Abends im Al Brindisi

Venezianische Impressionen (5)

Spaghetti mit Meeresfrüchten

Unser Reiseführer hatte das Restaurant Al Brindisi wärmstens empfohlen, und nicht nur wir waren offensichtlich deswegen dort – die Herrschaften am Nebentisch erwähnten ihn im trauten Zwiegespräch (ja, ich habe zugehört!) und zwei Tische weiter in die andere Richtung hatte die aufregend hübsch zurechtgemachte Freundin des auffallend unaufgeregt aussehenden Freundes ihn auch in der Hand – also den Reiseführer.

Die Herrschaften nebenan meckerten: Sie müssten dringend dem Herrn Marco Polo schreiben, wie schlecht es hier sei im Vergleich zum Preis, also quasi kein Leistungsverhältnis, das da! Und wenigstens warm hätte man das Essen servieren können – ein Punkt, der uns aufhorchen ließ, denn manche mögen’s heiß. Da die Herrschaften nebenan aber irgendwie einen so nörgeligen Eindruck hinterließen, beschlossen wir, nicht spontan zu gehen, sondern zu bestellen: Zweimal das Dreigangmenü. Und das war gut so!

Es gab:

  • Venusmuscheln und Miesmuscheln in Weißweinsauce, mit dem Gewürz der Seligen.
  • Spaghetti in Tintenfischsauce
  • Gemischte Fischplatte

und

  • Sardine Saor
  • Spaghetti mit Meeresfrüchten
  • Kalbsleber venezianische Art

Sarde saór  Leber Venezianische Art

Alles warm, alles sehr fein, und der Preis von 25 Euro kann in Venedig als sensationell günstig bezeichnet werden – zumal der Chef in der Küche mit guten Zutaten nicht geizte. Während wir drinnen gemütlich saßen und aßen, tobte draußen ein heftiges Gewitter. Wir hatten schon Angst um unsere Frisuren, aber kaum hatte der Regen so richtig angefangen, stand draußen vor der Tür ein Schirmverkäufer. Endlich mal was Praktisches, dachte ich und fand, dass auch die heimischen Rosenverkäufer auf Handtaschenschirme umstellen sollten – ist doch bei unserem Wetter ein krisensicherer Job! Ich überlegte mir schon, wieviel ich für so einen drei-Euro-Schirm zu zahlen bereit wäre… Aber als wir fertig waren, hatte der Regen aufgehört und der Schirm-Inder ging wieder Rosen anpreisen, so dass wir den Preis nie erfahren haben…

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