Gutshof Hauber

Gutshof Hauber

Drei-Seiten-Höfe haben Charme – vor allem, wenn sie mitten in der Stadt stehen. Der über 160 Jahre alte Gutshof Hauber im Dresdner Stadtteil Tolkewitz ist wunderbar restauriert und fungiert seit 1997 als Hotel mit Restaurant. 1997 – das war die Zeit, wo sehr gerne Nullachtfuffzehn-Hoteleinrichtungen verbaut wurden, warum also nicht auch in Tolkewitz? Aber wenn man sich erst eimal an diesen besonderen Nachwendecharme gewöhnt hat, sieht man ihn einfach nicht mehr und kann sich dem Essen widmen.

Die Karte liest sich nicht uninteressant (wenn man mal von den sinnigen Überschriften absieht, die von „Vorspiel … Was gibt es Schöneres!“ über „Jetzt gibt’s was auf den Löffel“ bis zu „Kein Fisch aus der Elbe“ reichen) – der Chefkoch Thomas Hänsel verspricht nicht nur klassisch bürgerliche Küche, sondern guckt auch mal über den Tellerrand hinaus. Und so begannen wir mit Gratiniertem Ziegenfrischkäse auf Tomatenscheiben, hausgemachtem Pesto, Pinienkernen und einem kleinen Salatbukett einerseits und dem allgemein gerühmten Champagner-Senfsüppchen mit Balsamico-Creme und Petersilie andererseits. Das klang alles gut gemeint, aber in Erinnerung blieb kein Pesto und kein gratinierter, sondern allenfalls erwärmter Ziegenfrischkäse (der dann aber gut war!). Statt dessen erinnern wir uns an Balsamico, der wahrscheinlich das Hobby des Chefs ist, denn er grüßt bei jedem Gang vom Teller. Das Champagner-Senfsüppchen im Weckglas sah interessant aus und wurde vom Senf dominiert.

Kein Fisch aus der Elbe ist beispielsweise ein Filet vom Wermsdorfer Stör angerichtet auf Mangold mit getrockneten Tomaten und Pinienkernen, Frischkäsetortelli und schmeckt richtig gut, auch weil er prima gegart ist. Sogar die Balsamico-Deko-Streifen störten den Stör nur geringfügig. Geschmorte Kalbsbäckchen in Friedrichs Dresdner Senfsoße, gebuttertes Wurzelgemüse und Kürbiskern-Kartoffelrösti hatten wir als kleine Portion bestellt – gerade richtig für ein Drei-Gang-Menü! Hier scheint der Koch zu Hause zu sein, denn das Gericht war unprätentiös angerichtet und ohne Tadel zubereitet. Bürgerliche Küche, wie man sie sich wünscht: Mit einfachen bodenständigen regionalen Zutaten und ohne Tamtam, aber mit Geschmack auf den Teller gebracht.

Das Dessert ist ebenfalls ein Klassiker des Hauses und wird gerne empfohlen: Topfen-Nougatknödel im Krokant-Zimtmantel mit frischem Obst kamen freilich allenfalls im Zimt-Mützchen und mit Physalis, Karambola und (im Februar!) einer Erdbeere auf den Tisch. Die war zwar frisch, aber landestypisch erwarte ich sie eher im Mai/Juni. Da sollte der Koch, Ambitionen hin und her, entweder die Karte im Laufe der Jahreszeiten anpassen oder sich an wirklich frisches Obst wagen!

Gutshof Hauber
Wehlener Str. 62
01279 Dresden

Tel.: (03 51) 2 54 66-0
www.hotel-gutshof-hauber.de

Geöffnet:
täglich 11 bis 22 Uhr

[Besucht am 05.02.2011 | Eine kürzere Version erschien in Augusto, dem das Magazin für Genuss und Lebensart der Sächsischen Zeitung, im Mai 2011 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurantsin Dresden und Umgebung]

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