STIPvisiten Florenz: Ein Reiseverführer

STIPvisitenFlorenz

Woran merkt die erfahrene Leserin dieses Blogs, dass es weihnachtet? Genau: So wie auch jeder erfahrene Leser dieses Blogs merkt sie es daran, dass ein neuer Band der STIPvisiten erscheint! Wie immer eröffnet sich hier die Chance, ein tolles Geschenk käuflich zu erwerben (und wie immer wird sich die Auflage bei 1 oder 2 bewegen – naja, ist halt print on demand).Der vierte Band der STIPvisiten-Reiseverführer ist fertig. Damit steht die Italienische Trilogie, die demnächst sicher (wie es sich bei einer guten Trilogie gehört) erweitert wird. Ich sag nur: Elba, Sardinien und Liparische Inseln. Grundlage dieses Buches sind die Texte und Bilder der hier erstmals veröffentlichten Berichte über Florenz und die Toskana. Das Buch kann man bei Blurb vorab ansehen und bestellen (Softcover | Hardcover).

Wer da sagt: “Ach, Florenz – ist ja gerade nicht mein Ziel. Aber Venedig oder Apulien, das wäre doch was. Oder mal so eine Zusammenfassung der ewig hungrig machenden Restaurantberichte…” – wer also so oder so ähnlich spricht, soll nicht leer ausgehen.

Hier geht’s lang:
Band 3: Aufgegessen – Aufgeschrieben (Hardcover | Softcover)
Band 2: Apulien (Hardcover)
Band 1: Venedig (Soft- und Hardcover)

Sommer in Florenz: Osteria Masticabrodo

Masticabrodo

Anfang September ist in Florenz noch richtig Sommer. Das hat Vorteile, rein wettermäßig: Es ist schön warm, die toskanische Heiterkeit breitet sich vor allem am späten Nachmittag und sowieso am Abend in allen Gassen der Stadt aus. Nachteile hat es allerdings auch: Die Stadt ist zugestopft mit Touristen. Und welcher Tourist findet das schon schön?

Um so erfreuter waren wir, am Abend nach der Ankunft unangemeldet in unserem Lieblingsrestaurant, der Osteria Masticabrodo, noch Plätze zu bekommen. An der Qualität der Speisen und der Herzlichkeit des Inhaberpaars kann es nicht liegen, dass es hier nicht wirklich voll ist. An derLage (nicht weit vom Großmarkt San Ambrogio, der Kirche Santa Croce und der Synagoge) sollte es ebenfalls nicht scheitern, auch wenn die kleine Straße Borgo Alegri eher zu den weniger frequentierten gehört.

Wir bestellten, weil wir damit so gute Erfahrungen gemacht hatten, die Vorspeisen nach Art des Hauses. Auf zehn Tellern brachte uns der Chef, was das Herz begehrt: Auberginen, Wurst/Schinken/Käse mit Oliven, überbackene Polenta… Schöner kann man einen Urlaub nicht beginnen.

Als wir nach unseren Primi (Nudeln und Risotto) das Dessert bestellen wollten, beschwichtigte der Chef. Nooooch nicht, erst sei er dran… Er sagte das sehr verschmitzt, mit so einem Funkeln im Auge – und als er dann wiederkam, wussten wir warum: Lardo di Colonnata ist eine Köstlichkeit aus einem Bergdorf oberhalb von Carrara, die man unbedingt einmal probiert haben muss. Speck von (offensichtlich halbwegs glücklichen Schweinen), der mindestens ein halbes Jahr in einem Trog aus feinem Marmor reift und seinen unvergleichlich würzigen Geschmack durch Beigabe der hier reichlich wachsenden Kräuter bekommt. Und nein, danach durften wir immer noch nicht unser Dolce bestellen, denn Kaktusfeigen und eine Schüssel voll Obst sollte erst einmal helfen, den Speck zu verdauen.

Unser Dessert, Süßwein und Cantucci, bekamen wir natürlich auch noch, und beinahe wie selbstverständlich Grappa zum Kaffee…

Osteria Masticabrodo
Borgo Alegri 58
Tel. +39 (0)55 – 241920

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Trattoria dei 13 Gobbi

Trattoria dei 13 Gobbi

In Florenz (16)

“Wenn ihr einmal ein richtig gutes Bistecca alla Fiorentina essen wollt, dann müssen wir in die Trattoria dei 13 Gobbi gehen!” hatte unser Scout Claudia geschwärmt und schon mal vorsorglich keinen Tisch bestellt. Hätte sie aber besser getan, denn als wir dort abends antrabten, war nicht ein Platz frei. Aber – man kennst sich, man versteht sich – in einer Dreiviertelstunde könnte in Tisch für uns reserviert sein!

Vineria i Vinaio
Vineria i Vinaio

Nun gut, beginnen wir den Abend um die Ecke in einer Weinstube! Vineria i’ Vinaio wäre wahrscheinlich einen eigenen richtigen Besuch wert, denn es geht dort locker zu, fast familiär. Keine großen Weine, aber ehrliche, und einfaches Essen wird auch angeboten. Immer wieder eine Freude: Wir konnten ganz unkompliziert in der Nähe der Theke stehen und beim Plausch unser Gläschen Wein trinken und mussten nicht am Tisch sitzen und lange rumdrucksen, dass wir eigentlich ja ganz woanders essen wollten…

Als wir zur verabredeten Zeit bei den 13 Buckligen (denn genau das sind die gobbi) ankamen, war tatsächlich ein Tisch frei. Nicht groß, aber gemütlich. Um uns herum: Im unbelebten Interieur eine lustige Mischung aus Kitsch, Kunst und Kochen. Weinflaschen, Kaffeedosen, Poster, Kassen, Schinken: Es gäbe genug zu sehen – wenn da nicht das lebende Inventar vom Gucken abhielte. Nebenan saß beispielsweise Woody Allan. Also nicht persönlich, aber so eine Art Wiedergänger. Ansonsten lauter sehr wichtige Menschen, die mindestens alle Regisseure waren, oder zumindest hätten werden wollen. So mit Schals und wuschigem Haar, aber durchaus ansehenswert (zumindest die meisten).

Die Kellner wuselten flink und freundlich durch den Laden und brachten ein kleines Vorspiel (reine Unvernunft angesichts des Batzens Fleisch, der da auf uns zukommen sollte – aber eine köstliche Unvernunft!) und wenig später die Attraktion: Das Bistecca. Wir hatten ja (soviel zum Thema Unvernunft) am Mittag spontan schon mal eins geordert und auch genossen – man muss ja kritisch vergleichen können. Das Bistecca der Buckligen war eindeutig vornehmer: Es kam in Tranchen geschnitten. Aber es war genau so gut gebraten und schmeckte uns auch saftig-würzig-gut. Der Preis war deutlich höher als am Mittag beim unkomplizierten Mario, aber das Abendambiente rechtfertigt das im gewissen Grade – und jeden Tag kann man sich so ein Steak eh nicht leisten, rein figurmäßig.

Trattoria dei 13 Gobbi
Via del Porcellana 9R
Florenz
Tel.(+39) 055 284015
Email. trattoria13gobbi@casatrattoria.com
Geöffnet: täglich 12:30-15:00/19:30-23:00

i’Vinaio
Via Palazzuolo 124r
Florenz
Tel. +39 055 292287

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Bistecca bei Mario

Trattoria Mario

In Florenz (15)

Wie heißt eigentlich das Gegenteil von “Geheimtipp”? Bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund (obwohl: ich habe noch nie einen gesehen!)? Wie auch immer: die Trattoria Mario ist so eine Adresse, die munter überall weiter gereicht wird. Und womit? Mit Recht! Denn trotz der Menschenmengen, die hier jeden Mittag (außer sonntags oder im August) hineinströmen, und trotz der zahlreichen Artikel in allen möglichen und unmöglichen Publikationen weltweit: Der Laden ist klasse!

Die 1953 gegründete Trattoria liegt in Sichtweite zum Mercato Centrale, dem größten Markt von Florenz. Der hat täglich (außer sonntags) von sieben Uhr morgens bis zwei Uhr geöffnet – und wo geht man dann mittags hin? Genau: zu Mario. Das heißt, eigentlich geht man ja heute zum Romeo, denn der Sohn vom 1980 verstorbenen Mario (der bei der Gründung selbst noch als Sohn seiner Eltern mitmachte) steht heute in der Küche.

Die Küche ist das, was man heute eine Showküche nennen würde: Ein einsehbarer Glaskasten, in dem eine Reihe singender, pfeifender, scherzender und durchweg wuselig flink arbeitender Köche ihr Handwerk verrichten. Bei Mario ist das allerdings kein neumodischer Kram, sondern schon seit irgendwann in den 70er Jahren so. Entlang der Küche sind die Tische aufgestellt – mit Hockern nach Melkschemel-Art. Warum das? Ganz einfach: Es ist so eng gestellt und so voll, dass für Stühle kein Platz wäre! Nicht vom Bild verwirren lassen – das ist um halb vier aufgenommen, als eigentlich schon geschlossen war. Vorher bin ich nicht an die Kamera gekommen, die unterm Tisch lag. Es war zu eng…

Natürlich saßen wir nicht allein am Tisch, sondern zusammen mit einem italienischen Paar, das mit uns in der Traube vor der Tür stand. Leider reichten unser Italienischkenntnisse nicht für eine gediegene Unterhaltung – aber nett war es auch mit Minimalkonversation. Um noch einmal auf die Enge und die Hocker zurück zu kommen: Wenn man drin sitzt, ist das egal – der Rücken des (oder der) hinter einem Sitzenden ist sowas wie eine Lehne, passt also!

Wir wollten eigentlich nur eine Kleinigkeit zu uns nehmen, weil am Abend schon ein Tisch in derTrattoria dei 13 Gobbi reserviert war. Aber dann sahen wir, wie am Nebentisch vier Geschäftsleute Bistecca alla Fiorentina serviert bekamen, und da wurden wir schwach und orderten es auch. Das war ein gewagtes Unterfangen, denn am Abend sollte es ebenfalls das Bistecca geben – unser Scout Clau hatt die Location extra deswegen ausgesucht. Andererseits ist ein Vergleich ja nie schlecht.

Das Besondere an dem florentinischen T-Bone-Steak ist die Herkunft: Wenn es echt ist, stammt es von einem Chianini-Rind. Das ist eine alte Rasse, die weißen Tiere wurden schon von den Etruskern und den ollen Römern bevorzugt. Heutige Gourmets wissen die Würze des Fleischs zu schätzen, das 50 Prozent mehr Proteine als Fleisch anderer Rinderrassen – und etwa ein Drittel weniger Kalorien. Dann ist ja gut, denn wenn wir zweimal ein Drittel einsparen, ist das doch ein Schnäppchen!

Wir ordern also eins für Zwei und bekommen ein ordentliches Stück Fleisch im Rohzustand gezeigt. Bene! Wenige Minuten später sehen wir es wieder: Drei bis vier Minuten auf der einen und ebenso kurz auf der anderen Seite war es dem Grill ausgesetzt und ist immer noch gehörig groß und innen nahezu roh. So muss das sein, anders geht es gar nicht: “La Bistecca alla Fiorentina is only served rare” steht für die Touris unmissverständlich auf einem Schild – und nur wenn der (männliche) Service auf eine arg niedliche Asiatin trifft, die das so nicht mag, kommt ein Stück Fleisch vielleicht noch einmal nach heftigem Flirteinsatz auf den Grill.

Da liegt der Batzen nun also vor uns – ein Kilo schwer und vorsichtshalber mit nichts anderem als einem Glas Rotwein und etwas Brot bestellt. Aber was soll ich sagen: Es lässt sich bewältigen! Und schmeckt grandios! Es ist das Fleisch an sich, denn außer Salz und vielleicht etwas Olivenöl kommt da nichts ran. Zart, würzig – und im Zusammenspiel vom röstigen Äußeren und nahezu rohen Inneren ein formidabler Genuss, der die 35 Euro pro Kilo sicher wert war.

Der Rest des Angebots ist übrigens deutlich günstiger: Eine reichhaltige, sehr gut aussehende und herüber riechende Ribollita kostet 4,50 Euro, Roast Beef 7,50 Euro. Wie Romeo eine Ribollita macht, kann man sich übrigens ansehen.

Trattoria Mario
Via Rosina 2r
Ecke Piazza del Mercato Centrale
50123 Florenz

Tel. 055 – 218550
trattoriamario@libero.it
http://trattoria-mario.com

geöffnet täglich außer sonntags 12 bis 15.30 Uhr

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Fünfter Spaziergang – Teil 2

David

In Florenz (14)

Kirchen und Museen ansehen kann schön sein, aber auch anstrengend. Da fügt es sich gut, dass in Florenz (wie eigentlich in ganz Italien, Kleinstädte und passable Dörfer inklusive) eigentlich immer eine Bar oder ein Café in der Nähe ist, wo man bei einem Espresso oder, später am Tag, einem Glas Wein das Gesehene erörtern und / oder auch einfach nur abspannen kann. Gegenüber San Marco bittet das Gran Caffé San Marco zur Rast – eine gute Idee. Rammelvoll ist es drin, offensichtlich braucht man nicht nur nach einem Museumsbesuch eine Erfrischung…

Gran Caffé San Marco
Gran Caffé San Marco

Es sind nur einige Schritte bis zur Galleria dell’ Accademia. Wir wollten Michelangelos David sehen – und zwar das Original, das ursprünglich (bis 1873) auf der Piazza della Signoria vor dem Palazzo Vecchio stand. Angesichts der, mit Verlaub, beschissenen Lage, so unter den drüber fliegenden und verdauenden Vögeln, erkannte man, dass ein Ortswechsel mit Dach besser sei für das Kunstwerk. Die gut vier Meter hohe Statue aus Carrara-Marmor steht nun unter einer Kuppel, so dass man sich die makellose Schönheit des Herrn David von allen Seiten ansehen kann. Und seit 1910 steht auf dem Platz im Stadtinneren eine Kopie, ebenfalls aus Marmor (wie die mit den Hinterlassenschaften der Vögel klar kommt, weiß ich nicht). Eine weitere Kopie aus Bronze steht auf dem Balkon von Florenz, der Piazzale Michelangelo.

David David David
David

Unser Ziel ist nun – zur Abwechslung mal – ein Restaurant, über das an andrer Stelle noch das eine oder andere Wort zu sagen wäre… Auf dem Weg kommen wir vorbei an einer der Kirchen in Florenz, die von sich behaupten, die älteste der Stadt zu sein. Die Basilica di San Lorenzo di Firenze war einmal die Kathedrale der Stadt, und sie war der Pfarrkirche der Medici. Etliche von ihnen sind ja hier auch begraben – in der Medici-Kapelle, die einen eigenen Eingang hat und von San Lorenzo nicht zugänglich ist. Wir waren nicht in der Kirche, sondern sind links an der schmucklosen (weil nie fertig gestellten) Fassade vorbei gegangen zum Kreuzgang. Entworfen hatte ihn noch Brunelleschi, doch konnte er ihn nicht vollenden – das hat dann einer seiner Schüler für ihn erledigt.

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Fünfter Spaziergang – mehr Kunst und Genuss

Auf der (Foto-)Jagd nach Männern

In Florenz (13)

Die Piazza della Santissima Annunziata ist einer der schönsten Plätze in Florenz – ein idealer Treffpunkt also für unseren Spaziergang zu weiteren Sehenswürdigkeiten. Der Platz öffnet sich hell am Ende der langen Via dei Servi - und wir hatten ganz besonderes Glück: Direkt nach Ferdinando I. de’ Medici, der uns schon hoch zu Ross im letzten Stück der Straße entgegen geritten kam, erlebten wir 250 Männer jeglichen Alters in grandiosen Aufnahmen. Kinder, Alte, Arme, Reiche, Große, Kleine, Dicke, Dünne zeigten die drei Meter hohen Poster.

La condizione maschile
La condizione maschile

Die freigestellten Bilder gehörten zur Ausstellung “La condizione maschile”, die draußen auf dem Platz und im Spedale degli Innocenti gezeigt wurden – die Botschaft: dass jeder Mensch einzigartig und unwiederholbar sei. Die Ausstellung über den männlichen Zustand dauerte nur sechs Tage. Bis auf eine Gruppe bambini mit Erzieherinnen und uns sah sich keiner die Männer an, die ein Werk aus der Kreativschmiede La Sterpaia von Oliviero Toscani sind, die lauter verrückte Sachen macht und in Pisa zu Hause ist.

San Marco
San Marco

Aber wir haben ja keine Zeit: Der Platz mit dem Spedale an der einen, der Loggia auf der anderen Seite und dem Vorhaus der Kirche SS. Annunziata dazwischen war ja nur der Treff, um dann ein paar Schritte weiter zu gehen zum nächsten Platz. San Marco ist sehr geschäftig, Busse halten hier gerne – ein Menschenumschlagplatz. Die Kirche und das Kloster mit dem Nationalmuseum bieten erstaunliche Ruhe. Zuerst die Kirche! Wer mag, kann sich reichlich Zahlen merken. 1299 ging’s los mit der Gründung eines Benedektinerklosters, das 1310 fertig wurde. 1436 erhielten die Dominikaner die reichlich verfallenen Gebäude, ein Jahr später erhielt der Architekt Michelozzo der Auftrag von Cosimo dem Älteren zur Renovierung. Weihe war 1443, noch ohne Glockenturm. Der stammt aus dem Jahr 1512. Die neoklassische Fassade allerdings ist noch jünger – 1777, ein Werk von Giovan Battista Paladini.

Deckengemälde
Deckengemälde

Wem das alles zu viel ist: Die Kirche und das Kloster sind sehr alt, haben einiges mitgemacht – und es lohnt sich auch, hinein zu gehen: Es glänzt gülden, es gib sehenswerte Kruzifixe und Fresken. Insgesamt ein sehr imponierender Eindruck. Nur die große Uhr vorne rechts geht falsch – was sage ich: sie geht ja gar nicht, sie steht und geht somit nur zwei Mal am Tag richtig. Wie immer lohnt ein Blick nach oben zur Decke. Von wem das Bild stammt, habe ich übrigens bislang nicht herausbekommen – vielleicht verrät es ja jemand in den Kommentaren.

Museo San Marco
Museo San Marco

Das Kloster ist eine gut erhaltene Anlage und hat (für alle, die die Zahlen schon wieder vergessen oder sich gar nicht erst gemerkt haben) ja seine fünfeinhalb Jahrhunderte in den Mauern. Das Museum ist daher ein mehrfaches: Zuallererst eins des Klosters selber, und das fängt schon mit dem Kreuzgang an, durch den man hindurch muss bzw. darf, um ins Innere zu gelangen. Doch bevor man ins Kloster geht, ist ein fast 10 m breites Kreuzigungsfresko von Fra Angelico quasi einen Pflichtbesuch wert.

Klosterzelle
Klosterzelle

Fra Angelico lebte in dem Kloster und hat etliche Räume – unter anderem viele der 44 Klosterzellen – mit Gemälden ausgestattet. Er sei mit einem raren und ausgezeichneten Talent ausgestattet, hat Vasari (der mit dem Korridor) in seinem Buch Vita über ihn geschrieben. Die Fresken in den karg ausgestatteten Zellen sind immer neben dem Fenster angeordnet – so gab es für die Bewohner nicht nur Licht von Außen, sondern auch Erleuchtung. Zumindest, wenn die Meditation über das Gemälde zu den richtigen Ergebnissen kam… Der Blick in die geöffneten Zellen ist dann sozusagen das zweite Museum: Eine Ausstellung von Fra Angelicos Bildern – erhalten in ihrem ursprünglichen Wohnumfeld.

Bibliothek
Bibliothek

Keinesfalls verpassen sollte man die Bibliothek! Keine Ähnlichkeit mit den nüchternen Zellen, dafür ein hoher lichter langgestreckter Raum. Die 1441 von Michelozzo errichtete Bibliothek gilt als die älteste öffentliche Bibliothek der Welt. Wer ein Faible für alte Bücher hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Ein Exemplar soll übrigens von Fra Angelico stammen – der Dominikanermönch war als Illuminator (Buchmaler) ausgebildet.

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Armonia – Beim Friseur

Armonia

In Florenz (12)

Zwischendurch mal ein bisschen Tratsch und Klatsch. Außerhalb der Kunst und Ess- wie Trinkkultur sozusagen. Der beste Ort zum Plaudern ist ja bekanntlich der Frisör – und genau da sind wir jetzt, in der Armonia Academy. Ein stylisher Laden, in dem es ums Haareschneiden und Schönsein geht. Die Tochter hatte den Besuch dort der Mutter zum Geburtstag geschenkt, weil sie den Maestro an der Schere kannte. Sal Giaquinta ist sein Name, und er ist, was die Locken anbelangt, ein echter Konkurrent für das Lockengirl. Zusätzlich trägt er aber einen graumelierten Bart, so dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist.

Wir tapern also zur verabredeten Zeit zu unserem Blind Date – Claudia hatte einen anderen Termin und meinte, wir würden das schon alleine schaffen. Da Sal glücklicherweise englisch spricht, klappte das tatsächlich, und die Hauptkommunikation läuft bei Star-Friseuren wie ihm ja sowieso über die Körpersprache. Mann, was können diese Italiener gucken!

Aber es ging ja um eine Frisur. Während die Hände des Maestros durchs Haar der Meinen wuscheln, gibt’s für uns ein wenig Nachhilfe in Sachen Styling. Man merkt, dass Sal eine Academy hat – hier lernen andere Friseure aus Florenz ihr Handwerk: Der Mann kann gut erzählen und erklären. Klingt alles vernünftig, aber: einige Haare und Locken müssen ab! Zu lang, zu schwer und dadurch manchmal unwillig zum Locken. Haare ab? Sylke guckt etwas erschrocken – wird aber sofort besänftigt: “You have beautiful hair!” (schmelz) und “it will look perfect!” (schmelzhochzwei) und der Verweis auf seine eigene Haarpracht: Die seine vor einem Jahr auch ganz kurz geschnitten und jetzt? Jaa, schöön!

Wir haben nun nur ein Problem: Wird Sal wieder einen freien Termin haben, wenn wir das nächste Mal in Florenz sind? Denn andere als diese Hände kommen doch nicht an Curly heran!

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Vierter Spaziergang – Wichtiges im Vorübergehen

Santa Croce

In Florenz (11)

Ein Kurzreise-Städtebesuch ist ja immer eine Aneinanderreihung von Kompomissen – und so sind wir mindestens fünf Mal an Santa Croce vorbei gekommen – aber hinein haben wir es nie geschafft. Das ist nun aber wirklich schade, denn Santa Croce ist die größte und eine der bedeutendsten Franziskanerkirchen Italiens. Die Grabmäler von Galileo Galilei, Michelangelo, Macchiavelli und anderen sind hier zu finden, und am Bau beteiligt war alles, was Rang und Namen hat (Entwurf von Arnolfo di Cambio, der auch der Dom-Architekt war, Brunelleschi entwarf eine Kapelle, Fresken u.a. von Giotto).

Santa Croce
Santa Croce

Von vorne ist Santa Croce prächtig, an den Seiten – wir kennen das von anderen Kirchen in Florenz – eher im schlichten Braunton gehalten. Bei den Luftaufnahmen vom gegenüberliegenden Ufer und von der Kuppel des Domes bekommt man einen guten Eindruck davon. Santa Croce gehört zu den “groß­ar­tigs­ten Raum­schöp­fun­gen der go­ti­schen Ar­chi­tek­tur Eu­ro­pas”, sagen die Fachschreiber von archINFORM - und die sollten es ja wissen. Ein Fall für den zweiten Besuch! Dann geht’s auch in das Kloster nebenan, in dem etliche der Schätze lagern – und abends auf den Platz vor der Kirche, auf dem dann das nicht so christlich geprägte Leben pulsiert.

Synagoge und Santa Croce
Synagoge und Santa Croce

Sant`Ambrogio ist ein noch sehr typisches Viertel von Florenz. Wir hatten eigentlich den Markt sehen wollen, der neben dem Mercato Centrale in San Lorenzo als besonders sehenswert gilt. Der Markt öffnet um sieben Uhr und schließt um zwei – da waren wir, nach dem Kunst-Spaziergang mit Vasarikorridor und Verschnaufpause in der Lieblingsvinothek, schlicht ein bissel spät dran, so kurz nach eins. Es gab also nichts Spannendes mehr im Markt (Vormerkung für den nächsten Besuch: Dort anfangen!), so dass wir uns gezwungen sahen, eine Trattoria zu suchen. Wir fanden dann ja auch eine ganz nette

Synagoge
Synagoge

Auf dem Rückweg besuchten wir kurz die Synagoge. Sie stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und mischt orientalische Elemente mit italienischer Tradition. Was uns verwunderte: Die Synagoge ist nur am Shabbat geöffnet und kann dann – außerhalb der Gottesdienste – nur mit einer Tour besichtigt werden, die vom Museum im ersten Stock der Synagoge organisiert wird. (In Prag war’s gerade umgekehrt: Da konnte man die Synagogen an allen Tagen außer dem Shabbat besichtigen – aber egal).

Synagoge
Synagoge

Man steht also draußen vorm Zaun und sieht hinein – und wenn nicht zufällig jemand mit dem Auto das Grundstück verlassen will, wozu das Tor natürlich geöffnet werden muss, gibt es zusätzlich zu den Streifen aus Travertin und Granit an der Synagoge noch die vom schmiedeeisernen Gitter des Zauns. Die Farbe der Streifen soll übrigens früher deutlich stärker gewesen sein – wobei der Pastellton eigentlich so schlecht auch nicht aussieht!

Note di Vino
Note di Vino

Den Abschluss des Spaziergangs bildete noch ein Abstecher in eine Weinbar (so wie am Anfang, wir haben das mal verschwiegen, auch eine stand, die schon separat beschrieben wurde: All’antico Vinaio). Das Note di Vino liegt nahe an der Piazza Santa Croce und dehnt sich, das kennt man ja schon, auf die Straße aus. Innen geht es gediegen zu – kleine Holztische mit Holzbänken vor Regalen mit Wein und Olivenöl geben ein stimmungsvolles Bild ab. Es gibt eine kleine, aber sehr feine Auswahl von Leckereien: Käse, Würste, Schinken. Die Weinauswahl ist groß und gut – wobei die Preise die Qualität durchaus reflektieren. Wir wollten nur ein Gläschen trinken, weil am Abend noch ein richtiges Restaurant auf dem Plan stand – bekamen aber ungefragt (und ohne Berechnung) einen Teller mit diversem Naschkram aus der Theke: Es war kurz vor Ladenschluss, und bevor man es wegwirft…

(Borgo dei Greci, 4/6r (Piazza Santa Croce) | 50122 Firenze | Tel. 055 218 750 | http://www.notedivino.it)

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Trattoria il Giova

Trattoria Il Giova

In Florenz (10)

Im Dunstkreis des Marktes von San’Ambrogio, der eine Perle unter den Märkten der Stadt sein soll (und es wohl auch ist, wenn man nicht – wie wir – kurz vor der Schließzeit um 14 Uhr kommt), gibt es natürlich kleine Gaststätten mit gutem Angebot. Eine davon ist die Trattoria il Giova. Man erkennt sie hauptsächlich an der Menschentraube vor der Tür: Das sind die Spontanbesucher, die nicht reserviert haben. Groß ist es drinnen nämlich nicht, gefühlte acht oder zehn Vierertische, natürlich eng an eng gestellt. Unreservierte wie wir gehen halt rein, melden sich an und gehen dann wieder vor die Tür. Schade, dass wir keine Raucher sind, das ginge da nämlich…

Trattoria il Giova
Trattoria il Giova

Erstaunlich schnell werden wir dann reingebeten – die zehn Minuten Wartezeit haben sich aber mehr als gelohnt. Die Karte ist übersichtlich, handgeschrieben für den Tag – und sie liest sich gut. Innen ist es (wie gesagt:) eng und rustikal: Papierdecken auf Kacheltischen, pro Gast ein farbiges Glas für Wein und Wasser – aber was soll ich sagen: es hat nicht gestört! An den Wänden hängen lustige Comics von Schweinen und Kühen, die per Sprechblase mit dem Gast reden. Sehr humorvoll!

Das Essen war von der Sorte “einfach und ehrlich”. Das Risotto Gorgonzola e Pere (Birne) hatte exakt die gewünchte Cremigkeit und den rechten Biss, um Vergnügen zu bereiten – außerdem ist das eine Kombination, die man sich zum Nachmachen mal merken sollte! Die Pesto di cavolo nero e Pancetta croccante waren als Vorspeise gedacht, reichten aber durchaus als kleines Hauptgericht – vor allem, wenn man noch an ein Dessert danach dachte! Roast Beef, Patate Arrosto e Cavolini di Bruxelles war kaltes Rastbeef, schön rosa gebraten, mit Bratkartoffeln und Rosenkohl – das hätte ich in der Toskana nicht erwartet und war freudig überrascht, wie gut das schmeckte. Zum zuvor angedachten Dessert gab es dann unter anderem Erdbeeren mit Schlagsahne – egal wie unvernünftig das im Januar auch sein mag: Es schmeckte und machte Lust auf Sommer!

Trattoria il Giova
Borgo la croce, 73/r
50122 Florenz

Tel. 055.2480639
http://www.ilgiova.com

Geöffnet
12-15 Uhr und 19.30-23 Uhr
Sonnabends 12-30-14.30 Uhr und 19.30-23 Uhr
Sonntags geschlossen
Reservierung empfohlen

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All’antico Vinaio

All'antico Vinaio

In Florenz (9)

Nicht weit vom Piazza della Signorina entdeckten wir eine kleine, aber feine Weingaststätte: All’antico Vinaio. Der Laden ist sehr klein – aber hat einen Weg gefunden, dass die vielen Gäste (einheimische Stammgäste und Touristen gleichermaßen) dennoch Platz finden: Er vergrößert sich auf die Straße. Dort stehen, praktischerweise, auch schon mal einige Flaschen und etliche Gläser. Selbstbedienung und, wie man hierzulande sagen würde, Kasse des Vertrauens: Man geht hinterher rein und zahlt.

All antico Vinaio
All antico Vinaio

Drinnen wirbelt ein Mensch hinter der Theke und davor ist es meist proppevoll mit dem üblichen Geschnatter. Bei unserem zweiten Besuch waren es Schwaben, die sich dort wie zu Hause fühlten und – ganz entgegen dem ihnen nachgesagten Naturell – auch nicht geizten, sondern munter noch ein Glas oder noch eine Kleinigkeit verlangten. Die Weinauswahl ist überschaubar, aber ausreichend – etwa ein Dutzend weiße und rote Köstlichkeiten. Wenn man sich unsicher ist, gibt es freundliche Beratung – aber wer ist sich schon unsicher? Allenfalls, was die Reihenfolge anbelangt…

In der Theke liegen jede Menge Häppchen, um dem Wein auch eine entsprechende Grundlage zu liefern. Die Qualität soll super sein (wir haben’s nicht probiert, weil es nur Zwischenstation auf dem Weg zu Opulenterem war ;-) , und wenn man den Berichten Glauben schenken darf, dann sollte man gucken, ob es porchetta gibt – eine Spezialität des Hauses, die offensichtlich aus der zum Hause gehörenden Rosticceria gegenüber gehört!

Die Preise sind manierlich, die Stimmung locker und freundlich: Könnte meine Stammvinothek werden!

All antico Vinaio
Via de’ Neri 65
Santa Croce
Florence, 50122
Tel. 055 238 2723
sonntags geschlossen

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