Alten Sagen auf der Spur

Der Caminho das Lendas in Olhāo: fünf Legenden, fünf Kunstwerke

Caminho das Lendas

Beim Urlaub in Olhāo wohnten wir in einem über hundert Jahre alten schmalen Haus im Hafenviertel – ursprünglich wohl das Lager von Fischerleuten, dann aber liebevoll restauriert und auf drei Etagen plus Dachterrasse zu einem sehr kuscheligen Lebensraum für Touristen umgestaltet. Vom Haus bis zum Meer sind es keine 100 Meter – aber gleich um die erste Ecke herum gibt es einen Platz, an dem ein Riese auf einen runter schaut. Das ist, entnehmen wir einem Schild, Arraúl. Was auch auf dem Schild steht: dass die Legende des Arraúl bedeutend für die Gegend ist (warum, steht weiter unten), aber dass an vier weiteren Plätzen der Stadt noch mehr Geschichten erzählt werden – und es die passende Kunst dazu gibt. Zusammen sind sie der Caminho das Lendas – der Pfad der Sagen.

Die Plätze sind laut Werbeprospekt „die fünf wichtigsten Plätze in der Altstadt von Olhão“, was zumindest bei zweien nicht unbedingt nachvollziehbar ist: man muss schon ganz schön durch die herrlichen Gassen der Stadt stromern, um sie zu finden. Wobei das natürlich in Städten mit erhaltenen Strukturen immer eine gute Idee ist: treiben lassen, Katzen, Menschen und Häuser gucken! In der Karte unten sind die Standorte markiert, wir sind den Weg von Nummer 5 zu Nummer 1 gelaufen, weil es so passte und die Reihenfolge eigentlich egal ist. Was ich leider nirgendwo gefunden habe, sind die Namen der Künstler*innen der doch sehr unterschiedlichen Werke.

Die Sagen sind hier wiedergegeben wie sie auf den begleitenden Schildern stehen – mit Ergänzungen, bei denen die sehr informative Seite von APOS, dem Verein zur Förderung des kulturellen und ökologischen Erbes von Olhão, Pate stand.

<strong>Legende von Arraúl</strong> – Largo João da Carma <em>(klicken öffnet mehr)</em>

Arraúl

Arraúl war der Sohn des Hüters der Säulen des Herkules und der einzige Überlebende von Atlantis.

Eines Tages geriet Arraúl in einen Sturm, der ihn in die Tiefsee trieb, wo er von einem Wal verschluckt wurde. Trotz der Hölle überlebt der junge Mann, weil der Wal ihn an den Strand bringt – an dem Ort, an dem Olhāo gegründet wurde, wie es heißt.

Arraúl verliebte sich sofort in den Ort und versuchte, ihn zu schützen, indem er eine riesige Sandbank mit Land von den Bergen São Miguel und Cabeça errichtete, wodurch die Barriereinseln der Formosa-Mündung entstanden.

*

So weit, so beeindruckend. Klingt wie eine Geschichte aus alten Zeiten – ist es aber nicht: Abílio Gouveia (1904–1985) hat sie erst Ende des vergangenen Jahrhunderts geschrieben… (Quelle)

<strong>Legende vom Jungen mit den großen Augen</strong> – Largo do Carolas <em>(klicken öffnet mehr)</em>

Große Augen

In dunklen Nächten, so heißt es, erschien den Fischern entlang des Viertels von Barreto ein sehr kräftiger Junge, der nur mit einem Hemd bekleidet war und große schwarze Augen hatte.

Da er viel weinte und nichts sagte, hatten die Fischer Mitleid mit dem Kind und nahmen es auf ihren Schoß.

Aber das Gewicht des Kindes nahm immer zu, während sie gingen, und schließlich ließen sie den Jungen weinend auf dem Boden zurück.

Im Laufe der Jahre tauchte er im Barreta-Viertel immer wieder mal auf. Aber eines Tages hörte der Junge auf zu erscheinen.

Die Leute sagen, dass Moura Floripes ihn mitnahm, als sie in die Länder Nordafrikas aufbrach…

<strong>Legende vom verzauberten maurischen Jungen</strong> – Largo do Gaibéu <em>(klicken öffnet mehr)</em>

Spielende Jungs

Ein junger Fischer namens Manuel Caleça spielte mit seinen Freunden auf der Straße, als ein geheimnisvoller Junge zu ihnen kam und fragte, ob er mit der Gruppe spielen dürfe. Alle stimmten zu. Aber er war nicht sehr geschickt beim Spielen, und Manuel sagte ihm das.

Der andere Junge schlug vor, dass Manuel und er woanders spielen. Als sie dort ankamen, öffnete der geheimnisvolle Junge eine Falltür. Dahinter sah Manuel einen magischen prächtigen Palast voller Schätze, der ihn fast wahnsinnig machte.

Der Junge tröstete Manuel und sagte ihm, er würde ihn zu seinen Eltern zurückbringen und für immer bei ihm bleiben, aber nur Manuel konnte ihn sehen, weil jemand ihn mit einem Zauberspruch belegt hatte. Und so war es dann auch. Oder, zumindest bis zu dem Tag, an dem Manuels Mutter ihn mit zur Kirche mitnahm, um zur Kommunion und zur Beichte zu gehen.

Seitdem sah Manuel seinen geliebten Freund nie wieder…

<strong>Legende der Floripes</strong> – Praça Patrão Joaquim Lopes <em>(klicken öffnet mehr)</em>

Floripes

In der Nähe des Levante-Viertels, in der Gegend von Sobrado, gab es eine Windmühle, und daneben stand ein altes Haus, in dem ein Mann mittleren Alters namens Zé lebte. Zé war dafür bekannt, dass er trinkt, vor allem, wenn er mit seinen Freunden zusammen war, und er erzählte oft, dass in der Nacht eine schöne Maurenfrau bei ihm auftauchte und sie sich bis zum Morgengrauen liebkosten.

Seine Freunde glaubten ihm diese Geschichten nicht mehr. Also schloss Zé eines Tages eine Wette mit dem Jüngsten der Gruppe, Julião, ab, der im Begriff war, ein Mädchen namens Aninhas zu heiraten. Zé würde ihm einen Bauernhof in der Nähe von Relvas als
Verlobungsgeschenk machen, wenn die Maurenfrau zu ihm käme, und ihm nichts geben, wenn sie es nicht tat.

Um Mitternacht tauchte Juliāo bei der Windmühle auf. Plötzlich, als er gerade gehen wollte, sieht er plötzlich eine schöne Frau. Eine verzauberte maurische Dame! Juliāo setzte sich mit ihr in der Nähe eines Baumes, und sie sagte ihm, dass ihr Bann nur gebrochen werden kann, wenn jemand sie ans Meer bringt und ihr den linken Arm in der Nähe ihres Herzens durchsticht.

Julião konnte das nicht tun, denn er war mit Aninhas verlobt.

Als er nach Hause kam, war seine Verlobte in Tränen aufgelöst und an ihrer Seite war Zé. Aber als Juliāo sich umdrehte, um mit ihm zu sprechen, war er verschwunden. Es heißt, Floripes, die Maurenfrau, habe ihn mitgenommen, als sie sie nach Nordafrika aufbrach, denn er war der einzige Mann, der sie wirklich liebte…

<strong>Legende von Marim</strong> – Largo Fábrica Velha <em>(klicken öffnet mehr)</em>

Marim

In der Gegend von Marim gab es einen schönen und luxuriösen Palast, in dem ein junges Mädchen namens Alina lebte, in das sich ein Troubadour namens Abdala verliebt hatte. Abdala sang jeden Abend schöne Balladen an der Seite seiner Geliebten.

Alinas Vater war jedoch nicht glücklich mit der Situation. Er versprach dem Troubadur die Hand seiner Tochter, wenn er die Quelle des dreizehn Meilen entfernten Flusses in einer einzigen Nacht zum Palast bringen könne. Der junge Mann ging mit einem nachdenklichen Gesicht, und Alinas Vater freute sich, dass es ihm gelungen war, die beiden zu trennen.

In der nächsten Nacht erschien der Junge nicht, was Alina traurig stimmte. Es dämmerte bereits, als der Klang einer Laute zu hören war. Es war der Junge! Und neben ihm ein riesiger Springbrunnen. Wütend wirft der Vater seine Tochter aus dem Fenster, sie fällt neben ihren Geliebten, und gemeinsam machen sie sich auf den Weg den Fluss hinunter…

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