Essen mit dem gewissen Plus

In der Mong-Bar sollte man genau wissen, was man tut

Wenn das der Dschingis wüsste...

Die Idee klingt lustig und kommunikativ: in einer Theke liegen die Zutaten, die man sich selbst in einer Schüssel zusammenstellt und dann in einer Schauküche garen lässt. Und das, so zumindest das verlockendste Angebot der Karte, so oft man will (20,90 Euro). In großer Runde kommt da so etwas wie Fondue-Feeling auf, denn wenn man sich die Portionen nur klein genug macht, kann man doch den einen oder anderen Gang genießen und eine lange Zeit miteinander schwatzen. Man kann auch nur einmalig gehen und sich eine Schüssel füllen – so voll man mag. Aber erstens macht das deutlich weniger Spaß, zweitens ist es geschmacklich natürlich eintöniger und drittens spart man zwar in der Summe, aber nicht wirklich: 14,20 kostet der „Eintopf“ ohne was dazu. Beim „so-oft-man-will“ aber gibt’s eine Vorspeise: Suppe oder Sushi.

Wir wählten die all-you-can-eat-Variante und starteten mit Sushi. Man kann aus der Karte eins der sieben Angebote wählen – von 3,50 bis 8,90 Euro im Wert ein verlockendes Angebot. Das Negiri-Menü mit je zweimal Thun, Lachs und Garnele (7,50 Euro) war von ordentlicher, wenn auch nicht überragender Qualität: Der Fisch ein wenig zu trocken.

Dann stürzten wir uns in das Mongolische-Barbecue-Vergnügen. Die Auswahl ist üppig, Mongolen würden sich wundern, was sie angeblich so alles essen: Springbock, Krokodil, Straußenfleisch, Rind, Schwein… Hammel, in der Mongolei ein Hauptbestandteil des Essens, fehlte – aber egal und auch nicht schlimm. Auch Fisch und Meeresfrüchte finden sich im Restaurant-Angebot, und damit legten wir los. Man muss schon ein wenig selbst arbeiten beim Essenmachen, denn die Sauce muss man vor dem Aussuchen der Zutaten der Bedienung ansagen. Unsere Wahl zum Fisch: Shanghai Mango. Theoretisch eine gute Wahl, praktisch allerdings ein Schuss in den Ofen: Weder die eine noch die andere Portion schmeckte auch nur einen Hauch nach irgendeinem Dressing, zu sehen waren auch nur Spuren (später gab’s deutlich mehr bis zu viel Sauce). Dafür fand die Begleitung eine Zucchini in ihrem Napf, die sie nie hineingelegt hatte: Ein Kollateralschaden beim Zubereiten, offensichtlich. Später gab’s dann auch nochmal einen nie von uns zur Küche gebrachten Champignon im Essen, das gewisse Plus scheint also keine Ausnahme zu sein.

Zweiter Gang: Schwein mit Gemüse und Erdnuss-Curry-Satay. Bei der Zusammenstellung fiel mir zum ersten Mal auf, dass das Fleisch recht lieblos geschnitten und oft noch zusammenhängend in der Kühl-Theke lag. Die Küche ändert daran auch nichts: Sie stürzt den Schüssel-Inhalt auf die Heizplatte und gart was das Zeugs hält. Ohne die Hand auf die Platte gehalten zu haben, würde ich sagen: Auf mittlerer Temperatur und deutlich zu lange. Bei der Fleisch-Dünne wäre eine heiße Platte und je Seite nur eine kurze Garzeit sicher effektiver, um den Geschmack des Fleisches ein wenig herausschmecken zu lassen. Spätestens bei einer völlig durchgebratenen Entenbrust kommen einem dann so Gedanken wie „durchgebraten schmecken alle Schuhsohlen fad“…

Wir kamen also auf die Idee, der Küchenkraft einen Wunsch mit anzusagen: Ob’s auch weniger durch geht? Quasi medium? „Ich kann’s probieren!“ lautete die freundlich-ehrliche Antwort (ein wenig besser war’s – aber nun merkte man die unterschiedliche Fleischqualität noch mehr). Sollten wir nochmal mit einer Gruppe hingehen (in der dann der gemeinsame Spaß dem Mäkeln ein wenig die Schärfe nimmt), würden wir die Ansage sofort geben und obendrein Fleisch und Gemüse getrennt zum Garen reichen: Dann bekommt nämlich von der Sauce bis zur Garzeit jede Zutat, was sie verdient!

Mong Bar
Schützenplatz 14
01067 Dresden

Telefon 0351 / 4848600
http://www.mongolianbar.de

Geöffnet
täglich 17 – 24 Uhr
Sonntags Brunch 10 – 14 Uhr

[Besucht am 10. Oktober 2010 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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