, die locker eingestreute Kunst aus Sand- und anderem Stein, den alten Wasserturm gleich nebenan, die Staubecken von Cossebaude und die Elbe weiter hinten. Der Kötzschber ist gewöhnungsbedürftig, aber in diesem Wort steckt ja schon drin, dass man wenigstens zwei Gläser (1,85 die Weißweincuvee, 2,50 der Rotling – je 0,1 l) probieren sollte…

Adressen

Winzer Lutz Müller
Kavaliershaus Schloß Albrechtsberg
Bautzner Str. 130
D-01099 Dresden

Tel. 0351-3289217
e-mail: mail@winzerlutzmueller.de
http://www.winzer-lutz-mueller.de

Geöffnet bei gutem Wetter März bis November von 11 – 19 Uhr an Sonn- und Feiertagen, Mai
bis September auch samstags zur gleichen Zeit.

Straußwirtschaft Balberg-Aussicht
Familie Wagner
Bodenweg 39b
Radebeul
Mai-Juni, August-September
Do-So 16-22 Uhr

Jägerhof im Paradies
Christine & Udo Kühn, Auf den Bergen 11,
Tel.: (03 51) 8 36 24 00
Geöffnet: Mai + Juni, Ende August bis Ende Oktober
Sa + So ab 11 Uhr

Winzerei und Weinhaus Förster

Obere Burgstraße 21, Tel.: (01 71) 9 30 62 07
http://www.weinhaus-foerster.de
Öffnungszeiten: Juli – Oktober, Sa und So ab 13 Uhr “bis es dunkel wird”

[Besucht im August 2010 | Veröffentlicht am 19. August 2010 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Zur Karte der hier besprochenen Besenwirtschaften]

Wo der Besen zur Einkehr lockt

Wo der Besen hängt...

Straußwirtschaften entlang der Elbe
laden zum Weingenuss in privater Atmosphäre ein

Vier Monate im Jahr gibt es im Weinbaugebiet zwischen Pillnitz und Meißen Gärten, Lauben und andere lauschige Plätzchen, die zur Einkehr laden. Wo der Besen vor der Tür hängt, ist man richtig. Das Vergnügen der Besenwirtschaften ist ja nicht unbedingt ein sensationeller Wein oder die raffinierte Küche, sondern die Atmosphäre und das Ambiente. Wenn es dann bei aller Einfachheit dennoch mundet: Um so besser! Wir haben bei Weinwanderungen einige wunderbare Besen- und Straußwirtschaften entdeckt. Aber aufpassen: Etliche von ihnen machen im Juli Pause – über die gibt’s dann Beiträge im August! Hier nun einige, die man auch sofort besuchen kann.

Zum Winzerschoppen

Winzerplatte
Winzerplatte

In Sörnewitz gibt es beispielsweise die Besenwirtschaft „Zum Winzerschoppen“ auf halber Höhe der Bosel. Geöffnet noch bis November je nach Wetter- und Bedarfslage täglich außer montags ab zehn Uhr – außer wenn der Winzer “unaufschiebbare Termine” hat. Also am besten vorher anrufen. Man sitzt in einem Garten inmitten des Weinbergs und genießt eine aufregende Aussicht elbauf. Die eigenen Weine gibt es (wir sind ja nicht weit von Meißen, wo 1796 der Herr Samuel Hahnemann die Homöopathie erfunden hat) nur in Spurenelementen: Familie Hagemann gibt die Weine zur Winzergenossenschaft und bekommt dann von dort Flaschen zurück, in denen ein Teil der eigenen Trauben steckt. Die Weine gibt es in freundlich kleinen Portionen im 0,1-l-Glas (1,70€ – 2,40€) oder als 0,25-Liter-Schoppen (3,40€ – 4,80€). Kleine Häppchen gibt es auch, zum Beispiel einen Winzerteller mit Wurst, Schinken und einfachem Scheibenkäse für 4,50€.

Weingut Matyas

Wanderschuhe
Wanderschuhe

In Coswig bewirtet seit zehn Jahren Matyas Probocskai mit seiner Frau das Weingut Matyas. Gekeltert wird auf dem Weingut – hier gibt’s also wirklich eigenen Wein vom 6ha großen Weingut. Der gebürtige Ungar Matyas war Kellermeister auf Schloss Wackerbarth, seine Frau Ingeborg ist gelernte Winzerin und Gärtnerin. Letzteres merkt man: Man sitzt vor dem Weingut wie in einem Blütenmeer. Wir besuchten die Coswiger Winzer einmal während eines Hoffestes und dann ein anderes Mal unter der Woche – wobei da schon um 18 Uhr Schluss ist: Danach ging’s für die Winzerin ab in den Weinberg, arbeiten. Aber zuvor hat sie uns bestens beraten und durch die hauseigenen Weine geführt (mehr als 15 stehen auf der Karte, die meisten offen im 0,2-Liter Glas für 3,70€ – 4,40€). Ein spritziger Rosé ist was für die heißen Tage!

Am Zitzschewiger Weingarten

In der Straußwirtschaft
In der Straußwirtschaft

Gar nicht so weit entfernt hat an den Wochenenden die Straußwirtschaft “Am Zitzschewiger Weingarten” geöffnet. Wanderer auf dem Sächsischen Weinwanderweg sehen Hinweiszettel – ihnen zu folgen lohnt sich, denn dort bietet Reiner Roßberg Wein an, den er nicht nur im Weinberg begleitet, sondern auch selbst keltert. Wenn Zeit ist und man will, setzt sich der Herr Roßberg mit an den Tisch und erzählt – wir hatten bei Goldriesling und Müller-Thurgau ein nettes Schwätzchen. Roßberg arbeitet im Weinberg nach ökologischen Prinzipien und setzt diese Ideen im Keller fort, indem er schonend nur mit der Schwerkraft presst. “Meine Art Wein zu machen” nennt er das im Gespräch. Ein angenehmer Zeitgenosse und ein trinkenswerter Wein – was will man mehr?

Freytags Weingarten 

Freytags Weingarten
Freytags Weingarten

Auf halbem Weg zwischen Blauem Wunder und Pillnitz findet man in Wachwitz Freytags Weingarten. Besenwirt Freytag ist einer der zahlreichen Hobby-Winzer mit einer Parzelle im nahe gelegenen Weinberg – in diesem Fall ist das der Wachwitzer Weinberg. 430 Rebstöcke mit Weißburgunder, Grauburgunder und Müller-Thurgau sind nicht viel, und einen echten Freytagswein gibt es auch nicht: Die Trauben gehen nach Meißen und kommen dort, von der Winzergenossenschaft mit etlichen anderen zusammen gekeltert, in Flaschen zurück. „Da ist mein Wein drin!“ sagt der Herr Freytag also immer, wenn man einen seiner Weine trinken möchte.

Zu essen gibt es die Besenwirtschaft-Klassiker: Fettbemme mit selbst gemachtem Gänsefett und Zwiebelkuchen beispielsweise. „Den macht die Frau und bringt die Bleche zum Bäcker gleich um die Ecke, so wie andere im Winter den Stollen!“ Zwischen drei und viereinhalb Euro kostet ein Schoppen Wein bei Familie Freytag, eins-fünfzig die Fettbemme und drei Euro der Zwiebelkuchen – ein lauschiges Plätzchen im Garten und fröhliche Gespräche mit dem Winzer inklusive. Für ein kleines Wochenend-Vergnügen sehr angemessen!

Adressen

Besenwirtschaft an der Bosel “Zum Winzerschoppen”
Sigrid Hagemann
Boselweg 9
01640 Coswig OT Sörnewitz

Mobil: 0174 / 91 89 207
E-Mail: sigi_hagemann@yahoo.de
http://www.winzerschoppen.de

Geöffnet April bis Oktober je nach Wetter- und Bedarfslage
Täglich Di – So ab 10 Uhr
Wenn der Winzer “unaufschiebbare Termine” hat, kann schon mal geschlossen sein.

Weingut Matyas Matyas Probocskai 
Spitzgrundstraße 12
01640 Coswig

Tel. (03523) 532612
Mobil: 0172 3537172
http://www.weingut-matyas.de
Besenwirtschaft 10-18 Uhr

Straußenwirtschaft “Am Zitzschewiger Weingarten” 
Familie Roßberg
Langenbergweg 4
01445 Radebeul

Telefon: 0351 8384963
0173 5685652
Geöffnet Freitags 16-22 Uhr Sa+So 14-22 Uhr und nach Vereinbarung

Freytags Weingarten
Altwachwitz 4
01326 Dresden-Wachwitz
Geöffnet
bei schönem Wetter Mai – Oktober
freitags ab 18 Uhr,
samstags/sonntags ab 14 Uhr

[Besucht im Juni 2010 | Veröffentlicht am 8. Juli 2010 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Zur Karte der hier besprochenen Besenwirtschaften]

Frisches in Wohlfühlumgebung

Sushi & Wein

Das Angebot von Sushi & Wein gibt es nun auch in Radebeul

Wenn es um Sushi geht, scheiden sich die Geister: Fisch in anderer Form als Stäbchen? Und dann auch noch roh? Or nö! Der Neinsagerfraktion gegenüber stehen die Ahnungsvollen, die von Nigiri oder Maki, von California Rolls oder Sashimi reden und, wenn sie mit dem Japanischkurs für Feinschmecker nicht so recht weiterkommen, laut über die beste Reissorte für Sushi sinnieren und wie man sie würzt, damit’s schmeckt.

Sushi, das hört man sofort, ist eine Wissenschaft für sich. Muss es aber natürlich nicht sein, man kann auch ganz einfach in ein Sushi-Restaurant gehen und den Abend genießen! In Radebeul gibt es seit März das Sushi&Wein. Wer die Szene ein wenig verfolgt, kennt den Namen: In Dresden gibt’s ein Lokal mit identischem Konzept, das Wolle Förster – der offensichtlich ein feines Gespür für Publikumsgeschmack hat – erfolgreich etabliert hat.

Der ehemalige Karl-May-Saloon in Radebeul strahlt nur einen Hauch von Fernost aus – was es angenehm macht, weil man sich in dem Ambiente eher wohl fühlen kann als in einem schnell kitschig geratenen Klischeebild Japans. Angedeutete Ballonlampen und Japantapeten reichen, der Rest ist solide Wohlfühlumgebung. Wobei das Sich-Wohlfühlen auch an der Bedienung liegt: So freundlich, geduldig, lachend, kompetent und verbindlich wünscht man sich den Service immer!

Das Sushi-Angebot ist übersichtlich präsentiert und Dank großzügig (aber gut!) bebilderter Karte auch für Nicht-Fachleute nachvollziehbar. Wer sich auskennt, findet eigentlich alles, was er sucht – landet wahrscheinlich aber dennoch bei einem (oder zwei) der als Set angebotenen Gerichte: Eine wohl sortierte Auswahl, die man selbst kaum trefflicher zusammenstellen kann. Es sei denn, man ist an einem der Abende dort, wo unter dem Motto “all you can eat” ein schöner Teil der Zeremonie verloren geht: Es wird nicht angerichtet, man muss selbst aussuchen.

Am meisten Spaß macht es aber bei einem Individualbesuch zu Zweit oder zu Viert, weil der Sushi-Meister (der bei unserem Besuch eine Frau war) dann beispielsweise zwei Platten für Zwei zusammenstellen kann, auf denen alles enthalten ist: Sashimi – der rohe Fisch pur mit separat serviertem Reis. Lachs, Thunfisch, Tintenfisch oder Butterfisch schmecken nach Lachs, Thunfisch, Tintenfisch oder Butterfisch – so soll es sein bei frischem Fisch! Das ist die schwerste und einfachste Übung in einem: Die Ware frisch zu servieren!

Die zweitschwerste Übung ist, den Reis pikant zu würzen, damit er bei den Nigiri (Reis unterm Fisch!) und den Maki (die kleinen Röllchen!) dem Fisch schmeichelt, nicht von ihm ablenkt. Die Übung war gelungen! Unser Tipp (anstatt Dessert gegessen!): Frittierte Maki-Rollen!

Ein wenig enttäuscht waren wir von der Weinkarte: Wenn ein Laden “…& Wein” heißt – dann sind zwölf Weine nicht gerade üppig. Aber da wir einen passenden Weißen gefunden hatten, wollen wir nicht meckern, sondern gerne wieder kommen!

Sushi & Wein
Schumannstr. 11
01445 Radebeul

Tel. 0351 / 479 74 68
http://www.sushi-und-wein.de

Öffnungszeiten:
täglich 11 bis 23 Uhr

[Besucht am 12. Mai 2010 | Veröffentlicht am 20. Mai 2010 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung | Besuch beim Sushi&Wein in Dresden]

Wo die Köchin zum Gruß aus der Küche persönlich vorbei kommt…

Charlotte K.

Die Mutter aller Sülzen gibt es bei Charlotte K. in Radebeul

Es ist ja schon viel darüber philosophiert worden, warum in der Profi-Küche meist Männer hinterm Herd stehen. Das ist – zumindest bei ambitionierten Häusern – weltweit so und in Dresden und Umgebung nicht anders. Eine der ganz wenigen Frauen, die sich erfolgreich dem Trend der Männerkochdomäne entgegenstellt, ist Ines Kuka. Sie steht hinterm Herd von Charlotte K. im Radebeuler Ortsteil Zitzschewig – vorher war sie der Geheimtipp in der Hoflössnitz.

Seit noch nicht einmal zwei Jahren verwöhnt sie nun die Gäste zusammen mit einem kleinen Team im schmuck renovierten Haus an der rechtselbischen Straße nach Meißen. Es geht locker und fast familiär zu bei Charlotte K., Hektik scheint ein Fremdwort zu sein, auch wenn’s voll ist. Und wenn Restaurantleiter Steffen Weber gerade mit einem Gast die schwierige Frage diskutiert, welcher Wein denn nun am besten zum bestellten Essen passt, dann kommen die Chefin oder ihr Sous-Chef schon mal persönlich aus der Küche und servieren selbst.

Oder wenn Ines Kuka den berühmten “Gruß aus der Küche” wörtlich nimmt und die kleine Köstlichkeit vor dem eigentlichen Essen selbst bringt, um gleich mal “Hallo” zu sagen. Uns (und den anderen Gästen an diesem Abend) brachte sie einen fein angemachten Rote-Bete-Apfel-Salat im kleinen Weckglas. Der Gruß war somit fast programmatisch, denn eigentlich isst man bei Charlotte K. ganz unaufgeregte Dinge, die aber sehr liebevoll und köstlich zubereitet.

Und so lasst man sich verwöhnen mit einer herzhaften Praline von Gänsefleisch auf einem lauwarmem Linsensalat oder einem Schafskäse im Strudelblatt, der auf marinierten Wintergemüsen angerichtet ist und mit Ofentomaten und Kaperncreme serviert wird. Die Dorade war (natürlich kross auf der Haut) exakt auf den Punkt gebraten und passte in seiner feuchten Frische hervorragend zur Ratatouille, deren Zutaten außergewöhnlich klein geschnitten waren. Ein Hauch von Fenchel schmeichelt dem Gaumen – und der Wein dazu wird natürlich passend empfohlen.

Der größte Nachteil von Charlotte K. ist, dass zwei Gerichte eigentlich schon gesetzt sind und man daher gar nicht so viel Neues probieren kann: Charlottes Sülze ist die Mutter aller Sülzen, ebenfalls mit kleinst geschnittenen Zutaten sowie wirklich perfekten Rosmarinbratkartoffeln und einer feinen hausgemachten Remouladensauce. Wie gesagt: gesetzt. So wie das Dessert: Crème brûlée mit Lavendelhonig & Zitzschewiger Zwetschgen. Nicht nur wegen der Zwetschgen die beste Crème brûlée weit und breit…

Charlotte K.
Coswiger Straße 23
01445 Radebeul

Tel.: 0351 / 833 6876
http://www.charlotte-radebeul.de

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: ab 18 Uhr
Dienstag geschlossen

[Besucht am 6. Februar 2010 für Augusto, Magazin für Genuss und Lebensart.
Lage
 | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Bericht von den Besuchen 2008 und 2012

Die mit dem Apostroph tanzt

Evi's Restaurant

Vorzüglich speisen im Restaurant von Evi

Öfter mal was Neues: Wir haben den Apostroph versenkt und ihn zum Komma gemacht! Aber was sind denn Äußerlichkeiten? Zu vernachlässigen, genau! Also gehen wir trotz des Schildes mit der geschwungenen Schreibschrift und dem falschen Apostroph, der zum komplett sinnlosen Komma wurde, doch einfach rein in “Evi,s Restaurant”. Es liegt etwas abseits von der Altkötzschenbrodaer Touri-Meile – aber die paar Meter vom Anger lohnen sich! 

Innen drin ist es erfreulicherweise nicht so schnörkelig, sondern schon fast ein wenig streng – aber das mag ich ja. Außerdem stehen Kerzen und Blumen auf den Tischen, die nett eingedeckt sind. Bis zu 30 Gäste finden hier Platz – und im Sommer bei gutem Wetter kann man auch im noch kleineren Garten sitzen (von draußen kann man da durch ein gezieltes kleines Loch in der Wand reinsehen – eine lustige Idee!).

Was hat die freundliche Bedienung gebracht? Nur Leckeres! Die Hokkaido-Kürbis-Suppe mit drei Stückchen Lachs schaumig im Glas serviert – ein sehr feiner Auftakt! Das Vitello Tonnato kam einmal etwas anders serviert auf den Tisch als man das so gewohnt ist: die Sauce separat im Glas. Optisch ansprechend und auch voller Geschmack – wobei das beste Vitello für Dresden und Umgebung meiner Meinung nach seit Jahren in der Villa Marie serviert wird. Platz 2 also für Evi!

Wenn es in einem guten Haus Jacobsmuscheln gibt, muss ich zuschlagen – bei Evi war das eine mehr als gute Idee. Saftig, frisch, geschmackvoll, mit einem angenehm angemachten Salat waren die Jacobsmuscheln der kleine Höhepunkt des Abends. Von den Hauptgerichten blieb der Red Snapper in Erinnerung – weil der mit ein wenig Pech ja durchaus belangslos schmecken kann. Tat er aber nicht – was vielleicht auch an der Kombination seiner Begleitung auf dem Teller lag: Hummer-Schaum-Sauce, geschmorter Fenchel und Kräuter-Polenta.

Soll’s das schon gewesen sein? Oh nein: Dessert! Die (unvermeidliche?!) Créme Brûllée mit marinierten Quitten und Haselnuss-Eis ergaben einen Dreiklang, den man nicht so schnell vergisst. Was freilich auch für die Mousse von der Valrhona-Kuvertüre mit Pistazien-Parfait im (weißen) Schokokegel gilt – wer also allein kommt und nicht die Möglichkeit hat, vom Nachbarteller zu naschen, wird vor schwere Entscheidungen gestellt (oder nimmt, alternativ dazu, gehörig zu an diesem Abend).

Die Weinkarte ist nicht riesig, aber ausreichend – zumal es die meisten der sächsischen Weine, die hier von Schloss Proschwitz, Jan Ulrich, Martin Schwarz und anderen angeboten werden, auch im Glas gibt.

Evi’s Restaurant und Weinstube
Gradsteg 1 · 01445 Radebeul
Telefon: (0351) 795 11 01 · http://www.evis-restaurant.de

Montag bis Samstag ab 17:30 Uhr · Sonn- und Feiertage ab 11:30 Uhr
Das Restaurant ist seit Juni 2011 geschlossen!

Charlotte K.

Restaurant Charlotte K.

Das Restaurant liegt unspektakulär an der Straße von Radebeul nach Meißen, ein Haus von vielen. Einerseits. Andererseits: Nicht viele Häuse sehen so stimmig aus, was die farbliche Gestaltung anbelangt. Charlotte K. ist das (noch relativ neue) Restaurant in Radebeul, in dem man alte Bekannte wieder trifft: Ines Kuka, die Köchin und Inhaberin, ist zusammen mit Matthias Gräfe – dem Wein-Kenner und Geschichtenerzähler – von der Hoflössnitz hierhin gezogen, und ich denke: sie haben sich verbessert. Das alte Fachwerkhaus ist toll saniert und geschmackvoll eingerichtet, hinterm Haus sitzt man bei gutem Wetter im Garten, ein Dufthauch der Trompetenbäume umweht uns…

Essen bei Charlotte K.
Essen bei Charlotte K.

Ines Kuka kocht wie gehabt: Einfache Gerichte, die ohne viel Tamtam serviert werden – aber dafür sehr geschmacksintensiv sind. Zum Beispiel die Gazpacho: Auch wenn sie nicht tomatenrot aussah, schmeckte sie sehr aromatisch – und dass es dazu Salami gab, sah zwar befremdlich aus – aber es passte! Die Dorade auf Fenchel war kross und (nun meckern wir auf hohem Niveau!) leider ein wenig grätig – da kann man vorher mehr zupfen!

Als Highlight entpuppten sich Sülze mit Bratkartoffeln – das steht so auf tausenden von Karten und enttäuscht 999 Mal. Bei Charlotte K. aber war das ein Gedicht: Die Sülze ganz kleinteilig und würzig, mit angenehmem Gallert. Die dazu gereichte Remoulade sehr pikant – und die Kartoffeln außen kross und innen weich, zudem gut gekräutert. So sollte es sein!

Die Crème Brûlée erwies sich als passender Abschluss – wenn das nicht so unvorteilhaft für die Figur wäre, hätten wir am liebsten noch einen Nachschlag bestellt.

Ein Wort noch zu den Weinen: Angeboten werden Radebeuler Weine in netter Vielfalt! Es lohnt sich, den Empfehlungen des Personals zu folgen – die scheinen sich da auszukennen ;-)

Charlotte K.
Coswiger Straße 23
01445 Radebeul

Tel. +49 351 833 68 76
http://www.charlotte-radebeul.de

[Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Berichte von Besuchen 2010 und 2012