Schmeichler und Herausforderer

Blaufränkisch-Probe mit Weinen aus dem Burgenland in der Dresdner Weinzentrale

Die Drei von der Trinkstelle

Gut Ding will Weile haben. Da hilft es nicht viel, dass sich schon Karl der Große bemüht haben soll, die Spreu vom Weizen zu trennen. Rund tausend Jahre später reden die Leut‘ zwar schon von einer wertvollen Keltersorte, aber so richtig los geht’s mit dem Blaufränkisch, von dem hier die Rede ist und dem wir in einer Masterclass zum Thema „Burgenland – Top Rotweine von der Sonnenseite Österreichs“ systematisch auf die Pelle rückten, erst Ende des vergangenen Jahrhunderts.

Das Weingut Ernst Triebaumer stellte 1988 seinen Blaufränkisch Mariental 1986 vor – und erregte, wenn man das mal so banal sagen darf, Aufmerksamkeit. Die Experten waren begeistert, andere Winzer stiegen ein ins Geschäft mit dem reinsortigen Blaufränkisch. Und dann ging’s so wie eigentlich immer, wenn was Neues, Aufregendes losgetreten wird: erst machen alle gehörig Fehler und experimentieren wild herum, bis sich das Austoben legt und die Qualität siegt.

Und damit sind wir, großer Sprung, in der Jetztzeit: Vier flights mit je vier Weinen und eine offene Bar mit 19 weiteren Weine geben einen guten Überblick über den Stand des Blaufränkisch im Burgenland heute – und lassen noch Platz für weitere trinkgenussreiche Annäherungen ans Thema mit Kékfrankos aus Ungarn oder Lemberger aus Württemberg, denn auch das sind Nachfahren des „Schwarzen Fränkischen“, den der große Karl als den großartigen Wein aus dem Frank(en)reich gefördert hat.

Christian Zechmeister und Gerhard ElzeDie vergnügliche Last der Unterweisung in die Vielfalt des Blaufränkisch teilten sich Gerhard Elze, Sommelier und Kenner der österreichischen Weinszene, und Christian Zechmeister, Geschäftsführer Wein Burgenland. Im Ping-Pong lieferten sie fachliche Hintergründe und Erklärungen einerseits sowie Weinbeschreibugen und persönliche Einschätzungen andererseits.

Lage, Lage, Lage. Die ist immer wichtig, und wenn’s um Blaufränkisch aus dem Burgenland geht, ein bemerkenswerter Dreiklang: Drei DAC gibt es. DAC ist das Kürzel für regionaltypischen Qualitätsweine, und weil wir in Österreich sind, wäre eine Abkürzung wie RQW zu profan, weswegen man den DAC erfand: Districtus Austriae Controllatus. Muss man ja auch erst mal drauf kommen. Drei davon sind in Sachen Blaufränkisch und Burgenland spannend: Leithaberg DAC, Mittelburgenland DAC und Eisenberg DAC. Der Eisenberg bringt (wo wir schon mit DAC ins Lateinische griffen, sagen wir mal: nomen est omen) Dank der dort dominierenden Schieferböden mineralische Weine. Sie sind eher leichtfüßig und sehr würzig. Vom Leithaberg, merken wir uns, kommen eher die feinen und eleganten Weine, sie haben burgundische Züge. Und wo Mittelburgenland drauf steht, ist Wumms drin, mit Würze und dunklen Aromen. „Schwere Böden stehen für die Idee des Blaufränkisch!“ meinte Gerhard Elze.

Blaufränkisch Flight 2: TerroirSoweit die Theorie. In der Praxis probierten wir dann vier Weine, wovon drei von Winzerinnen gemacht waren. Judith Becks 2013er Blaufränkisch vom Altenberg (Gebiet Burgenland) lag 24 Monate im Barrique und 12 Monate auf der Flasche. Ein eleganter Wein, dem man die 13,5 vol% Alkohol nicht anmerkt. Ebenfalls aus dem Blaufränkischland kam der persönliche Lieblingswein dieser Runde: 2013 Goldberg Reserve vom Weingut J. Heinrich, wo Silvia Heinrich seit 2010 das Sagen hat und ganz auf Rotwein setzt. Fruchtbarer Lehmboden mit hohem Kalkanteil ist die Grundlage für die bis zu 60 Jahre alten Reben. Der Wein sei „verflüssigtes Terroir“ sagt die Winzerin – und wir wissen natürlich, wie sie das meint. Denn in Wirklichkeit würde ich immer ein Glas von diesem Blaufränkisch mit seiner klassischen Würze nachordern – aber wahrscheinlich nicht freiwillig in den Lehm beißen, um den Kalk zu spüren. Zehn Jahre und mehr gibt die Winzerin dem Wein – man sieht: 2017 kann auch ein 2013er aus dem Burgenland noch zu jung getrunken sein. Des Autors zweitliebster Wein dieser Runde kam vom Eisenberg, wo Reinhold Krutzler auf ca 12 ha Wein anbaut. Der Eisenberg – insgesamt rund 500 ha – hat zu 2/3 Flächen in Österreich und zum fehlenden dritten Drittel solche in Ungarn. Der 2013 Eisenberg Reserve stammt von 15 bis 30 Jahre alten Rebanlagen und ist mit seiner Herkunft tief verwurzelt. Man schmeckt die Mineralität des Bodens – und man mag das oder nicht. „Die Weine sind keine Schmeichler, sie sind Herausforderer!“ meinte Gerhard Elze. Wobei: mag man oder nicht ist für die nicht so episch dem Wein Verfallenen ja sowieso das Hauptkriterium. So gesehen hatte es der 2013 Blaufränkisch Leithaberg von Birgit Braunstein bei mir schwer – Weichselkirsche ist halt nicht mein Ding (und andere lecken sich die Finger danach…).

Blaufränkisch Flight 1: StilLage ist viel, aber nicht alles. Also gab es Proben unterschiedlichster Stilistiken (mit der eigentlich naheliegenden Erkenntnis, dass die jungen Dinger Zeit brauchen, bevor sie groß werden, und die älteren Vertreter gerne dekantiert werden sollten und Zeit brauchen – aber vielleicht noch besser noch einige Jahre länger liegen sollten). Wir fanden unseren Stil im Mittelburgenland bei K+K Kirnbauer – die Reserve V-Max aus dem Jahr 2012 von den aneinander grenzenden Lagen Goldberg und Satz. 40 und 25 Jahre alte Reben auf tiefen, lehmhaltigen Böden mit kleinem Sandanteil bilden die Grundlage für kräftige, tanninreiche Weine mit langem Abgang. 30 Monate im neuen Holz gereift, dann noch zwei Monate auf der Flasche: uns gefielen die reifen Früchte und der leicht rauchige Geschmack!

Blaufränkisch Flight 3: 2 JahrgängeIm Jahrgangsvergleich gab’s eine verblüffende Grunderkenntnis: Jahrgänge mit ’ner „9“ am Ende sind oft gut in Österreich. 1969, 89, 99, 2009: kannste Dich drauf verlassen. Aber man kann ja nicht nur Neuner-Weine probieren. Wir hatten Weine zweier Winzer aus insgesamt vier Jahrgängen im Glas: 2007, 2009 (!), 2012 und 2013. Die Winzer: Weingut Prieler (mit der Lage Goldberg) und Gesellmann (40 ha rund um Deutschkreuz). Der persönliche Liebling (ausgewählt, bevor uns Christian Zechmeister das Ding mit den guten Neuner-Jahrgängen verriet): 2009 hochberc. Die Riede Hochberg zeichnet sich durch seine nach Süd/Süd-West ausgerichtete Hanglage aus. Der Boden ist oberflächlich von sandigem bis schwerem Lehm gekennzeichnet, im Unterboden findet man Kalksandstein. „Ein Langstreckenläufer!“ meinte Gerhard Elze und empfahl: dekantieren. Auf jeden Fall ein harmonischer, runder, würziger Wein, der da 30 Monate im 500 l Eichenfass ausgebaut wurde und uns jetzt nachhaltig Vergnügen bereitete.

Blaufränkisch Flight 4: CuvéeDie größte Dichte an Gefällt-mir-Weinen gab’s im Cuvée-Flight, bei dem vier Blaufränkische aus dem Jahrgang 2013 einen oder mehrere Partnerweine gefunden hatten. Blaufränkisch plus Zweigelt stießen bei meiner Nase und meinem Gaumen immer auf Gegenliebe. Wenn dann noch ein wenig Cabernet Sauvignon dazu kommt, ist’s wahrscheinlich In Signo Leonis – im Zeichen des Löwen. Ein Kultwein des Winzers Heribert Bayer, der ein Quereinsteiger ist und in seinem früheren Leben einmal Heiratsvermittler war. Wenn er da auch so flotte Dreier produziert hat, erklärt das natürlich den Wechsel ins Weingeschäft – aber Spaß beiseite: tiefdunkel kommt der Wein daher, riecht faszinierend nach dunklen Beeren, ist elegant im Mund mit sehr schönem Nachhall. Übrigens: eigene Weinberge braucht Heribert Bayer nicht, denn er ist das, was die Franzosen einen Negociant Eleveur nennen: er kauft die Trauben den Winzern ab.

Da geht noch was… Mariental – Ernst TriebaumerIn der lange Reihe der offenen Weine an der Bar verbargen sich weitere Schätze, unsystematisch erkundet (es sei denn, die Freundes-Systematik „probier doch mal den!“ gilt als solche). Darunter auch ein Mariental vom Weingut Ernst Triebaumer – genau, den hatten wir oben im Text (2. Absatz!) schon: nach Ernst, dem „Weichensteller mit sprödem Charme“ (Webseiten-Beschreibung), folgt die junge Generation – und die pflegt ebenso Qualität wie Stolz: „Unserem Berufsethos und der Triebaumerischen Beharrlichkeit ist es gedankt, daß es 85/86 solche Rotweine und einen Mariental gab. Für uns nur Bestätigung dessen, was wir immer gewußt haben, für den österreichischen Rotwein ein Riesensprung. Jetzt ist es wieder soweit, die ganze Ära der Industrialisierung ist an uns spurlos vorüber gegangen, wir waren nicht dabei. Jetzt, wo man zu handwerklichen Weinen zurückkommt, sind wir schon immer da“ (ebenfalls von der Webseite). Darf man so selbstbewusst sein? Ja – man muss es wahrscheinlich sogar. Und der Wein bestätigt die Triebaumer ja: tiefdunkel im Glas, Brombeeren, Lakritze und ein Hauch Vanille in der Nase, saftige Beeren, Schwarzkirsche, dunkle Schokolade am Gaumen und Mineralik im Abgang.

Tu felix Austria!

Links zu den erwähnten Winzern

Weingut Judith Beck
Weingut J. Heinrich
Krutzler
Birgit Braunstein
K+K Kirnbauer
Weingut Prieler
Weingut Gesellmann
Heribert Bayer
Weingut Triebaumer

Österreich Wein Marketing GmbH
Wein Burgenland

Weinzentrale
Hoyerswerdaer Straße 26
01099 Dresden

Tel. +49 351 / 89966747
www.weinzentrale.com

Öffnungszeiten:
Mo – Fr ab 16 Uhr

[Besucht am 11. September 2017]

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