Aufsandende Winde

Aufsandende Winde

Wenn der Wind aus Osten pfeift, hat man ihn bei einer Inselumwanderung entweder von vorne oder von hinten. Letzteres ist eindeutig angenehmer, bei der anderen Variante lernt man Dehmut und Schweigen: Jedes Wort ist zuviel und führt zu Sand im Mund. Also Klappe halten und den Kopf gesenkt!

Bei Rückenwind kann man aufrecht sehen und reden – wobei der Blick nach unten durchaus spannend sein kann: wüstengleich fegt der feine Sand über den Boden, bleibt an Muscheln, Hölzern und Pflanzen hängen. Skurille Bilder ergibt das. Auch der wehende Wind hat was: als ob Geister zu einem geheimen Treff unterwegs wären, huschen Sandformationen vorbei. An den Dünen suchen sie Halt, schaffen neue Formen. Den Durchbruch zum Übergang von der Nordseite der Insel auf die Südseite, an der die Jugendbildungsstätte liegt, hat es zugeweht – eine rund 80 Zentimeter hohe und nur zwei Meter breite neue Düne ist an einem Tag entstanden!

Auch Mauern verschwinden unter dem Treibsand. “Aufsandende Winde überstäuben die Mauer…” las ich am Abend in meiner Juist-Lektüre. Poetischer kann man es doch nicht formulieren!

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