Erfolgreiche erste Fête du Champagne

150 Liter Champagner flossen aus den Flaschen von fünf Champagnerhäusern

Fête du Champagne

Am Ende waren dann alle Flaschen geleert. Auch die eine große, aus der alle rund 140 Gäste der ersten Fête du Champagne im Dresdner Stadtmuseum ein Glas zur Begrüßung gereicht bekamen – eine Flasche mit 15 Litern Champagne Taittinger brut. Nebukadnezar heißt diese Flaschengröße in Fachkreisen – und sie ist vor allem eins: schwer. Und dann natürlich auch sowieso: beeindruckend. Am Anfang brauchte es zwei Männer, um halbwegs elegant und stilvoll aus dem Riesending in die zierlichen und zerbrechlich wirkenden Zieher-Gläser einzuschenken, die an diesem Abend die durchaus angemessenen Trinkgefäße für die rund 150 Liter Champagner waren, die insgesamt durch die Kehlen der Ballgäste flossen.

Fête du ChampagneRein getränketechnisch war’s also ein Abend der Superlative. An fünf Ständen schenkten Carole Doyard vom Champagnergut Doyard-Mahé, sowie Vertreter für die Champagnerhäuser Taittinger, Leclerc-Briant, Maison Alexandre Bonnet und Charles Heidsieck zumeist aus Magnumflaschen aus. Die sind eindeutig einfacher zu handhaben als so ein Nebukadnezar-Oschi – und bringen den Vorteil der größeren Flasche am besten zur Geltung (die eigentliche Flaschenreife der Champagner findet nämlich gar nicht in den ganz großen Flaschen statt, sondern in den vergleichsweise handlichen 1,5-Liter-Flaschen). Die Damen und Herren wussten auf Nachfrage gut zu erklären, so dass das Dresdner Bildungsbürgertum auch diesen Abend unter dem Aspekt der Weiterbildung bestens einordnen konnte.

Fête du ChampagneNun wissen sie zwar mehr über Champagner, aber offensichtlich gibt’s gesamtkulinarisch und -gesellschaftlich noch Bildungslücken. Die Veranstalter Hartmut Richter (R9 Weinboutique) und Clemens Lutz (Kochsternstunden) hatten sich ja mehr als einen Gedanken gemacht zur Begleitung des Abends: Austern (Mario Pattis, Restaurant e-Vitrum in der Gläsernen Manufaktur von VW), Flying Buffet (Elvis Herbeck und Nicole Hieke, Restaurant »finesse«), Tranchen vom Wagyu mit Trüffelpürree (Steffen Zuber, Estancia Beef Club) und Käse (Uwe Sochor, Savoir Vivre) – das klingt doch wie ein tolles kleines Menü! Theoretisch.

In der Praxis trotzten etliche Besucher der Weisheit „Käse schließt den Magen zu“ und besuchten den Käsestand gleich zu Beginn des Abends, so dass die 15 Kilo mitgebrachter französischer Käse am Ende des gedachten Menüs arg geschrumpft waren.  Das Wagyu wurde Steffen Zuber vom Tablett genommen, bevor er überhaupt Zeit hatte zu erklären, was es denn da gibt – und die ganz Verhungerten und Ungeduldigen kamen einfach in die Küche, um ihre (wie einige stolz verkündeten: manchmal zweite oder dritte…) Portion unkompliziert und weniger von anderen bedrängt abzufassen. Was lehrt uns das? Smoking und Abendkleid (der von den Veranstaltern erwünschte Dresscode) allein sind noch kein Zeichen für gutes Benehmen. Wie auch die Tatsache, dass – sicher unabsichtlich – die Zahl der mitgenommenen Zieher-Gläser 27faches Kopfschütteln auslösen könnte. Dabei kann man sie doch in Dresden beim Designer der Gläser (Silvio Nitzsche, WeinKulturBar) ganz unkompliziert käuflich erwerben!

Currywurst und Champagner„Wo bleibt denn da das Positive?“ wurde Erich Kästner gefragt (hier nachzulesen) – eine gute Frage, die man, in diesem Fall, auch weniger schwermütig als im Gedicht beantworten kann: gute Stimmung, gute Musik (am Anfang live mit der zauberhaften Sylvie Piela und Combo, später vom DJ, der es gerne laut hatte), gutes Wetter (so dass man sich draußen prima unterhalten konnte). Bei einer angenehm kleinen Tombola, die dem Verein „Vier Blätter zum Glück“ – Leben mit intensiver Betreuung. immerhin 1.500 Euro Spende brachte, gab es sogar spontane Preisstifter – das ist so die Stimmung, die man sich für derlei Abende wünscht.

Und dann brachte (nach den 400 Austern am Anfang, die Silvio Escher flink und professionell im Akkord öffnete) Mario Pattis am späten Abend noch einmal 200 Currywürste vorbei. Ein Klassiker und vorzüglich passend zum Rosé von Maison Alexandre Bonnet (natürlich aus der großen Magnum)…

Ob’s eine Fortsetzung der Fête du Champagne geben wird? So genau steht das noch nicht fest. Obwohl Hartmut Richter, als es um die verschwundenen Gläser ging, spontan meinte: „Nächstes Mal werde ich das in dem Ausmaß zu verhindern wissen!“ Aber wenn, dann wird es wieder der zweite Freitag im Mai sein…

Fête du Champagne

Fête du Champagne
Freitag, 10. Mai 2019, ab 19 Uhr
Stadtmuseum Dresden, Landhausstraße, Eingang, Wilsdruffer Str. 2, 01067 Dresden
Karten € 190,– pro Person

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