Neulich im Sommer

Elements Deli & Restaurant, Dresden

Deli im Elements

Vergangene Woche kreuzten sich zwei Zufallslinien. Die eine war negativ geladen und wird umgangssprachlich als Stau bezeichnet: wir kamen vom Dresdner Flughafen und gerieten auf der stadteinwärts führenden Königsbrücker Straße in Höhe der „Zeitenströmung“ ans Ende eines Staus, der sich erfahrungsgemäß um diese Uhrzeit (es war kurz nach 17 Uhr) bis in die Stadt zieht. Bääähhhh. Die andere Zufallslinie war positiv geladen und wird umgangssprachlich als Sommer bezeichnet, hier in der Variante „plötzlich ausbrechender blauer Himmel mit Sonne und nicht kalt“.

Zeit für eine Entscheidung! „Wollen wir da in zehn Metern links abbiegen und einen Wein im Elements trinken?“ – „Gute Idee!“. So schnell und diskussionsarm können Entscheidungen fallen, wenn es sein muss.

Im hinteren Teil gibt sich das Elements ja sehr leger: Mit Strandkörben und Blick auf einen künstlichen Wasserfall, den die Macher des Geländes nur eine winzige Spur zu übertrieben „Niagara“ nennen (naja, streng genommen nennen sie ihn ja gar nicht so, sondern nur den Platz davor „Niagaraplatz“ – aber da darf man doch schon mal vom Platz auf den Fall schließen, oder?). Wie auch immer: Da plätschert es schön, und es ist ein – für die Lage Dresdens fernab von allen Meeren – adäquater Ersatz fürs Meeresrauschen.

Ein leichter Sommerwein sollte es sein! Die immer gut gelaunte Mitinhaberin des Elements, Martina Starovicova, kam mit drei Flaschen zur Auswahl, wir entschieden uns für 2011 Pfefferer der Kellereigenossenschaft Schreckbichl und 2011 Blanc de Noirs vom Weingut Jakob Jung. Beide passten sensationell zu dem Abend, zur Stimmung, obwohl sie sehr gegensätzlich waren. Der Blanc des Noirs vom VDP-Weingut aus dem Rheingau mit dezenter Zitrusnote, der Pfefferer als Muskateller voller fruchtiger Aromen – ein klasse Südtiroler, den sie im Elements zur Spargelzeit gerne serviert haben (geht aber auch ganz ohne Spargel!).

Tja, und dann fragten wir, nur so aus Neugier, nach der Karte. Obwohl wir schon wussten, was es zu Hause geben würde! Und wir lasen derart viele speichelproduzierende Dinge, dass wir mal schnell unvernünftig waren, also eigentlich vernünftig, denn wer lässt sich Thunfisch (rare) mit Mie Nudeln, Erbsen, Zuckerschoten und Sesamsauce (14 Euro) entgehen? Wir nicht! So muss Tuna sein: Innen sushiroh, außen kurz angebraten. Die Sesamsauce sorgte fürs Asiatische, die Erbsen fürs Heimische bei den Geschmacksnerven. Prima! Auf dem anderen Teller fühlte sich ein Doradenfilet (schön kross) mit Risotto und Tagesgemüse (13 Euro) sehr wohl. Schön kross stand so auf der Karte, und es stimmte. Dazu gehört natürlich, dass die Dorade dennoch schön saftig sein sollte: War sie! Das Risotto gehörte eindeutig zu den besseren seiner Art – wir schwelgten in der untergehenden Sonne mit Blick auf den Beinaheniagarafall.

Naja, wenn schon, denn schon: Lauwarmer Schokoladenkuchen mit Vanilleeis (4 Euro) und zwei Bestecks sowie einem bestens passenden Gläschen Muscat de Rivesaltes von der Domaine Lafage bildeten den Abschluss des Spontanbesuchs. Als wir dann so gegen 19 Uhr nach Hause fuhren, gab es auch keinen Stau mehr auf der Königsbrücker…

Elements Deli & Restaurant
Königsbrücker Straße 96
01099 Dresden

Tel.: 0351 | 27 21 696
www.restaurant-elements.de

Geöffnet:

Montag bis Samstag 11.00 Uhr – 23.00 Uhr, sonntags 10 – 14 Uhr

[Besucht am 18. Juli 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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