„Gib mal ’nen Schluck vom Kalb!“

Elbtalweine für Entdecker: kastler friedland Winzer

Kastler - Friedland - Kuka

Das mit dem Wein kann ja ganz schön kompliziert sein. Außer bei denen, die lediglich alle beide anbieten, also nen Roten und nen Weißen. Kommt für schwierigere Situationen jetzt die Rettung aus Radebeul? Kann sein: Die beiden Winzer Bernd Kastler und Enrico Friedland haben sich und ihre zweimal 0,5 ha Weinberg zusammengetan. Die gemeinsam ausgebauten und vermarkteten Weine kommen in 0,5-Liter-Flaschen auf den Markt und fallen schon mal auf, bevor man sie geöffnet hat: Aufgeräumte Etiketten, auf denen man jeweils ein Tier sieht. Geschickt eingebaut in die Bilder von Kalb, Hase, Hahn, Gans und Fisch der Name der Rebe – Bacchus, Kerner, Müller-Thurgau, Weißburgunder, Silvaner. Farblich alles rot und hellblau auf weißem Grund. Weltmännisch könnte man ja auf Frankreich kommen, aber die Kenner wissen: in genau diesen Farben laufen viele Darsteller des Winzerzugs den Weg entlang. Wir sind also in Radebeul.

Auch mit nur 1 ha kann man in allen drei Radebeuler Lagen (Goldener Wagen, Steinrücken und Johannisberg) vertreten sein. 2.500 Flaschen (wie gesagt: je 0,5 l) haben die beiden Winzer bislang auf Flasche gezogen, weitere 500 stehen noch an: Rotwein und eine Cuvee, in der ein gemischter Satz aus allem, was nicht wirklich rebsortenrein auf Flasche gezogen werden konnte, zu einem „überraschenden Geschmack“ (Bernd Kastler) verblended wird. Der Hirsch gleich unten auf dem Bild trinkt übrigens fremd: Er wird auf Rotweinen der beiden Winzer Kastler und Friedland prangen. Im Moment hält er die Nase in einen Weißen, den Enrico Friedland im Glas hat.

Enrico Friedland

Als die beiden Nebenerwerbswinzer ihr Projekt der Presse vorstellten, fiel es relativ häufig das Wörtchen „noch“: Ihren Wein wollen Kastler und Friedland „noch“ auf den jeweils eigenen Flächen eigenständig ausbauen. Die Flächen seien „noch“ in Radebeul verteilt, aber wenn sich was ergäbe… Da scheint also Musik drin zu sein. „Ich habe 2002 mit meiner Frau den Weinberg in der Lage „Radebeuler Johannisberg“ erworben, den Carl Pfeiffer, der Wiederbegründer des Elbtal-Weinbaus im beginnenden 20. Jahrhundert, angelegt hat. Seitdem betreibe ich Weinbau mit großer Begeisterung“, sagt Bernd Kastler. Und Enrico Friedland, der aus dem Görlitzer Raum kommt, meint: „2004 zog es mich mit meiner Frau zurück in unsere sächsische Heimat. Wir fanden oberhalb der Hoflößnitz unser neues Heim und begannen sofort, den dahinter liegenden Steillagenweinberg in der Lage „Radebeuler Goldener Wagen“ zu bearbeiten. Hinzugekommen ist ein Weinberg in der Lage „Radebeuler Steinrücken.“

Die beiden Winzer („Noch nennen wir uns nicht Weingut – dafür sind wir zu klein!“, meinte Bernd Kastler) kennen sich aus ihrer gemeinsamen Arbeit im Weinbauverband Sachsen, wo Bernd Kastler Vorstandsvorsitzende rund Enrico Friedland Geschäftsführer ist. Friedland ließ seine Weine bislang bei Jan Ulrich keltern, Kastler hatte schon immer seinen eigenen Weinkeller – unterhalb der Charlotte K. (wobei es eigentlich genau andersrum richtig ist: Das Haus hat Kastler wegen des Kellers mit dem tollen Gewölbe gekauft – die Charlotte, seit Ende 2007 von Ines Kuka sehr erfolgreich bewirtschaftet, ist quasi das draufgesattelte Nebenprodukt). Charlotte K. ist – nahe und naheliegende Wege! –  auch der Ort, wo man die gemeinsamen Weine der beiden Winzer probieren kann. In Stahltanks reifen sie unterm Restaurant – mit der Kellerarbeit beginnt nämlich das gemeinsame Produkt. Für Endverbraucher, die sich nicht das passende Essen zum Wein mit gönnen lassen wollen, wird es beim Wein & fein von Matthias Gräfe in Radebeul auch ein Ladengeschäft geben, das die Weine vertreibt. Die Endverbraucher-Preise sind für sächsische Verhältnisse moderat: zwischen 7 und 8,50 Euro pro 0,5-l-Flasche.

Ines Kuka schenkt Bernd Kastler feinen Wein ein

Bis auf den Müller-Thurgau (der mit dem Hahn) sind die Weine nicht sächsisch-trocken: Die vorhandene Säure mit Restzucker auszubalancieren scheint den beiden Winzern großes Vergnügen zu bereiten. Das Ergebnis ist freilich keine süße Brause, sondern gut trinkbar. Am besten sogar vielleicht zu den Etiketttieren? Dann trinken wir halt den Bacchus zum Kalb – oder gleich den Kalbwein? Wir haben das tagsdrauf außerhalb der Pressekonferenz als ganz normale Gäste in der Charlotte K. probiert – da steht’s!

Ein Bacchus? Ein Kalbwein?

kastler friedland Winzer
Coswiger Straße 23
01445 Radebeul

Tel.: 0175 / 1780763
www.kastlerfriedland.de

[Pressegespräch am 24. April 2014]

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