STIPvisiten Frauenkirche Dresden

STIPvisiten Frauenkirche

Als Band 6 der Reise-Verführer STIPvisiten ist ein Band über die Frauenkirche erschienen. Das Buch erschien erstmals in einer geschlossenen limitierten Auflage zur Weihe der Kirche und war bislang nicht käuflich zu erwerben – dafür gibt es den Band jetzt in vier Versionen:
- als Softcover
- als Hardcover mit Schutzumschlag
- als bedrucktes Hardcover
- als eBook für iPhone und iPad optimiert.

Wie immmer ist Blurb der Dienstleister für Printing on Demand. Zu den angegebenen Preisen kommt die Mehrwertsteuer und (bei den Büchern) der Versand hinzu. eBooks gibt’s versandkostenfrei ;-)

Dresden, 13. Februar 2011

Menschenkette

In den Abendstunden des 13. Februar 1945 zerstörten Bomber die Innenstadt von Dresden. Wie Dresden wurden viele Städte zerstört – am 14. November 1940 beispielsweise Coventry. Lang ist es her, aber die Dresdner halten die Erinnerung an den 13. Februar wach. Seit einigen Jahren sogar mit Vertretern aus Coventry – dieses Jahr reihte sich der Lord Mayor Kelsey in die Menschenkette ein, er war damit einer von geschätzt 17.000, die Hand in Hand einen teils mehrgliedrigen Ring um die Dresdner Altstadt bildeten.

Schauspielhaus
Schauspielhaus
Es hätten wahrscheinlich sogar mehr Menschen sein können, wenn man denn nur problemlos in die Innenstadt gekommen wäre. Denn seit Jahren marschiert ein Haufen Unbelehrbarer auch an diesem Tag – und dieses Jahr beliebten die Nazis vom Hauptbahnhof zum Uni-Campus und quer dadurch laufen zu wollen – und bekamen das genehmigt. Das mag man, als eingefleischter Demokrat, noch hinnehmen: So lange der Staat es nicht schafft, die braunen Horden zu verbieten, genießen leider auch sie den Schutz der Meinungsfreiheit, die ja bekanntlich auch immer die Meinung der anders Denkenden umfasst.
Semperoper
Semperoper

Warum aber die Polizei (und wer auch sonst noch dafür verantwortlich gewesen sein mag) die Innenstadt Stunden vorher hermetisch abriegelt und auch den öffentlichen Nahverkehr lahmlegt, bleibt mir ein Rätsel. Ich wäre gern um zwölf mit der Bahn aus dem Süden Dresdens in die Innenstadt gefahren – doch der Fahrer der Bahn meinte nur: Er dürfe seit zwei Stunden nicht mehr fahren, weil die Bahn eine Straße quert, die gesperrt sei. Mir schwante Übles, und richtig: Auch zu Fuß kam man nicht durch.Nette junge Polizistinnen aus irgendwo standen beispielsweise an der Bergstraße und meinten: Um zur Menschenkette zu gehen, sollten wir … und beschrieb vage einen riesigen Umweg. Und überhaupt, was wir denn hier wollten? “Ihre Kollegin hat uns zur Bergstraße geschickt!” – “Ja, und wo ist die?” – “Sie stehen drauf!” Unserer Bitte, uns zu schützen statt der hier vier Stunden später langlaufenden Nazis und sicher zur angemeldeten Demonstration zu geleiten, wollte sie nicht nachkommen.

Shoah
Shoah

Mehrfach stießen wir, ein inzwischen ansehnlicher Trupp abgewiesener Menschenkettenteilnehmer, auf derlei freundliche Polizisten. Die wenigsten von ihnen waren übrigens identifizierbar – weder Namensschilder noch Nummern – die dafür vorgesehenen Felder auf der Uniform waren leer. “Das ist doch skandalös!” sagte eine Frau, “wie Sie uns systematisch hindern, in die Stadt zu kommen.” Am Hauptbahnhof gaben sie und ihr Freund auf. Mir gelang es dann noch über eine zwar kontrollierte, aber begehbare Brücke in die Innenstadt zu kommen. Kurz vor zwei – dem Zeitpunkt, an dem sich die Menschenkette schließen sollte – war ich an der Brühlschen Terrasse…

[Karte mit Wunschweg und Wirklichkeit | Beitrag 2009]

Frauenkirche 13. Februar 2009

Frauenkirche 13. Februar 2009

Es ist der 13. Februar 1945. Bomberverbände nähern sich Dresden, um 21.45 beginnen sie ihr makaberes Handwerk.Es ist der 13. Februar 2009. Die Glocken aller Kirchen läuten in Dresden.

Und die Dresdner gedenken der Bombennacht, mittlerweile recht unterschiedlich. Viele leise, mit Blumen und Kerzen an der Frauenkirche. Es sind dies keineswegs nur die Älteren, auch viele Junge sieht man. Doch bedrückend sind die Worte der Älteren, für sich gesprochen meist, nicht für ein Publikum. “Die ist für den Opi”, sagt die Frau, als sie die Kerze zu den vielen anderen stellt – “weil er uns aus den Trümmern gerettet hat!”

Frauenkirche 13. Februar 2009
Frauenkirche 13. Februar 2009

Weiter weg demonstrieren die Linken gegen die Rechten. Sie haben den Gedenktag für sich entdeckt, instrumentalisieren ihn. Die Musik ist eher krachig und geschmacklos, das ganze hat Event-Charakter. “Ihr solltet Euch schämen!” sagt die Frau, die vom Alter her schon 1945 dabei gewesen sein könnte.Mindestens 18.000 und maximal 25.000 Tote (so die Historikerkommission) hat es in dieser Bombennacht und den Tagen darauf gegeben, als das Feuer durch die Stadt tobte. Viele sprechen deswegen von einer “sinnlosen Bombardierung” – was aber immer auch impliziert, dass es eine sinnvolle geben würde. Aber dem ist nicht so. Auch die Bomben der Deutschen auf Coventry waren mörderisch. Dass in Dresden mittlerweile Menschen aus Coventry und Dresden gemeinsam der Toten gedenken können und sich gegen jedweden Krieg aussprechen, ist die gute Nachricht des 13. Februar 2009 in Dresden.

Das Recht auf die katholische Kerze der Erinnerung

Sächsisch-Bayerische Nachhilfe

Man erspare mir den bayerischen Dialket – ich kann’s nicht, also mach ich’s auch nicht nach. Der Herr (grüner Umhängepullover) aber konnte und nutzte ihn. Er war, zusammen mit seiner Begleitung (roter Umhängepullover), in der Frauenkirche. Dort gibt es am Ausgang die Möglichkeit, Kerzen zu kaufen und – am ausgebrannten alten Kuppelkreuz – aufzustellen. Es sind dort oft bewegende Momente der Ruhe, trotz des Trubels der Touristenattraktion. Das Paar kaufte keine Kerzen (was sein gutes Recht ist), und er kommentierte: “Das haben sie uns abgesehen!” Die Frau, leiser: “Was?” Er: “Na das mit den Kerzen! Das haben doch die Evangelischen gar nicht! Das haben sie uns geklaut!”

So ging es, im Hinausgehen, noch ein wenig hin und her. Da überholte uns und das vor uns gehende bayerische Paar die Dame (kein Umhängepullover) und stoppte die beiden: “Entschuldigung…”
Sie wolle, sagte sie ruhig, nur etwas klar stellen. Vom Raub einer Sitte könne nämlich gar keine Rede sein. Und sie erzählte dem staunenden und argumentationsfrei zuhörenden Paar, wie das damals war, im Krieg, als die Bomben fielen. Und wie sehr die Dresdner das als Teil ihres Lebens aufgenommen haben – die, die es miterlebt haben sowieso, aber auch die Nachgeborenen. Die am 13. Februar, wenn abends zur Stunde des Bombenabwurfs die Glocken läuten, zum stillen Gedenken an die Frauenkirche gehen, dort Kerzen aufstellen, weinen, Trost suchen und finden, reden, nicht allein sind – und sich mit stillem Protest gegen jeden Krieg und jede Gewalt aussprechen.
Lange redete sie und eindrucksvoll.

Manchmal muss man sie einfach lieben, die Dresdner!

Zur Weihe der Frauenkirche

Frauenkirche

Am 30. Oktober 2005 wird die Frauenkirche in Dresden geweiht. Das “Wunder von Dresden” ist die derzeit beliebteste Zeile in Zeitungen und Fernsehsendungen. Und sie stimmt.

Frauenkirche 1990

1990. Mein erster Besuch in Dresden, zwei Wochen nach der so genannten Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Viele neue Eindrücke in einer irgendwie fremden Welt – einer davon: Ein Trümmerberg mitten in der Stadt. Die Menschen nehmen ihn nicht wahr, sie gehen dran vorüber. Dabei gibt es zu diesem Zeitpunkt schon eine Gruppe von Dresdnern, die den Wiederaufbau der Frauenkirche diskutieren…

1992 am 13. Februar sollte ich das erste Mal erleben, wie die Dresdner den Tag der Bombardierung durch über tausend Flieger aus den USA und Großbritannien begehen. Sie kamen – freiwillig, ohne Druck und Organisation – mit Kerzen und Blumen an die Ruine. Viele Menschen, große Stille. Es war beeindruckend, und nicht wenige sagten damals: Die Ruine muss so bleiben, als Mahnung gegen den Krieg. Das war auch meine Meinung – denn warum sollte man eine Kirche aufbauen, in die sowieso keiner gehen würde? Tausende von Sitzplätzen – für wen? Sogar der damalige evangelische Landesbischof Johannes Hempel war dagegen!

1994. Am 27. Mai beginnt nach der Phase der Aufräumung (archäologische Enttrümmerung sagen die Fachleute) der Wiederaufbau der Frauenkirche. Die Befürworter sind immer noch nicht in der Mehrheit. Ludwig Güttler, Weltklasse-Trompeter, hatte über den Beginn des Wiederaufbaus einmal gesagt: “90 Prozent waren dagegen, zehn dafür – und die letzte Zahl ist noch geschönt!” Doch die Aufräumarbeiten, später die wachsende Kirche, stimmt die Gemüter um. Heute sind wohl nahezu alle der Meinung, schon immer dafür gewesen zu sein…

Wie auch immer: Die Baustelle strahlt Faszination aus. Es gibt eine Frauenkirchen-Uhr (made in Pforzheim – in Glashütte hatte sich offensichtlich keiner gefunden), es gibt Förderkreise (be idem in Ladbergen mische ich mit), es gibt Stifterbriefe: Geld kostet so ein Bau, und Geld wird allerorten gesammelt.

Bruecke bauen

Und die Kirche wächst. Jahr um Jahr mehr – Gerüste! Denn gebaut wird hinter Gittern, was den Anblick nur bedingt schön erscheinen lässt, aber so sind die Bauleute weitgehend unabhängig vom Wetter. Diese Ansicht mit Wetterschutzdach hatte eine nette Idee, die ich zusammen mit dem Bäcker Dietrich Grundmann entwickelt hatte, ein wenig torpediert: Wir wollten jedes Jahr einen Stollenkarton mit dem aktuellen Stand der Frauenkirche anbieten – eine Edition, die mitwächst. Irgendwann stellten wir fest, dass Baustellenbilder mit einer verkleideten Aufbaukirche nicht wirklich schön sind und haben es sein gelassen.

2000 war die Kirche zwar bereits schon auf etwa 30 Meter Höhe angewachsen – aber sie hatte eben erst ein Drittel der 90 Meter erreicht, die sie zum architektonisch dominaten Gebäude in der Elblandschaft bei Dresden machen.

Im August 2001 kam der tonnenschwere Schmetterlingsstein zurück an seinen alten Platz – eine der vielen Herausforderungen für die Beteiligten und einer der zahlreichen Momente, wo sie an den Baumeister Bähr und seine Bauleute dachten… Doch auch 2001 war die Kirche noch nicht wirklich nett anzusehen – sie wuchs auf beachtliche Höhen, ein Großplakat am Gerüst illusionierte das spätere Aussehen. Ein Hingucker war die Kirche natürlich dennoch – und der ebenfalls angebrachte Spruch “Brücken bauen, Versöhnung leben” ist zeitlos gut.

Turmkreuz der Frauenkirche

Das Turmkreuz zum Beispiel entstand in England – gestaltet vom Sohn eines der Bomberpiloten, finanziert vom Dresden Trust – einer britischen Stiftung zum Wiederaufbau der Frauenkirche. Lange wird das Kreuz auf ebener Erde am Fuße der Frauenkirche stehen, so dass man sich die Meisterarbeit von Alan Smith ansehen kann. Es sei sein Beitrag zum Wiederaufbau – “just to say sorry”. Am 22. Juni 2004 wurde es dann mitsamt der Haube auf die Laterne gehoben – einer der vielen Großereignisse, das Tausende von Dresdnern zu ihrer Frauenkirche pilgern ließ.

Spannend für Dresdner und die vielen Besucherinnen und Besucher der Stadt wurde es aber schon früher: Die Gerüste im unteren Bereich der Baustelle fielen im Sommer 2002 – die Frauenkirche “unten ohne” zeigte sich bis zu 38 Meter Höhe erstmals in ihrer wieder entstandenen Form. Auf der Baustelle war man – in heutiger Zeit nahezu ein Wunder – der Zeit voraus, die Kirche wird eher fertig als geplant. Und wer das nicht wunderbar findet, mag über das zweite Detail nachdenken: sie wird mit 179 Millionen Euro kaum teuerer als geplant.

2003 waren davon bereits über 90 Millionen Euro an Spendengeldern eingeworben. In diesem Jahr kommen die Glocken und geben der Stadt das vielstimmigste Geläut Sachsens. Die Glocken mussten zweimal gegossen werden: Beim ersten Mal ging zwar während des Gießens alles gut, aber die Klangprobe brachte Dissonanzen. Zu viel Zierrat an den Glocken! Das ist neu, ursprünglich waren es nur Sprüche. Dissonanzen auch im Vorfeld zum Orgelbau: Sollte man sie so bauen wie weiland Silbermann oder ihr einen modernen Charakter geben? Soll sie in Sachsen gebaut werden oder außerhalb der Landesgrenzen? Gestritten wurde über alles, worüber sich streiten ließ. Heute ist keiner wirklich mehr böse über die Entscheidung, den angesehenen Orgelbauer Daniel Kern in Straßburg zu beauftragen.

“Wir sind jetzt so weit, wie sie 1738 beim Tod George Bähr auch war!” sagte Baudirektor Eberhard Burger einmal – und nicht nur er denkt häufig an den Erst-Erbauer der Frauenkirche. Auch die Maurer, Zimmermänner, Steinmetze besinnen sich oft: “Wir haben hier Dinge geschafft, die wir vorher noch nie gemacht haben!” sagt einer, und es schwingt deutliche Anerkennung mit.

Siehe auch Bericht über einen Besuch im Innern der Frauenkirche Anfang 2004 – mit Bildern von 1990 bis 2004

Ulrich van Stipriaan

Originalbeitrag STIPvisiten 30. Oktober 2005

Im Innern der Frauenkirche

Seitdem im Sommer vergangenen Jahres die vom Gerüst befreite Kuppel der Frauenkirche wieder die Silhouette der Stadt prägt, ist äußerlich kaum noch eine Veränderung am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche festzustellen. Das Wetterschutzdach markiert nun den Umriss der “Laterne”, wie der Abschluss oberhalb der Kuppel genannt wird. In diesen Tagen macht sie dem Namen mehr Ehre als wahrscheinlich nach der Fertigstellung, denn nach Einbruch der Dunkelheit ist sie von innen beleuchtet. Durch die Folie des Wetterschutzes wirkt das Licht diffus – in der Tat wie eine Laterne.

In wenigen Monaten wird die Laterne fertig gestellt sein, am 22. Juni wird das über 7 Meter hohe Kuppelkreuz, das ein englischer Kunstschmied nach Originalvorlagen fertigte, den Abschluss der dann 91 Meter hohen Kirche bilden. Am 30. Juli ist die Frauenkirche in ihrer äußeren Gestalt vollendet. Erst dann wird stimmen, was übereifrige Agenturjournalisten schon im vergangenen Sommer falsch in die Welt hinaus posaunten: Dresden hat sein Stadtbild wieder. Schön für die Fotografen!

Von der Öffentlichkeit weniger stark beobachtbar ist, was sich im Innern der Kirche abspielt. Bei (m)einem ersten Besuch im Innern der Frauenkirche am 10. August 2002 – zwei Tage vor der Flutkatastrophe – gab es erst eine Probeachse und zaghafte Versuche, beim Rundgang durch die Kirche am 8. Februar 2004 sah es schon ganz anders aus: Im Altarraum zeugen Gerüste vom geschäftigen Treiben, das hier werktags herrscht. Die Kuppel – 2002 noch gar nicht fertig, wird ausgemalt. Auf zwei Feldern sieht man Bilder – eins ist erheblich kräftiger als das andere, das dafür mit mehr mehr Details aufwartet: Probebilder verschiedener Künstler, die der Entscheidungsfindung dienten.

Anfang Januar dieses Jahres hatte die Geschäftsführung der Stiftung Frauenkirche entschieden, den Kunstmaler Christoph Wetzel mit der Ausmalung zu beauftragen. Wetzel hatte bereits im August 2003 den Evangelisten Lukas in einem der Felder gemalt. Ab April wird er nun die weiteren Bildfelder mit Motiven der Evangelisten und Allegorien der christlichen Tugenden ausmalen – ein spezielles Drehgerüst ist bereits montiert.

Trotz der auch ansonsten allgegenwärtigen Gerüste im Innenbereich schafft es die Wintersonne zwischen zwei Schneeschauern, die Kirche in interessantes Licht zu versetzen. Wenn erst einmal alle Fenster frei sind, wird das sicher ein faszinierendes, jahreszeitlich wechselndes, Lichterspiel werden.

Die mittlerweile weltweit bekannte Frauenkirche kommt, aller das Stadtgesicht prägenden Optik zum Trotz, mit eher bescheidenen Maßen aus. 41 mal 41 Meter Grundriss, 91 Meter Höhe – andere weniger beachtlichen Bauwerke haben größere Ausmaße. Aber erstens duckt sich die Umgebung und lässt den Blick auf die Kuppel (sie beginnt in etwa 40 Meter Höhe) mit abschließender Laterne und Turmkreuz frei. Und zweitens hat George Bähr mit den Maßen der Frauenkirche offensichtlich ein über die Grenzen sächsischen Empfindens hinaus gehenden Nerv getroffen: Die Proportionen der Kirche stimmen, sie sieht, in einem Wort gesagt, schön aus.

Der subjektive Eindruck einer nicht überdimensionierten Kirche verstärkt sich innen – obwohl dort rund 1.700 Menschen Platz finden werden. Die architektonische Geschlossenheit des barocken Innenraums vermittelt sich schon jetzt, obwohl überall Gerüste stehen. Die fünf halbkreisförmige Emporen sind bereits erkennnbar, die Ausgestaltung nimmt langsam Gestalt an. Immer wieder bleibt man beim Rundblick an fertigen und halbfertigen Details hängen…

Bis zur inneren Kuppel fährt ein Aufzug hoch – er wird, nach der Einweihung der Kirche am 31. Oktober 2005, nur noch Behinderten zur Verfügung stehen. Die Treppen hinaufzugehen ist aber keineswegs Last, sondern vielmehr Lust: Blicke eröffnen sich in den Kirchinnenraum und immer wieder durch die Fenster nach außen auf Dresden und (bei guter Sicht) bis ins Elbsandsteingebirge.

Auf dem Ring der inneren Kuppel stehend erfährt man eine neue Dimension: Die Gemälde der Kuppel sind natürlich näher, man erkennt die raffinierte Mischung aus Sandstein, Farbe und Blattgold bei Detailausschmückungen – und der Blick hinab wirkt weit Ehrfurcht einflößender als der von unten hinauf.

Aber es geht noch höher hinauf. Die von außen sichtbare Kuppel, die einzigartig auf der Welt ist und der Kirche den Beinamen “steinerne Glocke von Dresden” gegeben hat, beginnt ja erst über der inneren. Ein Gang windet sich spiralförmig und stufenlos bis zur Plattform der Laterne hoch. Sie ist im Moment noch Baustelle und vom Wetterschutzdach umgeben. Wenn sie offen ist, dürfte es hier ganz schön zugig sein. Der Ausblick lohnt allerdings die Mühe! Wie man hört, zerbrechen sich die Verantwortlichen heute schon den Kopf, wie man die erwarteten Touristenmassen auf die verhältnismäßig enge Plattform lassen soll – der Aufstieg ist auf den letzten Metern nicht sehr großzügig, weil George Bähr zwar an vieles gedacht hat, aber nicht an die Vermarktung der Kirche im Zeitalter des Massentourismus.

Ulrich van Stipriaan

Originalbeitrag STIPvisiten 13. Februar 2004