Der Wein schmeckt ja nach viel zu viel!

Jochen Dreissigacker zu Gast in der Weinbar des bean&belúga

Jochen Dreissigacker_8672

Wenn es bei drei Winzern zwölf Weine gibt wie vor einem Monat, wie viele würden es denn dann wohl werden, wenn nur einer da ist? „Wahrscheinlich genug!“ lautete die Vermutung vorab – und so war’s dann auch bei der zweiten Ausgabe von „Winzer im Fokus“ in der Weinbar des bean&beluga oben auf dem Weißen Hirsch. Gast des Abends war Jochen Dreissigacker, auf der knallroten Tageskarte der Weinbar als „der Beau der deutschen Weinelite“ angekündigt. Das sind ja mal gleich zwei Informationen auf einen Streich: Die eine besagt, wenn auch vielleicht ein wenig despektierlich, dass der Jochen Dreissigacker ein ganz Hübscher ist (Zusatzinformation: er ist verheiratet, und hat die Frage „Mit wem würden Sie gern mal eine Nacht im Weinberg verbringen?“ so beantwortet: „Mit meiner Frau und einer Doppelmagnum 96er Krug“). Und die andere Information besagt etwas zurückhaltend, dass die Weine des Herrn Dreissigacker irgendwie total toll seien.

Nun denn, probieren wir das mal. Zugegeben: nicht zum ersten Mal – aber gerne wieder! Denn wenn auch gerne damit geworben wird, dass „Barack Obama Weine von Jochen Dreissigacker trinkt“ – was haben wir denn davon? Genau: Nüschte. Viel besser ist es doch, jemand zu kennen, der seine Weine trinkt oder zum Trinken anbietet. Sternekoch Stefan Hermann hatte ein 4-Gang-Menü zubereitet, das wie immer die Geschmäcker gangweise auf den Punkt brachte. In seiner reduzierten Menü-Schreibweise liest sich das so: Ein Begriff, eine Hauptzutat, ein Geschmack – und  jeweils zwei Ergänzungen. Klingt einfach, manchen auch zu einfach („Wie, Tuna? Wie ist der denn zubereitet?) – aber funktioniert. Und die Standard-Antwort auf alle Fragen ist eh je nach Geschwätzigkeit zwischen „wow“, „lecker“ und „eine aufregende Kombination der Geschmäcker und Texturen“ angesiedelt.

b&b Dreissigacker Menü

Die Vorspeise: Tuna. Kalamansi / Zucchini. Dazu zwei einfache Gutsweine: 2012 Dreissigacker Weißburgunder QbA trocken und 2013 Dreissigacker Grauburgunder Gutswein QbA trocken. Aber was heißt hier einfach? Beide Weine mineralisch und fruchtig und mit erinnernswertem Nachklang. Schön zu sehen (oder schmecken!), dass sich auch einfache Weine entwickeln und Geschmack bekennen.

Der Zwischengang: Ravioli. Bärlauch / Spargel. Und drei Weine, die um die Gunst des Gaumens streiten: 2012 Bechtheimer Chardonnay QbA trocken, ein 2012 Großer Riesling „nur für bean&beluga“ (aus wahrlich großer Flasche: einer Doppelmagnum, drei Liter!), sowie 2012 Westhofener Chardonnay QbA trocken. Erstaunlicherweise entfiel auf den großen Riesling viel weniger Gespräch am Tisch als auf die beiden Chardonnays. Der eine aus Bechtheim deutlich kräftiger als der andere, der nur drei Kilometer weiter entfernt in Westhofen steht und eine Woche später geerntet wurde. Aber beide hatten das, was Familie, Freunde und erste Kunden des damals 21jährigen Jochen Dreissigacker so verwunderte, als er das erste Mal einen Wein gemacht hatte: „Der Wein schmeckt ja nach viel zu viel!“ wunderten die sich über den Wein. Das war neu – damals. Heute hat man sich dran gewöhnt, die Lagen, die Böden, das Klima zu schmecken.

Der Hauptgang: Rinderbacke. Kartoffel /Wurzelgemüse. Dazu zwei Rote. Der eine, 2011 Wunderwerk Spätburgunder QbA trocken, ist der Nachfolger des Obama-Weins (der hatte einen aus dem Jahr 2009). Die Spätburgundertrauben stammen aus den beiden Lagen Geyersberg und Rosengarten. Auf den ältesten bekannten Lagen rund um Bechtheim wachsen junge Reben: fünf bis höchstens 15 Jahre jung. Gegengetrunken haben wir einen 2008 Bechtheimer Spätburgunder QbA trocken, der auf der Maische vergoren wurde und 24 Monate im traditionellen Eichenholzfass reifte. Zur Rinderbacke fanden wir beide gleich passend!

Dessert: Rhabarber. Weiße Schokolade / Sorbet. Mit 2011 Dreissigacker Riesling brut. Och ja, da haben wir dann einfach mal den Stift aus der Hand gelegt und einfach nur noch genossen…

b&b Dreissigacker Weine

Weingut Dreissigacker
Untere Klinggasse 4
D-67595 Bechtheim

Tel 06242 2425
www.dreissigacker-wein.de/

bean&beluga
Bautzner Landstr. 32
01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
www.bean-and-beluga.de

Weinbar geöffnet:
Di bis Fr 13 bis 23 Uhr, Sa 10 bis 23 Uhr

[Besucht am 11. April 2014 | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Print Friendly

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Nah dran und doch weit wegNah dran und doch weit weg Als er, sagte Sommelier Jens Pietzonka, neulich bei Matthias Hey den Weinberg hochgestapft sei, da sei ihm klar geworden: Auch bei Naumburg gibt es Steillagen! […]
  • Saftstrotzende Energie und mehr aus RheinhessenSaftstrotzende Energie und mehr aus Rheinhessen Wenn die Weinprofis sich im März zur ProWein in Düsseldorf treffen, dann haben sie viel zu tun. Mit knapp 5.000 Ausstellern gilt sie als die bedeutendste […]
  • Winzer, Weltmeister, SommeliersWinzer, Weltmeister, Sommeliers Früher war alles anders, das wissen wir. Beispielsweise 1989. Da hatte ein Riesling Kabinett der Verwaltung der Staatlichen Weinbaudomänen aus […]
  • Viermal Spitze beim WeiberabendViermal Spitze beim Weiberabend Das Leben ist kein Ponyhof, und ein Weiberabend ist kein Mädelsabend. Denn anders als bei diesem durften bei jenem auch Männer dabei sein, wenn auch nur […]
  • …lieber trinken als nur spielen…lieber trinken als nur spielen Alles Schweinkram, irgendwie. Das geht schon damit los, dass der Italiener hessisch spricht. Unglaublich: ein hessischer Italiener. Aber so ist das, wenn ein […]
  • Die Vielfalt schmeckbar machenDie Vielfalt schmeckbar machen Wonach schmeckt eigentlich eine Stachelbeere? Na klar: nach Stachelbeere. Und ein Pfirsich? Nach Pfirsich – so wie die grüne Paprika irgendwie nach grüner […]

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Intermezo: Ein vergnüglich-genussvolles Erlebnis | STIPvisiten
  2. Schöne Überraschungen und Geschmackserlebnisse | STIPvisiten

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*