Die Quinta dos Capinhas ist eins der nicht wenigen jungen Weingüter an der Algarve, die Akzente zu setzen wissen – hauptsächlich mit Wein, der schmeckt, aber auch mit dem ganzen Drumherum. „Wir sind ein kleines Familienweingut mit der großen Mission, den Ruhm des Algarve-Weins wiederzuerlangen“, lese ich auf der Webseite – kein geringer Anspruch. Der Name des Weinguts geht auf die Familie Capinha zurück, der das rund 30 Hektar große Anwesen gehört. Wein wächst bislang auf etwa acht Hektar der Fläche. Das Weingut ist ein Projekt von Horst Lieberwirth und Inês Capinha-Lieberwirth. Mit professionellem Weinbau hatte Horst ursprünglich wenig zu tun – er verliebte sich zuerst in das Fleckchen Erde und dann in Inês Capinha. Deren Familie blickt auf eine lange landwirtschaftliche Tradition zurück. Die erste Ernte der Quinta dos Capinhas wurde 2017 eingebracht. Ich besuchte das Weingut unweit des Städtchens Porches und sprach mit Horst, Sofia Saraiva und dem Winemaker der Quinta dos Capinhas, Pedro Mendes.
Sofia, ursprünglich eine Frau der Zahlen und dann zusätzlich als Winzerin ausgebildet, verstärkt seit Anfang 2025 als Geschäftsführerin das Team. Sie brachte einen wichtigen Impuls ein: die Umstellung auf organischen Weinbau. Neben der Quinta dos Capinhas arbeiten nur zwei weitere Weingüter der Region nach vergleichbaren Richtlinien. Die Umstellung erwies sich allerdings als Herausforderung, denn gerade das erste Jahr brachte spürbare Ertragseinbußen – allerdings nicht nur für die Bio-Betriebe: 2025 war für viele Betriebe an der Algarve ohnehin kein einfaches Jahr im Weinberg. Dennoch sehen die Verantwortlichen den eingeschlagenen Weg bestätigt. Die Qualität der Trauben blieb hoch, und langfristig soll der organische Anbau die Vitalität der Weinberge stärken.
Die Reben wachsen nur rund zwei Kilometer vom Atlantik entfernt. Das maritime Klima prägt den Charakter der Weine entscheidend. Die Nähe zum Meer sorgt für regelmäßige Feuchtigkeit und mildert extreme Temperaturen. Während Regionen wie der Alentejo im Sommer häufig Temperaturen von 40 Grad Celsius erreichen, bleibt es an der Algarve oft deutlich kühler. Die salzhaltige Luft, die kalk- und lehmhaltigen Böden sowie unterschiedliche Expositionen der Weinberge bilden die Grundlage des Terroirs. Die Nähe zum Meer macht den Winzern aber das Leben auch schwer, denn die höhere Luftfeuchtigkeit begünstigt Pilzkrankheiten wie echten und falschen Mehltau. Entsprechend sorgfältig müssen die Weinberge bewirtschaftet werden.
Die ältesten Parzellen des Weinguts sind heute rund zehn Jahre alt, die jüngsten erst zwei Jahre. Die Reben werden zwar bewässert, jedoch bewusst zurückhaltend. Ziel ist es, die Pflanzen zu tiefem Wurzelwachstum anzuregen und sie nicht von künstlicher Wasserzufuhr abhängig zu machen.
Für die Weinbereitung verantwortlich ist der Önologe Pedro Mendes, der zahlreiche Weingüter in Portugal betreut. Das sei im Land durchaus üblich, erklärt das Team, da viele Betriebe vergleichsweise klein strukturiert sind. Mendes sieht seine Aufgabe darin, den jeweiligen Charakter eines Weinguts herauszuarbeiten. Selbst benachbarte Betriebe produzierten völlig unterschiedliche Weine, weil neben Boden und Klima auch die Philosophie der Eigentümer eine wichtige Rolle spiele.
Im Weinberg setzt die Quinta dos Capinhas bewusst auf eine Mischung aus traditionellen portugiesischen und internationalen Rebsorten. Einerseits möchte man die lokale Identität bewahren, andererseits den vielen internationalen Besuchern der Algarve vertraute Namen anbieten. Pedro Mendes beschreibt das Konzept als „a little bit of local and a little bit of international“. Rund 60 Prozent der Rebfläche sind mit roten Sorten bestockt, die übrigen Flächen mit weißen Rebsorten. Zu den Favoriten des Önologen zählt bei den Rotweinen Alicante Bouschet, bei den Weißweinen insbesondere Verdelho. Daneben spielt die autochthone Algarvesorte Negra Mole eine wichtige Rolle. Aus ihr entstehen je nach Jahrgang unterschiedliche Weinstile. Im aktuellen Jahr wurde daraus ein Rotwein erzeugt. Für den Rosé verwendet das Weingut vor allem Alfrocheiro, eine ursprünglich aus Nordportugal stammende Rebsorte.
Die Weinbereitung erfolgte am Anfang in den ehemaligen Gebäuden der Winzergenossenschaft in Lagoa, die das Weingut erworben hatte, mittlerweile bei Kollegen. Der eigene Keller ist schon länger geplant, aber die Genehmigungen ziehen sich. Vorgesehen ist ein eingeschossiger Bau im traditionellen Stil der Algarve. Die gesamte Vinifikation soll auf einer Ebene stattfinden, während Lager- und Reiferäume im Untergeschoss untergebracht werden. Die Kapazität des geplanten Kellers ist deutlich größer als die heutige Produktion – das lässt Raum für weiteres Wachstum.
Das Sortiment umfasst frische Weiß- und Roséweine für den unmittelbaren Genuss ebenso wie lagerfähige Reservas. Diese werden später gelesen und reifen in Holzfässern. Für die Trauben der gehobenen Qualitäten nutzt das Weingut unter anderem eine von Bäumen geschützte Parzelle, deren teilweiser Schatten die Reifung verlangsamt und zusätzliche Frische bewahrt.
Der Absatz der Weine erfolgt überwiegend innerhalb der Algarve. Restaurants, Weinfachgeschäfte und ausgewählte Supermärkte bilden die wichtigsten Vertriebskanäle. Auch der Weintourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Besucher können die Weine direkt vor Ort in der Vinothek verkosten und einen Einblick in die Entwicklung eines Weinguts erhalten.
Quinta dos Capinhas
Estrada da Carrasqueira
8400-458 Porches
Portugal
Tel. +351 926 737 798
quintadoscapinhas.com
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Auf ein Glas – der Podcast der STIPvisiten. Gespräche beim Wein. Über Wein. Über Essen. Und übers Leben, natürlich.
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