Von Cala Ganone nach Oliena

Geschichten aus Sardinien (13)

Eine Frage der Generationen

Der Weg ist das Ziel. Also wählten wir für den ersten Quartierwechsel die Ost-West-Durchquerung der Insel mit Umwegen. Wie immer, wenn der Weg das Ziel ist, gestaltet sich das hin und wieder als eine Art Fahrt ins Blaue, wenn nicht sogar ins Blauäugige.

Der Anfang der Querung kann als bekannt vorausgesetzt werden – man kommt ja nur auf einem halbwegs schnellen Weg fort von Cala Gonone. Ein letztes Mal also fahren wir bergauf, dann durch das immer noch nicht attraktivere Dorgali, gönnen uns einen Blick – nein zwei: einen nach links, einen nach rechts – auf den Lago del Cedrino und biegen dann schwungvoll von der SP38 ab in Richtung Oliena. Der erste Zwischenstopp sollte die Quelle Su Gologone sein, deren Wasser man getrunken haben soll – weswegen wir eigens leere Flaschen mitgenommen hatten.

Su GologoneAuf dem Weg zur Quelle Su Gologone legten wir einen Spontanstopp an einem Olivenhain ein, wobei die Auswertung der Fotos später ergab, dass es da zwar schön, aber nicht berauschend war. An der Quelle selbst muss man das etwas differenzierter sehen! Das Gelände ist touristisch voll erschlossen, was eine nette Umschreibung für: Zäune drumherum, Kassenhaus und möglicherweise Tourirummel ist. Und nun die gute Nachricht: Es gab keine Touristen außer uns. Also zahlten wir gerne, nachdem die Kassiererin sich vom Espresso in der Bar nebenan getrennt hatte, unsere zwei Euro Eintritt und liefen die Wege, die an Wochenenden wohl Tausende abtippeln.

Nostra Signora della PietaSchön ist es dennoch! Es gibt: eine kleine Kirche „Nostra Signora della Pieta“, die schlicht und doch ganz reizvoll einen Hügel dominiert. Es gibt weiterhin Wege zur Quelle und solche von ihr fort. Einige sind mit Nachrichten verziert, die sinnige Wege-Architekten aus Muschelschalen gestaltet haben („Benvenuti a Su Gologone“) – was für eine Überraschung! Und dann ist da natürlich diese Quelle, deren klares Wasser aus dem Fels sprudelt und unten wunderbarer Weise traumhaft grün und klar einen See bildet. Schön schön. Da macht es auch nichts, dass die Leute sich hier, wie an so vielen anderen Orten mit Wasser auf dieser Erde, sich ihres Kleingelds entledigen und glauben, irgendetwas Gutes davon zu haben.

Unterhalb der Quelle staut sich das Wasser zu einem See, und nur etwas weiter ist ein Pumpenhaus zu bewundern. Wenn das geschlossen ist, pumpt die elektrische Pumpe von dort Wasser hoch zu einer Wasserentnahmestelle oben auf dem Parkplatz: Wasser aus Su Gologone! Nun stand aber das Pumpenhaus weit offen, zwei Männer arbeiteten drinnen – und uns schwante Übles. Genau: Weil unten die Pumpe nicht ging, gab’s oben kein Quellwasser. Na prima!

Wir also wasserlos nach Oliena. Die machen dort einen hervorragenden Rotwein, aber die Stadt ist befremdlich. Autos brettern wie verrückt durch die Straßen, Häuser verfallen, Bars oder gar Ristorantes gibt es nicht (oder es gibt sie, aber wir haben sie nicht gefunden). Wenig Fußgänger trauen sich auf die Straßen, laufen vorbei an so wunderbaren Etablissements wie der Luxusunterkunft Santa Maria, die mit einem Gitter vor Gästen gesichert ist, passieren Wände mit Wahl-Sudokus und erfreuen uns an hübsch gemalten Sprüchen, die vor knapp 200 Jahren verfasst wurden und vom Fremdenverkehrsverein vor einem Jahr zur Verschönerung der Stadt an allerlei Mauern aufgebracht wurden. Mangels ausreichender Sprachkenntnisse erschloss sich uns die Schönheit der Sprüche nicht vollends, was vielleicht sehr bedauerlich ist, eventuell aber auch eine Wohltat. Wer weiß?

WahlvorbereitungEtwas oberhalb der Stadt gibt es einen unschuldig schönen Ausblick auf die Umgebung, die so aus der Ferne ganz nett ausschaut. Rote Dächer, Backsteine hier, geputzte Mauern dort. Hin und wieder Wassertanks auf den Dächern, und sogar die eine oder andere Solarzelle. Je weiter die Blicke schweifen, desto harmonischer wirkt Oliena. Doch dann sehe ich runter in den Garten direkt vor uns. Dort rosten zwei Autos still vor sich hin. Oliena bleibt sich treu…

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