La Boqueria: Grundlagen der grandiosen katalanischen Küche

La Boqueria

Am 19. März 1840 begannen die Bauarbeiten zu einem Markt ganz aus Stahl und Glas. 2.583 m2 Fläche hat der Markt und ist heute sehr vielfältig in seinen Funktionen: Hier kaufen Sterneköche und andere Gastronomen, hier kaufen die Leute aus Barcelona ihren Tagesbedarf – und hier gaffen und knipsen die Touristen den Händlern massenhaft die Waren weg. Wir gehörten, bedauerlicherweise, zur zweiten Gruppe.

Der Mercat de la Boqueria befindet sich mitten in der Stadt bei den Ramblas – und lag doch lange Zeit vor den Toren Barcelonas. Seit 1217 ist an dieser Stelle so etwas wie ein Markt dokumentiert, bei dem die Grundlagen der grandiosen katalanischen Küche verkauft wurden und werden: Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Fisch. Alles recht ordentlich arrangiert auf dem Gelände, so dass sich Optik und Gerüche nicht allzusehr vermischen.

Also lassen wir uns, fast auf den Tag genau 173 Jahre nach Baubeginn, von den Ramblas kommend treiben. Zuerst die Schinken, iberische vom pata negra (aber da haben wir, später im Viertel Gràcia, was Individuelleres entdeckt), dann die Gemüse in all ihrer Üppigkeit (obwohl es erst März war, also eher eine karge Jahreszeit für frisches Gemüse). Selbstverständlich ist alles adrett arrangiert und nicht, wie wir es in der kalten Heimat immer wieder so abscheulich finden, einfach dahin geknallt.

Natürlich gibt es Fisch und all die anderen Herrlichkeiten des Meeres, das ja direkt vor der Haustüre liegt. Und wenn es überhaupt nach etwas riecht, dann nach frischem Salzwasser. Was dem Gemüse oder Obst recht ist, ist den Fischen billig: Sie präsentieren sich fein ausgerichtet und arrangiert, und lediglich grimmig dreinblickende Fischverkäuferinnen verhindern, dass diese Fische auch abgelichtet werden, wobei wir uns fragten, ob tote Fische eigentlich ein Recht am eigenen Bild haben? Aber wir respektieren ja Fischverkäuferinnen, selbst wenn sie muffig gucken wie überlagerte Ware, und haben nur mit Genehmigung draufgehalten. Jedenfalls meistens.

Apropos gucken. Für einssiebzig hätte man sich ’nen Schafskopf kaufen können, mit Augen. Und auch all die anderen Dinge, bei denen vielleicht sogar Christian Seiler, der sich in seinem Plädoyer gegen die sogenannten besten Stücke vom Vieh für die vernachlässigten anderen Teile ausgesprochen hat, die Stirn in Falten gelegt hätte. Oder auch nicht – denn oft schmeckt das alles, richtig und kenntnisreich mit Liebe zubereitet, ja besser als es roh aussieht…

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2 Kommentare

  1. Als ich zuletzt 2009 auf dem Markt war, allerdings im Januar, gab es keine touristischen Horden und die Atmosphäre war durchaus ansprechend und entspannt. Offenbar hat sich das geändert – oder es lag an der Jahreszeit? Nun habe ich ja selbst mit der Kamera draufgehalten (und meist vorher gefragt), gehörte also auch zu den fremden Eindringlingen, kann mich aber damit rausreden, dass ich nicht nur als Touristin kam, sondern immerhin auch eingekauft habe, um in meiner Ferienwohung zu kochen… 😉
    Hier ein paar kleine Eindrücke:
    https://rotewelt.wordpress.com/2012/08/24/mercat-de-la-boqueria-ciutat-vella-las-ramblas-85-89-08001-barcelona/

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