Besuch vom Winzer

Patrick Johner und die Zwei von der Shelter Winery

Winzerfest

Wenn man nicht zum Winzer kann, kommen die Winzer eben selbst vorbei: Patrick Johner vom Weingut Karl-Heinz Johner, Hans-Bert Espe und Silke Wolf von der Shelter Winery und der Sommelier Dominik Trick (2007 der beste Deutschlands!) als Vertreter für Arndt Köbelin waren zu Gast auf dem Weißen Hirsch: Am vergangenen Freitag im bean&beluga, tagsdrauf auf dem Konzertplatz, gab es Besuch aus Baden.

Dreimal Wein aus Baden und, weil sich die Familie Johner auch am anderen Ende der Welt engagiert, einmal Wein aus Neuseeland. Wie immer bei derlei Gelegenheiten: Man kann sich professionell durchkosten und das Vergnügen aufs Riechen, Schlürfen und Ausspucken beschränken. Oder man lässt sich beraten und probiert genussvoll nach der Methode Riechen-Schlürfen-Schlucken (RSS-Feed, würden computeraffine Menschen das nennen). Diese Methode eignet sich allerdings nicht, um alle der 21 vorgestellten Weine zu probieren! Dann lieber doch RSA: Auf den formschönen, aber enghalsigen Spuckkrügen standen übrigens nette Sprüche, zum Beispiel „Wein aus Österreich. Kostbare Kultur“. Ich denke aber, dass die Weine dort anders hergestellt werden als sie an diesem Abend ins Gefäß kamen!

Silke Wolf und Hans-Bert EspeWir kamen zuerst mit Silke Wolf vom Weingut Shelter Winery ins Gespräch. Einerseits weil es bei der Probe einen 2006er Sparkling Brut gab und man so einen späten Nachmittag kaum besser einleiten kann als mit so einem frischen flaschengegärten Sekt, andererseits weil das Weingut zufällig genau so groß bzw. klein ist wie das vom Klaus Zimmerling, den wir kürzlich besucht hatten. Und drittens stand sie gerade neben mir – Grund genug zu fragen! Zum Beispiel warum das Weingut so einen ungewöhnlichen Namen hat fürs Badische? Ganz einfach: Hans-Bert Espe und Silke Wolf haben, als sie sich 2003 selbstständig gemacht hatten, zwar ordentliche Weinberge in Ketzingen und Malterdingen gefunden, aber kein Weingut. „Auf dem verlassenen, so idyllisch wirkenden kanadischen Flughafen in Lahr, wo die grasbewachsenen Bunker von Schafherden gemäht werden, konnten wir unsere winery hinter dicken Betonwänden und schwerer Stahltür beziehen.“ Eine Zuflucht, ein shelter, war gefunden! Wenn alles klappt, wird es übrigens bald schon ein Weingut im Weinberg geben. Aber beim Namen wird es bleiben!

Hans-Bert EspeSilke Wolf aus Paderborn im Westfälischen („schwarz-Münster-Paderborn“) und Hans-Gert Espe aus Osterode im Harz haben beide in Geisenheim Weinbau studiert. Die beiden konzentrieren sich auf eine Rebsorte: Pinot Noir. Und sie sind, wie man vor zehn Jahren wahrscheinlich noch gesagt hätte, verrückt – aber irgendwann haben die Alten ja gemerkt, dass die Verrückten bemerkenswert gute Ergebnisse mit ihrem Spleen erzielen. Gelesen wird (heutzutage sagt man: natürlich) nur von Hand, Pumpen und Filter gibt es nicht im Betrieb. „Unsere Pumpe ist die Schwerkraft und Geduld ersetzt den Filter“ sagt Hans-Gert Espe. Was da dann herausfällt, hat es aber in sich, auch wenn es (wie beim Sekt oder beim Blanc des Noir, den viele ja für eine Modeerscheinung halten) bei der Vinifikation die Farbe verliert 😉 [Weine der Shelter Winery haben wir in Dresden sowie online bei Belvini gefunden.]

Patrick JohnerDer andere leibhaftig anwesende Winzer ist übrigens auch ein Verrückter. Und zwar auf jeden Fall in Sachen Internet-Nutzung fürs Wein-Geschäft! Patrick Johner (der, wie alle anderen von mir jemals öffentlich „verrückt“ genannten Menschen ein irre lieber Typ ist!) schreibt bei Twitter und bei Facebook, filmt für Vimeo, blogt auf der eigenen Seite und enagiert sich sicher auch noch anderswo. Kein Wunder, dass ich den fotografierenden und schnell mal online was checkenden Winzer nett fand! Leider sind wir sehr wenig zum Miteinander-Reden gekommen, so dass eine Frage erst einmal unbeantwortet blieb: Wie man das schafft, alle halbe Jahre Ernte zu haben? Der normale Winzer-Rhythmus erschien mir ja schon immer anstrengend genug – aber mit einem Weingut am Kaiserstuhl und einem in Neuseeland schieben sich die Tätigkeiten ja ganz schön ineinander. Aber ich denke, für die Klärung dieser und anderer Fragen wird’s sicher noch eine Gelegenheit geben!

Winzermenü im bean&belugaAm Abend hatte Stefan Hermann in der Tagesbar des bean&beluga ein Winzermenü zusammengestellt, bei dem es natürlich keine Winzer zu essen gab, sondern deren Weine zu trinken: Zu drei Gängen hatte Jens Pietzonka jeweils zwei Weine der Gäste ausgesucht, zum Dessert gab’s nur einen: 2008er St. Patrick vom Weingut Johner (Grauer Burgunder, Auxerrois und ein wenig Gewürztraminer): Im Ergebnis in großes Vergnügen! Die gradlinige Küche von Stefan Hermann passte so Recht zu den Weinen, und die Weine entwickelten im Zusammenklang mit dem Essen noch einmal eine neue Dimension.

Dominik TrickWie soll man bei so einem kleinen feinen Essen (s)einen Lieblingsgang nennen oder (s)einen Lieblingswein? Das geht nicht, weil man da ja gleich die ganze Karte vorlesen könnte! Und wenn aber doch? Dann würde ich mich erfreuen am Kalbskopf, den ich – oller Münsteraner, der ich bin – als Töttchen viel weniger angenehm im Kopf habe und erwähnen, dass der Sprakling Brut dazu noch einmal gewann. Oder ich würde das Risotto erwähnen, weil es eben jene Mischung aus Knack und Schmelz hatte – und vielleicht daran verzweifeln, welchen der beiden Weißen man denn besser dazu trinken sollte, oder doch gleich beide: den Weißen Burgunder von Arndt Köbelin und den Weißen Burgunder & Chardonnay vom Weingut Johner. Könnte aber auch sein, dass die Zartheit des Rehs, das seine letzte Ruhe auf Pfifferlingen gefunden hatte, einen Satz wert wäre – mit der gleichen Unschlüssigkeit beim Wein, nur dieses Mal dem roten (Blauer Spätburgunder vom Johner, Pinot Noir von der Sheltery). Oder doch der Grießknödel mit dem heiligen Patrick?

Keine Ahnung. Tut mir leid, doch alles genannt zu haben 😉

bean&beluga
Bautzner Landstr. 32
01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
http://www.bean-and-beluga.de

Tagesbar: Montag – Samstag 10-23 Uhr

[Besucht am 28. Mai 2010 | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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