Andere zieht es dahin, wo es schön warm ist. Izelle Swanepoel kam nach Deutschland, weil es hier so schön kühl sein kann. Die Frage im heiteren Beruferaten wäre also: was macht die Frau aus Südafrika, dass sie genau so denkt? Joker-Tipp: mit dem englischen Begriff cool climate kommt man der Wahrheit näher. Und richtig: Izelle ist die neue Kellermeisterin beim Weinhandwerk in Meißen. Im Januar hat sie angefangen, nachdem der bisherige Kellermeister den Betrieb verlassen hatte – also mitten in der Reifezeit des aktuellen Jahrgangs, den sie jetzt bis zur Füllung auf die Flaschen begleitet.
Izelle Swanepoel hat am Elsenburg Agricultural Training Institute (in Zusammenarbeit mit der Universität Stellenbosch studiert und dort ihren Bachelor-Abschluss in Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Kellereitechnik erworben. „Es handelt sich um einen sehr spezialisierten und renommierten Studiengang, dessen Schwerpunkt auf Weinbau und Önologie liegt“, sagt sie – und der Hinweis auf die Möglichkeit, den ersten eigenen Weine im großen, gut ausgestatteten Studentenkeller zu keltern, ist ja auch nicht ganz unwichtig. Nun steht sie also im sehr großen und ebenfalls gut ausgestatteten Keller in Zadel, in dem je nach Ernte bis zu 200.000 Flaschen Wein pro Jahr reifen. Die meisten gehen in den Lebensmitteleinzelhandel (Kaufland, Edeka, Rewe z.B.), die kleinere und wertigere Line „Gründerzeit“ ist der Gastronomie und dem Weinfachhandel vorbehalten.
Im Keller von Zadel ist es kühl, weitläufig und überraschend nüchtern: drei Holzfässer nur, der Rest ist Edelstahl. Das passt zur gewünschten Stilistik des jungen Betriebs, der mit 44 ha das zweitgrößte private Weingut in Sachsen ist – nach dem Weingut von Prinz zur Lippe, der seine Weinproduktion genau hier im Keller von Zadel begann. Fruchtbetonte frische Weine sind das Markenzeichen des Weinhandwerks, einen Rotwein haben sie nicht im Angebot (der Spätburgunder wird zu Rosé verarbeitet)– die drei Holzfässer reichen, um dem Grauburgunder der Gründerzeit-Linie das gewisse Etwas mitzugeben. Der große Rest liegt im Stahltank – sieht weniger romantisch aus, bringt aber kristallklare Weine.
Deren Reife überwacht Izelle Swanepoel nun – und sie schaut auch, welche Partien sie miteinander cuvetieren kann für das gewünschte Geschmackserlebnis. Aufgewachsen ist sie nicht in einer Winzerfamilie, sondern in einem technisch geprägten Umfeld – der Vater arbeitet in der IT. Nach den ersten Schritten in Südafrika führte sie Wissensdurst ins Napa Valley und dann nach Europa, wo sie den Wechsel der Jahreszeiten erleben wollte. In Franken lernte sie im Weingut von Frank Höflich das Weinmachen in der alten Welt kennen – und Weinmachen, das stark vom Jahrgang geprägt ist. „2018 hatten wir in Franken eine nahezu ideale Lese, aber 2019 folgte gleich ein deutlich schwierigeres Jahr“, erinnert Izelle sich. Aber sie hat es ja so gewollt, eigentlich. Seitdem weiß sie: „Jedes Jahr ist anders!“ und das klingt weniger als Klage, sondern als Herausforderung. In Sachsen, das weiß sie wohl, wird das nicht besser, denn die nördliche Lage bringt kühle Nächte, eine lange Vegetationsperiode und ein permanentes Risiko. Aber genau darin liegt für sie der Reiz, beim Weinmachen bleibt kaum Zeit für Routine, immer wieder müssen Details neu entschieden werden.
Die Arbeit bei einem jungen Weingut findet Izelle prima, weil die Stilistik noch formbar sei. Natürlich gebe es Vorgaben, aber es sei noch Platz für Veränderungen. Swanepoel formuliert vorsichtig, fast tastend: Balance sei das Ziel, Klarheit im Ausdruck, keine überzeichnete Handschrift – und mehr Präzision sei ja nie verkehrt. Dabei ist sie selbst eine Lernende: die regionale Spezialität Schieler kannte sie aus ihrer bisherigen Laufbahn nicht. Aber sie mag ihn…
Weinhandwerk Meißen
Vinothek
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