Die Hauptstadt des mallorquinischen Weins

Stadtbummel durch Binissalem

Türen in Binissalem

Die meisten Mallorca-Urlauber kennen Binissalem wohl gar nicht. Mitten auf der Insel, da kommt doch keiner hin. Außer der Regen, ganzjährig – wenn auch im Sommer in sehr kleinen Mengen. Eine kleine Untergruppe von Touristen kennt aber zumindest den Begriff Benissalem: Der steht doch auf den Etiketten dieser leckeren Weine! Genau: Der Wein aus dieser Region ist (seit Ende 1990) als einziger der Insel durch die Ursprungsbezeichnung Denominación de Origen geschützt. Auf 613 ha bauen 15 Weingüter Roten und Weißen an, neben bekannten Reben wachsen dort auch autochthone Sorten (also solche, die es nur auf Mallorca gibt). Manto Negro, eine Rotweinrebe, muss zu 30% in den Binissalem-Weinen enthalten sein,  Weissweine werden zu mindestens 50% aus der einheimischen Traube Moll / Prensal Blanc oder zu 50% aus der Moscatel-Traube erzeugt.

Bodegas Jose L. FerrerAuf dem Weg von Palma de Mallorca nach Binissalem sahen wir freilich kaum Wein. Ein Feld mit Mandelbäumen, deren Hauptblüte schon längst vorüber war – aber Wein? Erst mal nur als Hinweisschild zum Weingut Macia Batle, dann – am Ende des Ortes Santa Maria del Cami – gab’s linker Hand sogar einige Reben: vor dem Weingut! Ähnlich sah es vor Binissalem aus, wo am Ortseingang rechts die stattliche Bodegas José Luis Ferrer es sich auch nicht nehmen lässt, kellereinah einige Reben zu zeigen. Aber noch auffälliger ist natürlich die haushohe Flasche vor dem modernen Weingut. Natürlich waren wir da auch drin, den Blanc de Blancs des Hauses hatten wir ja schon genussvoll zum Essen probiert. Aber irgendwie kam da keine Stimmung auf, von Probieren wollen erst gar nicht reden. Dann eben nicht.

Nostra Senyora de RobinesIn Binissalem ist am Freitag Markttag. Der Markt findet vor der Kirche Nostra Senyora de Robines statt, deren Turm man von weitem schon sieht. Offiziell war sie nicht geöffnet, aber wir kamen auf einen Blick dennoch hinein. Auf dem Stadtspaziergang  erleben wir Binissalem eher ruhig – nun gut, es leben ja auch nur rund 7.700 Menschen dort. Es gibt erstaunlich viele herrschaftlich anmutende Häuser mit Wänden aus großen Steinquadern, die aus einem nahen Steinbruch stammen. Wir dachten uns: Wie gut, dass wir einen grauen und kühlen Tag erwischt haben – bei Sonne und blauem Himmel wäre das ja gar nicht auszuhalten vor Postkartenschönheit.

Bodegues OliverStein und Wein und früher wohl auch Schuhe sind die bestimmenden Themen in Binissalem. Den Stein sahen wir uns an, beim Wein zog es uns (ursprünglich nur einem zweiten Kirchturm folgend) zum angeblich ältesten Weingut des Ortes. Doch irgendwie machte die Bodega Oliver keinen guten Eindruck – eher so auf Bustouristen ausgerichtet und kitschig, dachten wir. Beim Nachlesen zu Hause bestätigte sich der Eindruck: Der dort angeboten Wein stammt vom Festland. Man kann ihn sich selbst abfüllen, zu Discounterpreisen. Der Kirchturm, den wir sahen, gehört zur Klosterkirche, und die war geschlossen.

Passeig des Born
Passeig des Born

Statt möglicher Hochkultur genossen wir dann eben Alltagskultur: Die Tore und Türen mit ihren unterschiedlichen Knaufen und Schlössern hatten es uns angetan. Es gibt sie reichlich, bei planlosem Bummel durch die Gassen und Straßen muss man eben nur hinsehen. Was wir dabei dann auch entdeckten: Stelen mit alten Bildern – natürlich genau dort, wo man sich den Jetztzustand ansehen konnte. Keine neue Idee, aber immer wieder interessant und Anlass zum Innehalten, um zu vergleichen…

[Besucht am 28. Februar 2014 | Lage | Bilder]

Webseite des DO-Regulierungsrates

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