…mit manchen Mythen aufgeräumt

8. BuchLese mit Christoph Hein und Hans-Eckard Wenzel im Weingut Aust

Christoph Hein | Hans-Eckardt Wenzel

Das griechische Kabinett der Götter und ihrer Freundinnen ist ja Quell unerschöpflich vieler Geschichten. Ja hei, die haben es sich aber auch gut gehen lassen, die alten Griechen! Der Chef voran – Zeus war ja ein ziemlicher Lebemann, aber auch seine „auf großem Fuß lebenden und stets klammen Götter“ waren alle nicht ohne. Das Zitat im vorigen Satz verrät: Das ist die Erkenntnis und Weisheit eines Anderen: Christoph Hein, auf Buchklappentexten als „unbestechlicher Chronist der Gegenwart“ bezeichnet, hat sich 2013 über die alten Griechen hergemacht, die alten Geschichten neu erzählt – und (sonst wär’s ja nicht Christoph Hein) dabei mit manchen Mythen aufgeräumt. Und so kam es, dass er am Samstagabend im Weingut von Karl Friedrich Aust mit griechischen Temperaturen, aber bei sächsischem Wein mit dem Programm „Vor der Zeit: Korrekturen“ manchmal unerhört aktuell erschien.

Christoph HeinBuchLese heißt die Veranstaltungsserie im Weingut Aust, die nun schon zum achten Mal stattfand.Eröffnet von den beiden Initiatoren Thomas Gerlach und Karl Friedrich Aust, wobei der eine mehr für den Bestandteil Buch sprach und der andere als Gastgeber selbstredend mehr über die Lese– nicht die bevorstehende, auch nicht über Details der gewesenen. Aber es gab ja seine Weine, die beredtes Zeugnis vom Ergebnis der Arbeit in Weinberg und Keller abgeben. Christoph Hein las einige seiner Geschichten. Die sind zwar alle mit wunderbar leichter Hand geschrieben, sie sind unterhaltsam und ließen das Publikum immer beifällig klatschen und manchmal auch gehörig lachen. Aber wie es sich gehört, gab es auch geplante Störungen zum Nachdenken. Wie, wir sind im ganz alten Griechenland, bei den Göttern? Oder doch nicht? „Die Götter werden verehrt und angebetet, man achtet und fürchtet sie, beliebt aber bei den Irdischen ist nur die kleine Echo. Ihr eifert man nach, man will werden wie sie. Wem es gelingt, der erfreut sich der Zuneigung aller Menschen, denn niemandem hört man lieber zu als ihm. Die Mächtigen der Welt schenken ihm Gehör und schätzen seine Meinung höher als die aller anderen. Sie folgen bei ihren Entscheidungen seinem Urteil und befördern nach Kräften seine Karriere.“, heißt es in der Erzählung über Echo, die Nymphe.

Hans-Eckardt WenzelZwischendurch gab’s dann als Gast bei dieser Lesestunde immer wieder Wenzel. Der war ja vor einem Jahr schon im Garten des Weinguts und hatte für (in diesem Fall) positive meteorologische Störungen gesorgt. Mit Akkordeon und Gitarre sang er keineswegs seine Vertonungen von Hein-Texten (außer: Meine Masken – einer der schönsten Titel des Albums Wenzel singt Christoph Hein), sondern einen Querschnitt seiner Lieder, die zwischen Liebe, Wein und Politik nichts auslassen. Wundersame Parallele zum lesenden Dichter: klare Worte, Nachdenkliches und Versöhnlich-Heiteres sind offenbar Dinge, die sich nicht ausschließen. Im Zugabeteil gab es mit der Europahymne dann auch einen ganz neuen und aktuellen Beitrag zum Thema Griechenland – man kann die Hymne auf seiner Seite nachhören.

Dass die bei Wenzel-Konzerten sonst üppigen Zwischentexte ausfielen, hatte einen ganz einfachen Grund: Es war der Abend von Christoph Hein, Wenzel nur Gast. Aber vielleicht gibt’s ja im nächsten Jahr wieder einen eigenen Abend…

Wenzel im Netz

Weingut Aust
Weinbergstrasse 10
01445 Radebeul

Telefon +49 351 / 8338750
http://www.weingut-aust.de

[Konzert am 4. Juli 2014 | Lage]

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