Ein perfektes Durcheinander

Marcolini Ristorante italiano: Schönes Ambiente, guter Service, schwache Küche

Marcolini

Hat eigentlich jemand mitgezählt, der wievielte Betreiber in Marcolinis Vorwerk gerade sein Glück versucht? Ich nicht – aber gefühlt sind es schon zu viele. An der Lage kann’s nicht liegen: Direkt an der Elbe, im Sommer mit Freiplätzen, ansonsten in langen Gewölberäumen von Marcolinis Vorwerk – das ist schon sehr stimmungsvoll. Seit April diesen Jahres ist aus dem Restaurant ein Ristorante geworden: Ein Italiener ohne Pizza mit verheißungsvoll aussehender Speisekarte (man findet sie im Internet, wenn man nicht auf der veralteten Seite des Vorbesitzers landet, die es auch noch gibt!).

Wir waren eine lustige Runde. Freunde aus Prag waren gekommen, und es gab viel zu lachen. Gestört haben wir dabei niemand: Unser Tisch war fast den ganzen Abend der einzig besetzte (draußen war auch nicht allzu viel los – bei dem Wetter kein Wunder). Wenn das so bleibt, meinte der Besuch, werde es sicher bald wieder einen Wechsel geben – denn bei dem großen Platzangebot (drinnen haben ca 130 Gäste Platz, draußen etwa 100) reicht die Feierlaune von vier Freunden nicht aus.

MarcoliniWir bestellten: Vorspeisen, Hauptgang – und Wein? Eine Weinkarte hat man in den vier Monaten, die es das Ristorante Marcolini gibt, noch nicht zusammenstellen können – obwohl es doch (laut Internetseite) „ein idealer Ort zum Entspannen bei köstlichen Speisen und erlesenen Weinen“ sein soll. Wir bestellten also blind eine Flasche Wein aus den Marken: Gut und mit 17,90 Euro auch günstig. Bei den Vorspeisen schmeckte der Rucolasalat mit sautierten Hähnchenbruststreifen und frischem Radicchio besser als er aussah: wie ein grüner Berg mit wenigen Felsen. Nichts zu meckern beim Safranschaumsüppchen mit gebratener Jacobsmuschel – aber richtig gut war die Feine Variation aus dem Meer mit Lachstatar, Garnele und Jakobsmuschel. Die Jacobsmuschel top gegart – außen braun und innen glasig, so soll’s sein.

Prost!Beim Hauptgang war nur das Durcheinander perfekt: Wir hatten zweimal Entrecôte vom Grill mit Rosmarinkartoffeln bestellt: Einmal durch, einmal medium. Und zweimal Tunfisch – einmal durch und einmal „bitte fast wie Sushi, also nur kurz in die Pfanne“. Was kam? Das Fleisch eher roh und medium, der Tuna zweimal durch. Das können wir zu Hause besser! Ausgesehen haben die Teller auch eher trist – aber die Qualität zumindest des Fleisches war in Ordnung! Der Chef Florin Negoita, der wunderbar und nett reagierte, ging in die Küche schimpfen und brachte später Dessert mit der Aufschrift „Sorry“.

„Wir wollen kein super nobles Gourmetrestaurant sein“, hatte Negoita im April in der Sächsischen Zeitung gesagt. Super nobel muss es ja nicht sein, aber etwas besser könnte die Küche schon werden – damit’s voller wird!

Ristorante Marcolini
Inh. Florin Negoita
Bautzner Straße 96
D 01099 Dresden

Telefon: +49 351 /8 62 78 00
www.ristorante-marcolini.de
geöffnet
Montag bis Freitag 11bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 24 Uhr
Samstag und Sonntag 11 bis 24 Uhr

Das Restaurant ist mittlerweile geschlossen.

[Beitrag zuerst erschienen am 30. Juli 2009 in PluSZ, Beilage zur Sächsischen Zeitung]

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