Die Dame das Gulasch? Der Herr die Ente?

Schneesturm bei Seiffen

Neulich im Erzgebirge, im Touristen gewohnten Seiffen. Draußen schneit’s, dass einem das Singen vorweihnachtlicher Lieder vergeht, zumal obendrein der Wind eisig kühl pfeift. Wie schön, dass ein Restaurant zur Einkehr einlädt und sogar ein Tisch für vier Leute bestellt ist!

Im 80-Plätze Restaurant ist bereits ein Tisch besetzt. Ein junger Kellner sieht uns kommen, blickt verstohlen zur Seite. Naja, wir finden die Garderobe (bitte aussprechen wie bei Emil: Garrrde Robe) auch so. Wir pellen uns aus den schneeklammen Mänteln, ein zweiter junger Kellner nickt freundlich herüber, steckt beide Hände in die dafür vorgesehenen Hosentaschen und geht an den letzten Tisch im Raum.

Wir sind soweit, er auch: Man sieht sich, in der Mitte des Raumes. Die Hände nicht mehr in der Tasche blickt er uns freundlich an und erläutert: “Wo die Kerze brennt, haben wir für Sie eingedeckt!” Das ist gut, da freuen wir uns!

Wir bekommen die Karte, wir bestellen. Den Damen ist nach Wildragout, dem Freund nach Gans, auch ich wildere, aber mit Tranchen von der Keule. Wenig später haben wir das Vergnügen, eine junge weibliche Bedienung kennen zu lernen. “Das Gulasch?” fragt sie interessiert in die Runde. Achselzucken, vierfach. Nicht dass wir glauben, dass ein guter Service sich bei mittlerweile nur noch vier Leuten im Restaurant merken könne, wer was bestellt. Nein, nur weil gar keine(r) Gulasch bestellt hatte. Die Damen murmeln schüchtern etwas von “Ragout”, was bei der jungen Bedienung freudige Erregung auslöst: Ja, das sei es, genau das habe sie hier auf dem Teller!

Auftritt der junge Kellner, der die Hand wieder nicht in der Tache, sondern am Teller hat. “Die Ente?” fragt er, was unsere Achseln wieder in Bewegung bringt. Ob er vielleicht Gans bringen könne, fragt schüchtern der Freund, was den jungen Kellner in freudige Erregung versetzt: Ja, genau die habe er eigentlich dabei. “Ich verwechsele das immer, ist doch beides Geflügel! HAHAHA” Drei von vier Leuten haben ihr Essen, als das vierte kommt – “Wildtranchen?” ist die überraschend sinnlose, aber immerhin inhaltlich voll zutreffende Frage.

Wir hatten ein ruhiges, nur vom Klappern des Geschirrs am anderen Ende des Saals wegen Eindeckens der Tische aufgrund zu erwartendender Gäste unterbrochenes Essen.
Nur als wir getrennt zahlen wollten, ernteten wir noch einmal einen verständnislosen Blick. Aber das haben wir uns ganz einfach so erklärt: Zwischen uns beiden Paaren liegt ein Altersunterschied, der die einen als Eltern und die anderen als Kinder durchgehen lassen könnte, bei feinsinigen Beobachtern. Und dass die armen Kinder für sich zahlen müssen, ist doch wirklich eine Schweigeminute des Entsetzen wert.

Einerseits. Andererseits hätte man wenigstens uns Ältern, mit dieser Erkenntnis, ja auch in den Mantel helfen können. Aber da sah man von ab…

Panorama Berghotel Wettiner Höhe
Jahnstr. 23
D-09548 Seiffen

Tel.: 037 362 – 14 00
www.travdo-hotels.de

[Besucht am 13. Dezember 2005 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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