Wir tranken die Asche des Vulcans

Besuch (fast) beim Winzer: Dr. Massimo Lentsch, Tenuta di Castellaro

Massimo Lentsch

Ach, die Norditaliener. Sie sind ja so viel reicher als die im Süden. Aber deswegen sind sie ja nicht schlechter! Der eine oder andere kam irgendwann mal in den Süden Italiens und verliebte sich in die Gegend. Und ganz oft ergaben sich so wunderbare Entwicklungen, die man heute nicht mehr missen möchte.

Tenuta di CastellaroDr. Massimo Lentsch scheint so ein Mensch zu sein, der was bewegt hat auf Lipari. Er hat dort die Tenuta di Castellaro gegründet – eigentlich etwas Artfremdes für ihn, den Berater und Besitzer des Im- und Export-Spezialisten Co-Mark. Aber die Landschaft um Quattropani ist eben auch eine Weinlandschaft – und so entstand binnen kurzem ein hochmodernes Weingut, in dem biodynamische Weine nach sehr alten Erkenntnissen entstehen. Wir trafen Massimo Lentsch auf Lipari, aber nicht in seinem Weingut: Zusammen mit der Enoteca diVinoinVino auf der Via Garibaldi fand eine Verkostung der beiden Weine „Bianco Pomice“ und „Nero Ossidiana“ statt – am sehr frühen Abend zur besten Aperitivo-Zeit, nämlich zwischen 18 und 20 Uhr.

Loredana SalzanoEs war eine Straßenveranstaltung, aber eine mit Stil. Die Inselkünslerin Loredana Salzano hatte die Gasse rund um die Enoteca mit Teilen ihrer Installation „I 7 calici di luce“ (Die sieben Kelche des Lichts) geschmückt, die Winzer trugen mit Spontaninstallationen auch zur Aufhübschung bei (schicke Eimer zur Flaschenkühlung haben sie in der tenuta!). Und auch die Weinprobierer waren Teil des Gesamteindrucks: Sie erhielten einen Umhängebeutel fürs Glas – sehr sehr praktisch für Fotografen und Häppchenesser sowie italienisch debattierende Menschen, weil man dann die Hände frei hat!

Bianco PomiceWir fingen mit dem Weißen an. Bianco Pomice, eine Cuvee aus 60% Malvasia delle Lipari und 40% Carricante. Schmeckte nicht nach Bimsstein (pumice), sondern gut. Schöne Säure, fruchtig mit ein bissl Salz: Feiner Sommerwein für heiße Tage am Meer! Beim Probieren kamen wir mit Massimo Lentsch ins Gespräch – dass er der Chef des Unternehmens ist, wussten wir da noch nicht. Aber er spricht deutsch, da erfährt man dann ja doch mehr als mit dem höflich-minimalistischem Wein-und-Küchen-Italienisch. 21 ha groß sei das Weingut mittlerweile, erfuhren wir. Önologe in der Tenuta ist Salvo Foti – ein begnadeter Weinmacher und Spezialist für die die traditionelle Anbauform Albarello, bei der die Rebstöcke wie Büsche gepflanzt werden. Minimalismus im Keller zeichnet ihn aus – und immer das Wissen der vorherigen Generationen im Kopf. Er gehört zur Winzervereinigung I Vigneri, die ursprünglich 1435 am Ätna gegründet wurde und heute mit Fotis Weinen wieder auf sich aufmerksam macht.

Kräftiges RotWir waren gerade gut Freund mit dem Bianco geworden, da bot uns Massimo Lentsch seinen Roten an. Der Nero Ossidiana IGT (60% Corinto Nero und 40% Nero d’Avola) verschlug uns vorübergehend die Sprache. Weil wir einfach noch mal probieren mussten. Und noch einmal. Wunderbar rund, harmonisch und – tranken wir wirklich die Asche des Vulcans? Glühend heiß, mineralisch – egal, noch ein Glas, bitte! Das war zwar nicht vorgesehen, aber es passte… Dieser Wein hatte es offenbar den anderen Probierern auch angetan. Sie probierten immer wieder, hielten ihn hoch gegen den Abendhimmel – ja, klasse purpurrote Farbe, kann man nicht anders sagen! Wir haben uns dann übrigens für unseren Abschiedsabend auf Vulcano eine Flasche Nero Ossidiana im Supermarkt gekauft. Der Preis dort: 23,50 €.

Tenuta di Castellaro
Via Caolino
Quattropani
98055 Lipari

Tel. +39 335 245349
www.tenutadicastellaro.it
Die Weine gibt es in Deutschland über Vinaturel

Essepiu di VinoinVino
Via Vittorio Emanuele, 102
Lipari

Tel. +39 334 1108455
www.eoliessepiu.it
www.wineolie.com

[Besucht am 17. Mai 2014 | Mehr Bilder der Veranstaltung | Besuch der Tenuta di Castellaro]

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