Von der Ernte bis zum Probeschluck

2014 Weiß- & Grauburgunder von Martin Schwarz

Martin Schwarz

Sächsische Weine gehören nicht zu denen, die man außerhalb des Anbaugebiets unbedingt kennt. Das ist manchmal gut so und manchmal sehr schade. Ein Winzer, den zu kennen sich lohnt, ist Martin Schwarz. Von seinen Weinen gibt es keinen, der uns nicht schmeckt – aber einen, den wir besonders mögen, nicht nur wegen der völligen Ausschöpfung des unbunten Farbbereichs: der Weiß-Graue von Schwarz.

Weiß- und Grauburgunder von mehreren Lagen haben hier zueinander gefunden und im kleinen Holzfass, dem Barrique, sich neun Monate aneinander gewöhnt. Dass die Trauben von mehreren Weinbergen links und rechts der Elbe zwischen Dresden und Meißen stammen, ist so ein typisch sächsisches Ding: in Sachsen ist alles recht kleinteilig, vor der Wende war der Weinbau fest in der Hand von Hobbywinzern mit Flächen im Kleingärtnerformat.

Martin Schwarz bewirtschaftet insgesamt 2,2 ha – fast alles Steillagen, aber die keineswegs zusammenhängend, sondern verteilt auf weit auseinander liegende Weinberge. Wirtschaftlich nicht der Brüller, aber wenn es mal irgendwo hagelt, kann das auch ein Vorteil sein – dann ist eben nicht aller Wein betroffen…

16 Jahre war Schwarz Kellermeister auf Schloss Proschwitz, dem größten privaten Weingut in den (mittlerweile ja nicht mehr ganz so arg) neuen Bundesländern. Seit 2013 macht er sein eigenes Ding – mit eigenem Keller in der Weinmanufaktur Meißen.

Merbitz im NebelEinen Teil der Trauben für den 2014 Weiß- & Grauburgunder habe ich selbst mitgelesen – die jährliche Lesehilfe im Weinberg dient durchaus der Erdung des Weintrinkers, bekommt man doch einen winzigen Teil von der Mühsal mit, die vor dem Genuss steht. Wir hatten uns linkselbig in Merbitz getroffen, um Weiß- & Grauburgunder zu lesen. Ziemlich bescheidenes Erntewetter hatten wir gerade hinter uns (in den alten E-Mails lese ich: „Alarm beim Riesling! Kannst Du morgen?“ und „nächstes Wochenende dann Merbitz, wenn die Trauben durchhalten!“) Was war geschehen? Es hatte viehisch geregnet – und war dann wieder sehr warm geworden. Der Regen lässt die reifen Trauben platzen, die Wärme ermuntert alle möglichen nicht wohlmeinenden Erreger, sich in den süßen Trauben gütlich zu tun. Irgendwie kann man das ja verstehen, Fruchtfliegen sind eben auch nur Genießer. Aber wenn dann massive Essigfäule das Ergebnis ist, mögen das die Menschen gar nicht. Man sieht’s, mehr noch riecht man es – so mag keiner den Wein. Also stapften wir an jenem nebligen Morgen des 3. Oktober durch die Merbitzer Rebzeilen und sahen schon als Laien: Da wird viel auf dem Boden landen und nicht im roten Erntekorb.

Grau- und WeißburgunderBei derlei Handselektion dauert die Lese natürlich länger – und das, obwohl die Zeit doch drängt. Aber was dann in den roten Kisten landet, ist zwar reichlich wenig, aber eben handverlesene Qualität. Und weil der Tag irgendwo besonders war und der feiernde Rest der Republik den dritten Oktober als Tag der deutschen Einheit beging, gab’s in der Mittagspause zur Winzervesper nicht nur Schwarz-Wein aus dem Vorjahr, sondern eine Cuvée von Chardonnay und Weißburgunder vom Weingut Knipser in der Pfalz – sehr angemessen.

Nun ist der Wein aber in der Flasche! Der Weiß- & Grauburgunder QbA trocken 2014 wurde nicht nur als Cuvée gelesen, sondern auch zusammen ausgebaut. Die Burgundercuvée besticht im Bukett mit Noten von Ananas und Orangenschale. Dass der Weiß-Graue, wie alle Weine von Martin Schwarz, im Barrique gelegen hat (davon 30 % im neuen Holz), schmeckt man natürlich: die würzigen Aromen des Holzes und die Mineralität des Bodens machen den Wein perfekt, die Säure gibt ihm die nötige Balance. Die 0,75-l-Flasche kostet 24 Euro ab Weingut.

Weinbau Martin Schwarz
Dresdner Straße 71
01662 Meißen

www.schwarz-wein.de

[Eine kürzere Fassung des Beitrags erschien am 18. Dezember 2016 in der Rubrik „Auf ein Glas“ in der Rheinischen Post, Düsseldorf]

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