Dresdner Weihnachtsmärkte mit Winterzugabe

Striezelmarkt 2012

Seit Sonntag schneit es in Dresden. Mal mehr, mal weniger, mal beherzt, mal so dröppelig. Manchmal kommt ein fieser Wind hinzu, dann peitscht das unangenehm ins Gesicht, und Fotos kann man auch keine ordentlichen machen, weil ja die Linse gleich feucht wird. Aber: Wir haben ja, meteorologisch zumindest, Winter, und da darf das schon mal so sein. Außerdem ist so ein Wetter ja rein glühweintechnisch ein allerprimster Vorwand, mal wieder loszuziehen.

HandbetriebNeben dem Striezelmarkt, den wir ja gleich am Eröffnungstag besucht hatten, gibt’s in der Innenstadt noch mehr. Ganz Dresden ist quasi Weihnachtsmarkt, aber auf zwei weiteren waren wir nochmal ausgiebiger (auf anderen auch, aber man muss ja nicht alles erzählen – vor allem dann nicht, wenn man da selbst nie wieder hingehen würde). Der eine der beiden anderen ist vor der Frauenkirche aufgebaut und hat somit den schönsten Hintergrund überhaupt. Ganz im Stile der Welt vor roundabout hundert Jahren soll der Markt sein, was auch fast immer ganz gut klappt. Hin und wieder hat man zwar den Eindruck, dass auch vor hundert Jahren schon welche dabei waren, die Dresden vor zweihundert Jahren spielten, aber das fällt nicht groß auf.

Die Schafe im Stall sind echtEs gibt überdurchschnittlich viele Buden, wo das Stehenbleiben und nähere Hinsehen sich lohnt. Und auch unterwegs kann es passieren, dass Bemerkenswertes passiert: Singende Mannsleute laufen herum. Kurrendesänger, die freilich auch schon mitten im Advent Weihnachtliches singen. Sollten sie besser wissen, oder? Die Schafe im Stall lassen alles stoisch über sich ergehen, manchmal gucken sie ein wenig traurig, weil die Figuren drumrum alle nicht echt sind und die Typen mit den Knipsen in der Hand sie immer zum Lächeln bringen wollen. Und das bei Schafen! Die Frauenkirche hinter dem Szenario macht sich allerdings gut, kann man nicht anders sagen.

FeuerzangenbowleWir probierten Eierpunsch an einem Stand und fanden den weder gut noch günstig. Vielleicht hätte uns der Hinweis, dass man den (gegen Aufpreis) auch mit Eierlikör bekommen kann, stutzig machen sollen. So hatten wir den Eindruck, leckeren heißen Vanillepudding zu schlürfen, was eindeutig nicht in unserer Absicht lag. Nicht probiert haben wir Glühwein an anderen Ständen (auch wir haben eine Leber!) und die angepriesene Feuerzangenbowle – nichts dazu zu schreiben bedeutet also keine Wertung!

StallhofIm Stallhof ist wie eh und je das Mittelalter zu Gast, allerdings mit Neuerungen. Seit der Wiedereröffnung 2009 nach dem unschönen Feuer 2007 gibt’s ja schon ein neues Arrangement – an das kann man sich gewöhnen. Dass seitdem mehr auf elektrisches denn auf Kerzenlicht gesetzt wird, ist nachvollziehbar. Nun sorgt verlegtes Holz am Boden für zusätzlichen Komfort: Es matscht nicht mehr so. Aber all das zusammen nimmt dem Markt natürlich ein wenig von seinem ursprünglichen Charme.

Fluch der KaribikWir sind dann aber doch noch recht lange hängen geblieben, weil unten im Loch in einer Bude mit der schönen Aufschrift „dattelschlepper“ Süßes aus dem Orient angeboten wurde. Und zwar von einer charmanten, beredten, lustigen Verkäuferin, mit der wir (weil sonst nichts los war) wohl eine halbe Stunde Warenkunde betrieben haben. Lecker war’s und lustig, und Mitbringsel fürs Büro sind auch dabei herausgesprungen…

Glühwein unterm HirschNach dem süßen Zeugs musste es allerdings was Herzhaftes sein – und da gab’s ja noch eine Testlücke auf dem Striezelmarkt: Roten Glühwein Keth gegen bean&beluga! Und die Bratwurst gleich neben dem Keth-Stand wollte probiert werden. Das Ergebnis in aller subjektiven Kürze: Roten Glühwein nehmen wir weiterhin da ein, wo uns auch die Bratwurst am besten schmeckt – da hat Stefan Hermann mit seinem Team unserer Meinung nach die Nase weit vorn. Die Thüringische am Lieblingsweißglühweinstand ist, so wir das als Nicht-Thüringer beurteilen können, für ihre Art sehr in Ordnung, aber eben doch nicht so individuell gewürzt.

Zwei KiloUnterwegs blieben wir dann noch an einem der vielen Stollen-Stände hängen. Die Konditorei Gradel hat ja einen guten Ruf, und unsere kleine Naschprobe ergab: Aus gutem Grund. Was uns freute: Hier gibt’s noch einen zwei-Kilo-Stollen. Warum das so wichtig ist? Weil die einfach besser schmecken als die kleinen, denn sie können die Feuchtigkeit besser halten. So lächerliche kleine Brötchenstollen haben wir da gar nicht gesehen. Also: Immer großen Stollen kaufen und nötigenfalls halbiert verschenken. Mit Erklärung, natürlich!

PS: Ob wir schon alle Stände ordentlich durchprobiert hätten, wurde ich neulich mal gefragt. Klare Antwort: Nein. Ist auch nicht unser Ziel. Wir gehen mit Freunden hin oder treffen sie dort – und machen dann das, wonach uns ist. Was hier steht, sind also (siehe Motto des Blogs!) subjektive Erfahrungen.

PS2: Der Bericht basiert auf mehr als einem Besuch, die Notizen sind vom 3./5./10.12.2012

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8 Kommentare

  1. Schöner Überblick, vielen Dank.

    Das Einzige, was hier nicht reinpasst: das Manager-Deutsche „roundabout“ – auch kursiv geschrieben, erscheint es deplaziert. 😉

    Und beim Stallhof-„allerdings“ (1. Zeile) fehlt ein „l“.

    Ansonsten wieder schön locker & flockig geschrieben.

    • Ach, Frank!
      Gönn‘ doch einem Anglistik-Langzeitstudenten mal ein Wort aus dem Angelsächsischen! Ich versichere auch an Eides statt, kein Manager zu sein.
      Das fehlende „l“ habe ich inzwischen auf einem abgelegten Buchstabensalatblatt gefunden und korrekt platziert: Danke!

      • Ulrich,
        für Deine Impressionen auf dieser Website verzeihe ich Dir auch den Anglizismus – auch weil ich weiß, dass Du ja eher in Beton & Ingenieurskunst als in Managen machst. 😉

  2. Die Bratwurst gegenüber dem Glühweinstand vom Keth ist Weltklasse,da kann auch kein Stefan Hermann mithalten.Oder hat er sich jetzt auf Bratwurst spezialisiert?Vielen Dank Mirko Pfuhland Geschmack liegt im Gaumen des Geniessers Herr van Stripriaan

  3. Habe gerade meinen eigenen Gradel-Stollen verkostet – und er mundet ganz vorzüglich! Zwei gleiche Meinungen machen schon einen Trend, oder?

    Dazu muss ich aber sagen, dass ich auch am Stand von Dietze von der Stephensonstraße oder Scholze aus Pieschen (halbe) Zweikilostollen gesehen hatte.

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