Weihnachtsmarkttest: Stallhof Dresden

Über das Stallhöfische Advents-Spektakel in Dresden hatten wir ja bei seiner Eröffnung schon einmal berichtet. Der Markt ist unser bisheriger Lieblingsweihnachtsmarkt, weil er genau die Atmosphäre ausstrahlt, die das Besondere des Advent ist: Viel Kerzenlicht, Fackeln, Funzeln und wenig Modernismus. Den Eintritt am Wochenende (3 Euro) kann ich verzeihen – wir gehen montags bis freitags und kommen auch so auf unsere Kosten: Am Wochenende wär’s wegen der vielen Touristen sowieso zu voll. Zum Kulturprogramm, das den Gegenwert der drei Euro bildet, an dieser Stelle deswegen kein Wort.

Dafür aber zum freien Angebot: Es ist „mittelalterlich“, was gemeinhin bedeutet: Schwülstiges Reden, baumwollene Gewänder und allerlei Handwerk, das auf „-erei“ endet: Druckerei, Bognerei, Wahrsagerei, Holzkrämerei, Töpferei, Urformholzerei, Filzerei, Gewandschneiderei, Hemdenhökerei, Korbflechterei und so weiter. Unser Genusstest, wie üblich: Glühwein und Bratwurst. Der Glühwein liegt mit 2,50 Euro am oberen Preisende, die Bratwurst spielt keine so große Rolle: Riesendinger für 2,50 gibt es auch (sogar recht würzig und statt mit schlappem Toast im Fladenbrot gereicht), doch die eigentliche Stärke dieses Marktes sind die Dinge, die es sonst nicht so häufig gibt: Rahmfleck zum Beispiel ist ein mit Schinken, Käse und Rahm gefülltes herzhaftes Brot. Was Knoblauchbrot ist, muss nicht erklärt werden (oder doch, lieber Verkäufer: Da gehört Knoblauch dran – mehr Knoblauch!)

Nett ist das Kindervergnügen, noch netter die Stationen Badezuber und Urinal/Latrine: Hier denkt man nachhaltig an das ganze komplette Leben und nicht nur ans Essen und Trinken! Am allerschönsten aber ist das Licht, in das der Stallhof getaucht ist…
Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden
Aufgenommen am 8. und 9. Dezember 2003

[Update 10.12.] Wir waren schon wieder da, weil man an einem Abend ja gar nicht so viel probieren kann. Weil es sich gelohnt hat, die wichtigsten Notizen: Gegenüber der im Beitrag erwähnten Latrine („Hat Ihnen das Geschäft Erleichterung gebracht?“) gibt es sensationellen heißen Kakao mit Amaretto (oder Rum). Wobei das tollste eigentlich der Verkäufer war. Sehr sehr nett…

Ähnlich lieb die Mandelverkäuferin – und nach unseren tristen Meissner Erlebnissen eine Offenbarung: So können also gebrannte Mandeln schmecken. Frisch, nicht zahnzerstörend hart die Kruste.

Auch neu entdeckt: Der Schwenkbratenstand. Auf den hatte Dirk im Kommentar ja schon hingewiesen – mit Recht!

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