Stiftskirche, Tübingen

STIPvisiten Kalender 2019: Kirchen – Juli

Kirchen 2019 – Juli

Das schöne Gewölbe im Hauptschiff der Tübinger Stiftskirche überwölbt den spätgotischen Raum der 1470 zu bauen begonnenen Kirche erst seit 1866/67. Geldmangel war der Grund für die Verzögerung des ehrgeizig gestarteten Projekts: Tübingen sollte Universitätsstadt werden, weswegen Graf Eberhard im Bart seinerzeit den Grundstein legen ließ. Es ließ sich auch gut an: „Als erster Bauabschnitt wurde der Chorraum mit dem prächtigen Gewölbe in seiner heutigen Höhe und Gestalt 1476 fertiggestellt. Hier wurde die Universität 1477 gegründet, hier hielten die Sindelfinger Chorherren ihre Messen, Vorlesungen und Promotionen.“ (Quelle)

Gewölbe im Chorraum

Der Helle Chorraum hat es – im wahrsten Wortsinn – eh in sich. Das Gewölbe ein Hingucker, die Glasfenster mit seinen 114 Scheiben von Peter Hemmel von Andlau, der auch Kirchenfenster in Ulm, Augsburg, Nürnberg, München und Straßburg gestaltete, erzählen farbenfroh Geschichten (u. a. die von der Mantelteilung des Hl.Martin, die der Stifter.) Auf Augenhöhe kann man zahlreiche sehenswerte Details an den württembergischen Fürstengräbern entdecken. Dass die im Chorraum stehen, war eine Idee von Herzog Ulrich, der 1534 in Württemberg die Reformation einführte. Das war in vielfacher Hinsicht eine großartige Idee, denn dadurch blieb der Stiftskirche auch der Lettner erhalten.

Der Lettner

„Unser Lettner ist unser ganzer Stolz, ist er doch in einer evangelischen Kirche eine echte Rarität. Wie in vielen gotischen Kirchen bildete er einst die Schranke zwischen dem (der Geistlichkeit vorbehaltenen) Chorraum und dem Kirchenschiff der Laien, denen von dort die Lesungen („Lettner“ = „Lektorium“) vorgetragen wurden“, steht auf der Webseite der Kirche zu lesen. Vielerorts wurden die Lettner mit der Reformation entfernt – in Tübingen blieb er, weil mit dem Chorraum als Grablege des Württembergischen Fürstenhauses die Gottesdienste nur noch im Schiff gefeiert werden konnten. 

[Fotos vom 24. Juli 2015 | Webseite Stiftskirche St. Georg | Wikipedia | Kalender 2019: Kirchen]
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