Abflug im Schnee – Ankunft bei Regen

In Florenz (Teil 1)

Turmstützer

Das Tief Daisy war noch eine lahme Ente, ganz normaler Winter mit funktionierendem Winterdienst – wir kamen um eine Minute nach neun beim Parkplatz an (vorsichtshalber hatten wir uns nicht auf die Bahn als Zubringer verlassen). Der Parkplatzwächter fand die eine Minute Verspätung nicht schlimm und brachte uns zum Flieger.

Flieger auf EisEasyJet startet von einem Terminal nahezu ohne Sitzplätze. Wenn man’s weiß, halb so schlimm, dann kann man unten noch einen Kaffee trinken. Nach der Security kommt man direkt in den Antischnäppchenbereich, der früher Duty Free hieß. Abflug Gate 64, das ist zu Fuß halbwegs schon in Florenz, unten direkt am Rollfeld. Billiges Fliegen hat was mit der Aufgabe von Würde zu tun, macht aber unheimlich Spaß.Der Abflug verzögert sich, weil die Startbahn enteist werden muss und dann vor dem Start auch die Flugzeuge. Keiner murrt, denn einmal so ordentlich an- und abgespritzt zu werden ist mal ein neues Erlebnis. Allerdings friert das Enteisungszeugs am Fenster an, was einem schon zu denken gibt. Über den Wolken scheint die Sonne, aber der Blick nach draußen ist eisverschleiert.

Du wollen Schirm? Mache gutt Preis!Bei der Ankunft in Pisa ist es dort grau unter den Wolken. Dafür kann man nun wieder durchs Fenster sehen und erste Blicke auf die toskanische Landschaft werfen. Hunde sieht man nicht, und nach dem Einsammeln des Koffers wissen wir auch warum: Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. Andererseits sagen die Engländer ja, dass es cats and dogs regnet, also müssten die ja zuhauf auf den Straßen von Pisa herumliegen. Wir können das Problem nicht lösen und kaufen, weil wir zwar über Schirme gesprochen, aber sie zu Hause liegen gelassen haben, welche bei fliegenden Händlern im Bahnhof. Die Händler fliegen natürlich nicht, sondern kommen auf uns zu – alle sind Farbige und werden politisch völlig unkorrekt, aber liebevoll gemeint, von uns Regenschirmneger genannt. Ein Schirm des Formates „Knirps“ kostet vier Euro (Regenpreis – bei Trockenwetter drei Euro), er hält ungefähr so lange wie es dauert, ein Glas Wein zu 5 Euro zu trinken. Mit anderen Worten: Die Schirme dort waren echte Schnäppchen. Ganz Pisa lief mit solchen Modellen herum, und etliche sah man, umgestülpt, mit abgebrochenen Speichen oder sonstwie desolat verformt, in irgendwelchen Ecken an den Straßen der Stadt herumliegen.

Pisa im Regen ist ungefähr so prickelnd wie [Name der Stadt einfügen, in der Sie dies lesen, selbst wenn es Bitterfeld oder Gelsenkirchen-Buer ist]. Bei Sonne sieht eben doch alles besser aus, und dank einiger Windböen hat’s den Schirm auch schon zerschreddert. Wir stapfen durch die Straßen und haben ein Ziel, am anderen Ende der Stadt: Den Turm von Pisa! Der berühmte Turm ist allwetterschief, und ganz kreative Touristen suchen lachend einen Ort weit genug von ihm entfernt, wo sie mit einiger Körperverrenkung scheinbar den Turm stützen, um so Schlimmeres zu verhindern. Das Sich-zum-Obst machen beherrschen alle, am besten aber giggelnde englische und japanische Teenies.

FensterblickDer Zug bringt uns in einer Stunde nach Florenz. Vor der Ferienwohnung erwartet uns schon ein Florentiner Gentleman. Er trägt seinen schönen Schal ganz lässig und parliert italienisch, wie man es von einem Italiener nicht anders erwartet. Ausnahmsweise war uns das egal – Sylkes Tochter Claudia studiert gerade in Florenz, kann italienisch und dolmetscht alles. Die Wohnung liegt mitten im Zentrum. Man kommt rein, ist in der Küche und kann dann lange laufen, um zum einen oder anderen Schlafzimmer zu gelangen. Irgendwo dazwischen liegt das Bad – ein lustiger Schnitt. Aus jedem Zimmer kann man über Dächer der Altstadt sehen, aus einem sogar den Turm vom Palazzo Vecchio. Und wenn man dann später wieder runter geht, sieht man auch die wunderschönen Fliesen, für die es (wegen des Schals) vorher gar keine Zeit gab.Unser erstes florentinisches Abendessen führte uns in ein Restaurant, das zu finden nicht einfach ist und in das hineinzugehen sogar wir uns nicht getraut hätten, wenn wir nicht Claudia als local guide gehabt hätten. Aber das ist eine eigene Geschichte

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