Manchmal braucht es ein tiefes Loch, damit’s danach umso besser weitergeht: nachdem es schon einige Jahre bei den Bewerberinnen um die Sächsische Weinkönigin eher geringen Zuspruch gab, kann das Jahr 25/26 als Tiefpunkt gelten: da wurde – nach etlichem Hin, Her und Querelen – gar nicht gewählt. Die weinhoheitenfreie Zeit ist vorbei: seit gestern gibt’s wieder eine Weinkönigin und zwei Weinprinzessinnen in Sachsen. Luise Puhlmann heißt die neue Weinkönigin – sie war die jüngste der sechs Bewerberinnen und des einzigen – ein Novum – männlichen Kandidaten ums Amt. Die beiden Weinprinzessinnen sind Josephine Sander und Jessica Löffner.
Die Wahl fand in der Winzergenossenschaft Meißen statt und war nicht öffentlich. Die sieben Bewerberinnen und Bewerber hatten sich seit Juni auf die Aufgabe vorbereitet. Auf dem Programm standen unter anderem ein Weinbauseminar, Sensoriktraining und Rhetorik. Bei der eigentlichen Auswahl wurden neben Fachwissen auch Auftreten, Kommunikationsfähigkeit und Spontaneität bewertet. Zum Prüfungsprogramm gehörten Fachfragen zu Weinbau und Tourismus, die sensorische Beschreibung eines Weines sowie ein spontan gehaltenes Grußwort.
Luise Puhlmann bringt praktische Erfahrungen aus dem Weinbau mit. „Mein Opa hat mir zur Einschulung einen eigenen Weinstock geschenkt“, weiß sie zu berichten. Sie half schon als Kind bei der Weinernte im Weinberg der Familie, hilft in der familieneigenen Besenschänke Haselbusch mit – und wird, um von der Vergangenheit in die Zukunft zu blicken – im August ein Praktikum beim Weingut Henke in Sörnewitz beginnen. Langfristiges ziel: ein Studium in Geisenheim und später mal Sommeliere werden.
Dass in diesem Jahr so viele Bewerberinnen und mit dem 47-jährigen Radebeuler Gastronomen Marco Stelter auch erstmals ein Mann das Amt anstrebten, ist ein schöner Erfolg für die Aktivitäten ehemaliger Weinhoheiten. Die fanden es nämlich gar nicht gut, wie es im vergangenen Jahr gelaufen ist und dass es keine Repräsentantin für den sächsischen Wein gab. Ganz offiziell als Arbeitskreis des Weinbauverbands gegründet, mit Maria Lehmann (Weinkönigin 17/18) als Verbindungsperson zum Vorstand. Sabine Leonhardt (Weinprinzessin 22/23 und 23/24) wird jetzt die Koordination übernehmen – auch sie war Teil des Arbeitskreises. Alona Chesnok (Weinkönigin 23/24) betreut schwerpunktmäßig das Thema Social Media, für das auch Sabrina Schreiber (Weinkönigin 22/23) und ihr Mann Sebastian sorgen. Lisa Leinemann (Weinkönigin 18/19) war nicht nur die Moderatorin bei der Krönungszeremonie, sondern wirkte auch – wie Ann-Kathrin Schatzl-Pocher (Weinprinzessin 18-21) – im Hintergrund unterstützend mit. Was das Team (zu dem auch noch andere Engagierte gehören, die nicht auf dem Foto oben zu sehen sind) zeigte, war einerseits natürlich: wer einmal Weinkönigin war, bleibt der Idee Weinbotschafterin treu. Und das Ergebnis von sieben Bewerbungen ist sicher auch Folge davon, dass vieles moderner geworden ist, ohne die Tradition zu vergessen: die Regularien wurden überarbeitet, das Marketing wieder in Schwung gebracht, die Wahl für Männer geöffnet.


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