Oh wie schön ist Olomuk

Mit der Jindrich Staidel Combo nach Tschechische Riviera

Ein Ausflug an Tschechische Riviera. Und zurück!

Manche Traumreisen führen ins Ungewisse. Manche sind Albtraumreisen. Aber was eine gelenkbusvolle Anhängerschar reichlich skurilen Humors am Abend des 1. Mai erlebten, war – ähm: eine Traumreise! Sie begann in der Dresdner Neustadt vor dem Wohnzimmer Dresdner Jazzfans, dem Blue Note: Einstieg in einen Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe, die einen supercoolen Fahrer gefunden hatten, um eine Ameisenschar auf Droge zu kutschieren. Die Droge, bevor hier jemand auf dumme Gedanken kommt, hatte acht Beine mit anhängenden Menschen und nennt sich „Jindrich Staidel Combo„.

Die Kapelle spielt ziemlich verrückten Polkajazz – so eine Art knödelböhmisch für Dixieland. Der Herr Staidel bläst mal Tuba, mal Posaune und selten genug ein Ceskeridu – eine Dachrinnenvariante des bekannten australischen Folkloreinstruments. Hinzu spielt der Herr Staidel eine wichtige Rolle als Dressman in enganliegendem einteiligen Trainingsanzug, der wahrscheinlich an das Sperma von Woody Allan erinnert (also an das aus seinem Film, nicht persönlich gemeint…).

Der Kollege Pro Haska ist der lange Schlacksige mit dem schönen Tschechendeutsch – also deutsch so geradebergerbrecht wie man glaubt, dass Tschechen deutsch reden. Er hat eine blühende Phantasie, weswegen seinen Ansagen zu lauschen Pflicht ist. Man möchte meinen, er sei ein intimer Kenner Dresdner Verhältnisse und nicht aus Olomuk, was die Tschechen Olomouc schreiben und die Combo als Heimat angibt. Pro Haska steht im Bus und hält sich an eine dieser Handschlaufen fest und plappert und singt ohne Punkt und Komma.

Die anderen sitzen, also auch Manitschka Krausonova, die sich während der Fahrt an einem Schifferklavier die Finger wärmt. Später, viel später, bedient sie im Blue Note auch noch ein Organ, also die Orgel. Außerdem sitzt an so einer gelenkbusgeeigneten Trommel der Herr Matjes Polka, der seit Jahren einen sehr chicken blauen Anzug nach Art der Kollektion Präsent 20 trägt – kein Wunder, denn neu aufgelegt werden diese Maßschneidereien ja nicht mehr.

Im atemberaubenden Tempo kutschiert der Bus durch das dunkler werdende Dresden und kommt rechtzeitig an der Tschechischen Riviera an: Die blaue Stunde verabschiedet sich gerade, doch Kenner der Szene erkennen den Ort: Haben sie hier doch schon als Kind und später als heranwachsende Jungfrau… Mehr sei nicht verraten. Damals gab’s das nicht, aber heute (also am Abend des 1. Mai) stand da ein Kiosk, aus dem wohlbekannte Discolaute im tschechischen Idiom der munteren Reisetruppe entgegen schallen. Falcos „Jeanny“ mit dem morbus bohemicus ist noch gruseliger als es eh schon gedacht ist! Es gab einen Becher mit dem danach benannten Becherovka für alle und Bockwurst für die, die es wollten.

…und die Musik spielt dazu, live vor dem still ruhenden See. Eine Stunde, von der alle noch lange schwärmen, auch dann noch, als sie auf dem Rückweg den Postplatz passieren („ist ein Platz ohne Post – eine Spezialität in Dresden, Plätze nach Dingen zu benennen, die nicht da sind!“). Zurück im Blue Note geben Jindrich Staidel und Combo sich nochmals die Ehre und spielen die besten Hits der letzten neunzig Minuten und etliche andere.

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