Ein Kleinod in der Markthalle

Gotemba

Das Café Prag am Dresdner Altmarkt hat eine wechselvolle Geschichte. Am 20. Dezember 1956 eröffnet, als Varietétheater mit Tanzabenden und Gastronomie zu einem beliebten Ort für die Dresdner geworden, schloss es mit der Wende. Danach seit 1991 einer der ersten Italiener in Dresden: Gibt es jemand, der nicht bei Giuseppe Balducci war und sich mehr oder weniger über die schnöselig-arrogante Bedienung aufregte? Seit 2007 dann Leerstand und nun (seit Dezember 2013) die Gestaltung als Markthalle mit diversen Imbissangeboten (auf der Webseizzte steht was von „fast 30 Restaurants unter einem Dach“, was bei 21 auf der Liste gleich unter dieser Dachzeile aufgeführten Mitmachern schon arg keck gerundet ist). [update Sommer 2015: die Markthalle hat geschlossen]

Doch das ist Marketing, wir aber haben ein kleines Hüngerchen. Theoretisch hätten wir uns bei jedem beliebigen der Anbieter was aussuchen können, um uns dann an einem der Tische zu treffen und gemeinsam zu genießen. Gute Idee. Praktisch blieben wir freilich bei einem Anbieter direkt an der Theke, was sich als richtige Entscheidung herausstellte. Nett fanden wir übrigens auch, dass es am Wochenende Live-Unterhaltung gibt – bei unserem Besuch war die geile Mucke von Stilbruch durchaus ein Argument, nicht sofort wieder zu gehen.

Und wo waren wir? Wir hatten uns den Japanischen Grill Gotemba ausgesucht. Hier zaubert Takamitsu Hanawa auf wenigen Quadratmetern – manchmal am heißen Grill, manchmal auch ganz ohne Hilfsmittel technischer Art: Wir aßen Gomawakame (ein Seealgensalat, 3 €) sowie Lachs- und Thunfisch-Sashimi (14 €) und fanden beides schmackhaft und toll frisch. Super Lachs übrigens, mit feiner Maserung und ebenso saftiger Thunfisch. Als Tagesgericht gab es Gebackene Sardinen (7 €), mit der kleinen Salatbeilage ein vorzüglicher kleiner Hungerastlochstopfer.

Das hätte es eigentlich sein sollen – aber dann saßen da mit uns an der Theke vier Japanerinnen, die sich immer mal wieder was zubereiten ließen. Und das sah alles soooo gut aus und vor lauter Freude, Takamitsu Hanawa mit seiner ruhigen Art bei der Zubereitung zuschauen zu können, kam die Lust aufs Naschen. Also bestellten wir noch mal nach: Hähnchen (laut Karte „Lecker Lecker Kikeriki“, 10 €) mit Gemüse und pikantem Sößchen, war kein Fehlgriff! Die zusätzliche Zeit am Teppanyaki lohnte sich obendrein: Der Meister bereitete sein Dessert zu, das optisch auf jeden Fall was hermacht (gegessen haben es die Japanerinnen, wir werden das wohl beim nächsten Mal bestellen): Die Grapefruit wird bis auf die letzte Rundung so geschält, dass die Schale sich wie eine Schlange herunterwindet. Dann kommt ein Schnaps in eine Kelle und wird angezündet, um (Modell Feuerzangenbowle!) über die hochgehaltene Grapefruit und ihre Schlangenhaut sich hinunter in die Pfanne zu zündeln. Großes Kino! Die Japanerinnen bekamen vor Staunen den Mund nicht zu, bei uns klickten die Kameras. Serviert wird das dann mit anderem Obst – und es sah gut aus!

Japanischer Grill Gotemba
im Café Prag
Seestraße 10
01067 Dresden

[update Sommer 2015: die Markthalle hat geschlossen]
www.markthalle-cafe-prag.de

Geöffnet:
Montag bis Donnerstag: 9.30 – 20.30 Uhr
Freitag und Samstag: 9.30 – 23.00 Uhr
An Sonn- und Feiertagen geschlossen

[Besucht am 9. Mai 2014 Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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