Die Frage nach dem ältesten Gewerbe der Welt ist, trotz 21. jahrhunderts meist immer noch leicht errötend, schnell beantwortet. Aber was ist das älteste Handwerk für Genuss- und Lebensmittel? Nicht zufällig wahrscheinlich zwei Dinge, bei denen es ordentlich gärt, bevor es was wird: Brot und Wein – wobei klar ist, dass das Lebensmittel Brot durchaus auch für Genuss steht und der Wein – nun ja, lassen wir das. Fürs richtige Genießen ist es aber nicht ganz egal, welches Brot man zu welchem Wein trinkt: es gibt Allrounder, die immer gehen, und es gibt Pro-Tipps für gutes Pairing. Tino Gierig, Brotsommelier und Kreativkopf im Dresdner Backhaus, hatte sich im Vorfeld der BW-Classics am kommenden Wochenende Weine aus Württemberg besorgt und von Maria Lehmann aus Sachsen mitbringen lassen und aus dem Angebot der handwerklichen Brote Passendes ausgesucht.
Prinzipiell ist es ja ganz einfach: die Geschmacksnoten des Weins und die des Brotes sollten zueinander passen, es muss harmonieren – weder sollte der Wein sich geschmacklich vor dem Brot hervortun noch das Brot (beispielsweise durch Säure oder Gewürze) den Wein besiegen. Entscheidendes Ziel: ein klassisches Unentschieden! Das gilt natürlich auch, wenn’s mehr als Brot sein soll, also bei einer kompletten Menübegleitung. Der Brotsommelier hatte beispielsweise zum Bacchus vom Weingut Lehmann ein Pane Maggiore ausgesucht. Das ist ein Weizenbrot, ganz mild gesäuert – und wenn man das dazu probiert, ist es so, dass es in einen Einklang geht. „Und die leichte Restsüße, welche im Wein ist, die passt perfekt zu diesem Brot und untermalt die leichten Röstaromen“, befand Tino Gierig.
Gleiches Spiel mit anderen Partnern: zu einem trockenen Rivaner vom Fürstenfass Hohenlohe aus Württemberg gab es ein Pane Italiano – aus Hartweizengrieß und mit mildem Weizensauerteig gebacken. Rivaner? Maria Lehmann – die ja als Sächsische Weinkönigin 2017/18 gelernt hat, nicht nur über eigene Weine gut reden zu können – klärte auf: das ist eigentlich nichts anderes als ein Müller-Thurgau. Und schmeckt auch so: fruchtig mit leichter Säure. Die Empfehlung: auf dem Brot (das von der Konsistenz viel weicher als das Maggiore war) ein wenig rumkauen und dann den Wein probieren, und siehe da: pp – passte perfekt.
Brote nach italienischen Rezepten können sie im Backhaus, aber es geht auch traditionell: ein Buchweizenbrot zum Grauburgunder vom Teamwerk Esslingen oder ein Roggenbrot zum Aushängeschild der Region Württemberg, einem Lemberger der Weingärtner Cleebronn-Güglingen. „Durch die Kruste und durch die Röstaromen ist ein Roggenbrot natürlich immer bisschen kräftiger, es ist relativ harmonisch mit dem Roten!“, sagte Gierig.
Auf der Weinmesse „Baden-Württemberg Classics“ am 18. und 19. April im Internationalen Congress Center Dresden wird es in Sachen Brot und Wein nicht so ausgetüftelt zugehen – und es gibt ja auch nicht Spargel zum Live-Probieren oder Rehkeule für den Rotwein. Aber es sind die Winzer*innen vor Ort, und die können schon Empfehlungen abgeben. Die Weine probieren geht aber – im Eintrittspreis von 20 Euro (ermäßigt zehn Euro) ist das enthalten. Wobei probieren bei fast 40 Weingütern und Winzergenossenschaften aus Baden und Württemberg mit rund 600 Weinen, Sekten und Edelbränden schon durchdacht stattfinden sollte.
Wer sich für alkoholfreie Getränke interessiert: es gibt eine spannende Auswahl von 14 Weinen und Sekten ohne Alkohol. Während der Messe werden geführte Winewalks angeboten. Im Mittelpunkt stehen Frühlings- und Sommerweine, darunter Weine mit bewusst wenig Alkohol, die ebenso verstärkt nachgefragt werden. Für die Teilnahme kann man sich spontan (und ohne Extrakosten) vor Ort anmelden.
Tickets gibt es für 20 Euro bei Eventim sowie vor Ort, die Verkostung der Weine ist inklusive. Wer mit Bus oder Bahn kommt und am Einlass seinen Fahrschein vorzeigt, zahlt dank einer Kooperation mit dem VVO nur 10 Euro. Diese Tickets gibt es nicht im Vorverkauf, sondern nur vor Ort.
Infos: bwclassics.de

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