Es ist nicht alles Gold was glänzt

Prager Palaver (7)

St.-Veits-Dom

Wir verlassen den Dom, natürlich mit Mütze auf dem Kopf. Herrlich! Schnell noch ein Blick aufwärts zu den beiden 82 Meter hohen Türmen. Auch herrlich! Weil der Platz vor der Westfassaden sehr gering ist, muss man den Kopf schon arg in den Nacken legen – die Türme wirken so gleich noch höher. Guter Trick! Die Kölner mussten ihre Türme höher bauen, damit sie von weit weg immer noch groß aussehen! Um die Kirche halbwegs komplett und unverreckten Halses ansehen zu können, muss man den letzten Winkel des dritten Burghofs (in dem wir uns befinden) aufsuchen, sich ein wenig recken – und dann geht’s.

An der Längsseite des Doms fallen zuerst ein fetter Turm und dann ein weiteres Portal ins Auge (aua! ich sollte mir die Worte häufiger umdrehen bevor ich sie tippe…). Der Südturm ist 96 Meter hoch und älter als die beiden Türme, für die wir uns gerade den Hals verreckt haben: Matthias von Arras hatte, wie es seinerzeit so Sitte war, im Osten mit dem Chor begonnen, der Parler-Clan hatte seine Arbeit bis eben zu diesem Turm fortgesetzt (wenn auch nicht beenden könne, weil man – auch das war seinerzeit so Sitte in unserer Welt – erst mal ein bisschen Krieg spielen musste und den Bau ruhen ließ). Erst seit 1929 zeigt sich der Veitsdom in seiner äußeren Gestalt so wie wir ihn heute kennen.

Goldene PforteDie Goldene Pforte gleich rechts neben dem Wenzelsturm (so heißt der nämlich auch!) ist ein Parlersches Prachtstück. Die Südseite des Doms ist die geplante Schauseite: Wenn die Könige (in vollem Ornat!) von der Stadt zu Fuß über die Brücke zur Krönung auf die Burg kamen, schritten sie durch dieses Tor in den Dom. Wieder gilt: Gold glänzt nur bei Sonne richtig schön, also wiederkommen (wie überhaupt das „goldene Prag“ bei Schummerlicht nur ein Achtel so goldig aussieht. Macht aber nichts, Charme hat es auch so!).

Es ist aber in Prag sowieso nicht mehr alles Gold, was glänzt. Das Goldmachergässchen hat beispielsweise in den vergangenen Jahren seinen Namen völlig neu interpretiert: Das kostet jetzt Eintritt! Die beiden Herrschaften am Einlass hatten nicht viel zu tun, wir mussten sie aus Prinzip dann auch enttäuschen.

ZuckerdächerAlso lassen wir die Burg hinter uns, genießen den vorerst noch kostenlosen Blick von der Bastei auf die verschneit-vernebelte Stadt und stapfen bergab. Unten angekommen ist man dann auch gleich wieder bei Sehenswertem: Die Kleinseite ist hier in Flussnähe besonders pittoresk. Es gibt verwinkelte Gassen, es gibt immer mal wieder Abstecher zum Fluss und Blicke in Innenhöfe. Aushängeschilder wie „Buchhandlung – Knihkupectvi“ erinnern zweisprachig daran, dass Prag eine große literarische deutschsprachige Vergangenheit hat. Es lohnt sich sowieso, immer mal wieder hoch zu gucken: Oben thront die Burg mächtig über der Kleinseite!

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