Besuch beim Vorjahressieger

Kochsternstunden im Weincafé zur Bosel / Weinhaus Schuh

Weinhaus Schuh

Bei Publikumswettbewerben ist man ja vor Überraschungen nie gefeit – insofern war es eine große Überraschung, dass im vergangenen Jahr das Weinhaus Schuh den Kochsternstunden-Wettbewerb gewann: Das hatten viele doch eher als Weinlokal denn als Restaurant wahr genommen. Wir waren im vergangenen Jahr nicht beim Schuh dabei, aber hatten das Haus schon 2011 ganz normal besucht und sind auch damals eher vergnügt raus gegangen. Dieses Mal starteten wir unsere Serie der Restaurantbesuche im Rahmen des Kochsternstunden-Wettbewerbs also beim Vorjahressieger – mal sehen, was für Überraschungen es geben sollte!

Im Rahmen des „offenen Tischs“, zu dem die beiden Kochsternstunden-Veranstalter Marlen Buder und Clemens Lutz regelmäßig öffentlich einladen, saßen wir an einer langen Tafel. Das macht’s für Küche und Service in normalen Landgasthöfen nicht leichter: Das Essen fast einem Dutzend Gäste gleichzeitig zu servieren will ja auch gelernt sein. Erschwerend kommt hinzu, dass so ein Trupp munter miteinander plaudert – je später der Abend, desto ungezwungener geht’s an solchen Tafeln zu.

Das 4-Gänge-Menü kostet im Weinhaus 42 € – und liegt damit fast genau im Durchschnitt aller Menüs (41,59 € – diese Zahl ist aber bei der Vielfalt des Angebots zwischen drei und fünf Gängen weniger exakt als es klingt). Die Weinbegleitung ist ein Schnäppchen, denn für 7,50 € zusätzlich gibt es Wasser und passenden Wein – wenn auch offiziell in autofahrerfreundlicher Minimaldosierung von 5cl pro Gang. Bei unserem Besuch wurde diese Füllmenge großzügig überschritten, aber das kann ja auch an der Freude des ersten offenen Tischs gelegen haben.

Den Auftakt des Menüs machte ein Feines Zwiebelcremesüppchen mit Rucola-Pesto, das allgemein (und auch bei mir) überraschte: Da war nichts Derbes, („Dummchen, steht doch auch: feines davor“ – ach so…), sondern nur ein angenehm feiner Hauch von Zwiebel zu schmecken. Die grünen Pesto-Klackse taten Auge und Gaumen gut – und das dazu gereichte Weißbrot war frisch aufgebacken, also auch eine Freude. Dazu tranken  wir ein Glas jungen Wein: 2014 „Meißner Kapitelberg“, Elbling, QbA vom eigenen Weingut Walter Schuh. Mir ein wenig zu jung, die sächsischen Winzer nehmen sich ja fast alle keine Zeit mehr. Zur Zwiebelsuppe vielleicht nicht so passend wie ein Müller oder der zum zweiten Gang gereichte Goldriesling) – aber das ist ja auch hochgradig Geschmacksache.

Geschmacksache ist ein gutes Stichwort, vor allem im Zusammenhang mit Goldriesling. Den halte ich ja für den am meisten überbewerteten Wein überhaupt, und die Tatsache, dass es ihn in ernsthaften Mengen nur noch in Sachsen gibt, muss ja auch nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal sein. Touristen ohne große Weinkenntnisse lassen sich vom „Gold“ vor dem Riesling vielleicht blenden, aber für 11,50 € die Flasche (im Weinshop der Schuhs) ist das schon ein goldiges Vergnügen. Aber nun gut, sie haben ihn und machen nicht das Schlechteste draus. Wie gesagt, mit dem Zwiebelsüppchen hätte der 2014 „Meißner Klausenberg“, Goldriesling, QbA Weingut Walter Schuh als Einstiegswein sogar mir gefallen – zum Spitzkohl-Linsen-Salat mit Grapefruit und karamellisierten Kumquats, Orangen-Senf-Dressing ließ er nach dem Elbling ein wenig nach. Der Salat war fruchtig-säuerlich, was es jedem Wein schwer macht – aber 5cl im Glas kann man ja gut auf den Schluck davor und den danach verteilen.

Der Hauptgang Kaltenbacher Lammrücken im Maisbrotmantel auf Blattspinat mit hausgemachten Kürbis-Schupfnudeln ziert das Titelbild des Kochsternstunden-Heftes. Dort macht das rosarote Lamm einen sehr einladenden Eindruck – aber während die Gesamtkomposition nahezu identisch mit dem Titel-Arrangement serviert wurde, hatte die Küche dieses Mal den richtigen Zeitpunkt verpasst und somit kein rosa, sondern dunkles Lamm serviert, was allgemein von den Gästen drumherum mit einem „och wie schade!“ quittiert wurde. Rosa Fleisch ist zarter und würziger, das hätte gut getan, zumal der Rest des Tellers (Gemüse, Sauce) perfekt war. Was taten wir? Wir feuchteten mit 2012 „Meißner Kapitelberg“, Blauer Spätburgunder, QbA, Weingut Walter Schuh nach und lobten den für seine Rotweine bekannten Winzer über den grünen Klee.

Millefeullies Törtchen gefüllt mit Mousse waren ein geschmacklich wie optisch erfreuliches Dessert, zu dem wir rein weintechnisch fremd gingen: Es gab den legendären Portos vom Weingut Schloss Proschwitz. Ein versöhnender Abschluss des Abends.

Weincafé zur Bosel
Weinhaus Schuh
Dresdner Straße 314
01640 Sörnewitz

Telefon: 03523 84810
www.weinhaus-schuh.de

Geöffnet
Mo-Fr ab 17:00 Uhr
Sa+So ab 11:00 Uhr
Geschlossen: Februar/März: Mo, Di, Mi
April – Dezember: Mittwoch

[Besucht am 22. Februar 2015 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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Weincafé zur Bosel / Weinhaus Schuh

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Weincafé zur Bosel / Weinhaus Schuh 51.136913, 13.521327 RestaurantkritikenWeinhaus Schuh, Dresdner Straße 314, 01640, Sörnewitz, Deutschland (Routenplaner)

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