Gestern im Gasthaus

Die supernette Bedienung fragte, welcher Wein es sein dürfe? Oh, der Côtes du Rhône – aber nicht der da oben, sondern der da unten, aus dem Barrique mit dem unaussprechlichen Namen (wenn man kein Französisch kann – sie konnte, lachte und nannte den Unaussprechlichen).

Die supernette Bedienung kam mit dem Wein, präsentierte die Flasche – wie immer eine Farce: Ich die Brille nicht auf, die Flasche schnell weg. Ja, es war ein Côtes du Rhône.

Die supernette Bedienung entfernt die Kapsel und merkt, dass ich – die Flasche nun im richtigen Abstand – nochmals lese. „Ist was?“ – „Ja: Das ist die falsche, nämlich der einfachere Côtes du Rhône.“ Es fehle, ergänze ich, just der Teil, den ich sowieso nicht aussprechen konnte.

Die supernette Bedienung lächelt und merkt an, dass sie das auch schon bemerkt habe, aber der Chef habe gesagt: Das sei schon die richtige Flasche. „Das glaube ich nicht, dass die richtig ist“, erwidere ich und ergänze, dass man Chefs nicht immer glauben solle.

Die supernette Bedienung lacht und meint, sie könne sich nicht vorstellen, dass ihr Chef sie angeflunkert habe. Ich: „Doch, Chefs sind so.“
„Das glaube ich nicht,“ erwiderte die supernette Bedienung und meinte, sie würde jetzt noch mal mit der Flasche zum Chef gehen.

Nach einiger Zeit kam der Chef, mit einer anderen Flasche. Nein, nicht der richtigen – eine dritte Sorte (nicht auf der Karte) kam ins Spiel respektive auf den Tisch.

Im unnachahmlichen Deutsch-mit-französischem-Akzent erklärte er uns, dass erstens alles ein Missverständnis und zweitens die richtige Lieferung nicht gekommen sei und wir drittens nun diese viel bessere zum Preis des einfachen… und so weiter. Ich kann keinem böse sein, der so charmant parliert. Und der Bedienung, die nur (oder, weil die Geschichte ja in Sachsen spielt: sogar) Hochdeutsch redete, war auch fortan supernett, so dass ich ihr auch nicht böse sein wollte.

Mithin: Gestern im Gasthaus war es mal wieder richtig nett.

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