Tafelspitz und MascarBombee

In der Eutschützer Mühle kommen Wanderer auf ihre Kosten

Eutschützer Mühle

Nein, ein Feinschmeckertempel ist das nicht – will es auch gar nicht sein. Aber ein Ort, den man als fußmüder und hungriger (und selbstredend auch durstiger) Wandersmensch anstrebt, ist die Eutschützer Mühle allemal. “Das Befugnis zum Setzen fremder Gäste und zur Verabreichung kalter Speisen, zum Tanzmusik halten an Feiertagen” ist seit 1848 verbrieft, die Mühle selbst gibt’s schon länger: In diesem Jahr begeht man das 300jährige Jubiläum, außerdem gilt es ein 15jähriges zu feiern, denn 1996 wurde die zuvor baufällige Mühle nach gründlicher Renovierung als Pension und Landgasthof wiederöffnet. Inhaber Michael Mittag hat ein Faible für Musik, so dass die Mühle in Bannewitz schon mal zum Konzertsaal wird. Unter anderem waren Klaus Renft, Annamateur und Thomas Stelzer da – alle wahrlich nicht irgendwer.

Drinnen gibt es einen großen Saal für hundert Personen – außerhalb von Feiern eine eher ungemütliche Angelegenheit. Tagesgäste essen im Gastraum, der mit allerlei Gesammeltem erfolgreich ein wenig vom nullacht-fuffzehn-Mobiliar ablenkt. Draußen sitzt es sich auch ganz wunderbar – und das nicht nur im Sommer: Im Winter haben wir hier draußen an verschneiten Tischen schon dick eingemummelt Glühwein genossen.

Wirte, die so etwas mitmachen, meinen es gut mit den Gästen. Bleibt die Frage, ob die Küche genauso denkt! Wir bestellten einen Griechischen Bauernsalat – wir wollten ihn uns teilen und sagten das bei der Bestellung auch so. Dann kam der Salat – auf einem Teller. Ein zweiter hätte uns gut gefallen! Glücklicherweise steht genug Besteck im Bierkrug auf dem Tisch, da konnten wir uns bedienen. Der Salat selbst war nicht wirklich griechisch-bäuerlich mit den Blattsalaten, aber wir sind ja in Bannewitz und nicht in Griechenland: da darf man das! Zumal der Salat knackig und fein angemacht war – und gut schmeckte. Also wollten wir nicht meckern und fanden lediglich die rund um den Tellerrand gestreuten Petersilienfitzel irgendwie unpassend.

Der gleiche Grünkranz außen herum zierte den “Gekochten Tafelspitz mit Meerrettichsauce, Wurzelgemüse und Klößen”. Im Zentrum des Tellers: erfreulich knackiges Gemüse, ein etwas zu harter Tafelspitz und gute Klöße. Ob die Meerrettichsauce ein wenig mehr Meerrettich vertragen hätte, beschäftigte uns eine Zeitlang – unterm Strich blieb: Hätte vielleicht, aber es ging auch so!

Von der saisonalen Pfifferlingskarte hatten wir die Version mit Schweinerücken-Schnitzel bestellt und haben es nicht bereut: ein schönes krosses Schnitzel, die Pfifferlinge mit Speck und Zwiebeln angebraten. So stellen wir uns bürgerliche Küche in einem Ausflugslokal vor – und das grüne Band rundum auf dem Tellerrand nahmen wir als Hauskonstante nun schon beruhigt wahr.

Eigentlich waren wir ja schon satt, denn die Portionen sind in der Eutschützer Mühle nicht klein. Aber da die Karte lustvoll eine MascarBombee als “das beste Dessert der Welt” anpries, versuchten wir es nochmals mit der Variante “Eins für Zwei” und bekamen in einem Glas ein gar köstliches Tiramisu. Hausgemacht, ohne Petersilienrand und mit zwei Löffeln!

Eutschützer Mühle
Mühlenweg 2
01728 Bannewitz

Telefon: 03 51 / 40 50 20
http://www.eutschuetzer-muehle.de

Öffnungszeiten:
Mo – Fr 11:00 – 14:00 Uhr und 16:00 – 24:00 Uhr
Sa, So + Feiertage 11:00 – 24:00 Uhr; durchgehend warme Küche

[Besucht am 10.08.2011 | Veröffentlicht am 18.08.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung |Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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1 Kommentar

  1. Wir hatten uns heute am 22.11.2014 die Eutschützer Mühle ausgesucht, wir wollten was essen gehen. Das Ambiente in der Gaststätte ist garnicht so wie man es kennt. Ist halt einfach und rustikal. Aber als wir unser Essen bekamen , genossen wir es! Es waren große Portionen , wir hatten Steak OF Fuor und den Lammbraten . Ich muss sagen hier könne sich viele Lokale eine Scheibe abschneiden. Das Essen war super lecker! Die Steaks mit Würzfleisch überbacken aber das Würzfleisch war ein Gedicht. Sowas bekommt man nicht mehr überall. Auch die Bedienung war freundlich , lange warten brauchten wir auch nicht. Dieses Lokal können wir nur empfehlen !!!
    Familie Mudrack

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