Zwischen BH und Barock

Brunnen

Ohne Dresden sähe die Welt heute anders aus. Nein, nicht wegen Semperoper und Museen, sondern viel einfacher: Hier wurden Dinge erfunden, die die Welt veränderten. Der Kaffeefilter zum Beispiel – Melitta Bentz kam 1908 auf die Idee. Und auch das „Leibchen, das die Brust in Form hält“, wurde hier (am 5. September 1895) patentiert – der BH ist ein Sachse, so wie die erste industriell gefertigte Kondensmilch Sächsin ist und von den Gebrüdern Pfund in ihrer Molkerei hergestellt wurde. Das Haus gibt‘s heute noch und nennt sich „schönster Milchladen der Welt“. Pilsener aus Radeberg bei Dresden ist Deutschlands ältestes (und immer noch eins der besten), was auch die Erfindung des Bierdeckels nach sich zog. Und dann das Porzellan! Hier erfunden von einem Alchemisten namens Böttger, der seinem Fürsten Gold versprochen hatte und es dann wenigstens zum „Weißen Gold“ gebracht hat.

Das alles und noch viel mehr gehört zum Erbe dieser Stadt – und sie ist sehr stolz darauf. Auf ihre Vergangenheit lassen die Dresdner nichts kommen, und an der Zukunft arbeiten sie längst. Chipfabriken sind nicht der Renner für Wochenendtouristen – aber wenn weltweit IT-Leute entlassen werden und die Fabriken in Dresden immer noch Personal suchen, dann strahlt das in die Stadt hinein. Für die italienischen Momente im Leben bietet „Elbflorenz“ reichlich Gelegenheit, wobei das Angebot so vielfältig ist wie die Geschmäcker der Welt.

Zum Beispiel in der Neustadt rechts der Elbe. In Deutschlands größtem geschlossenen Gründerzeitviertel und Dresdens größten rund um die Uhr geöffneten Szeneviertel leben, kaufen, essen und trinken Punks und Banker in friedlicher Koexistenz. Tagsüber ist die Neustadt eine aufregende Mischung von alternativen und alteingesessenen Geschäften und Boutiquen, abends ein Dorado für Bummler: So viel Absacker kann gar niemand vertragen wie es hier Bars und Kneipen gibt!

Ein Muss ist die Königstraße. Hinter kleinen Schaufenstern verbergen sich feine Geschäfte und Cafés sowie wunderbare Restaurants und Bars: ein Restaurant mit Michelin-Stern; zwei spanische Lokale mit gemeinsamem Hof (links Restaurant, rechts Tapas Bar) teilen sich den Ruf des besten Spaniers der Stadt, eine Sushi Bar, der übliche Italiener, ein gutbürgerliches Restaurant sowie ein tschechisches für diejenigen, die Bier und Knödel lieben.

Ach ja: Die Semperoper gibt‘s natürlich auch noch in Dresden (an Karten kommt man schwer!). Und: Museen, Museen, Museen! Oder Sie spazieren einfach gemütlich durch die Stadt und lassen die ganze barocke Pracht auf sich wirken.

Ulrich van Stipriaan

Veröffentlicht in: Madame 1/2002

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