Unser erster Sekt nach dem VDP-Sektstatut

Podcast "Auf ein Glas", Episode 56 – mit Melanie Stumpf (mélie-mélo) und Martin Schmitt (Schmitt's Kinder)

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Melanie Stumpf ist eine passionierte Frankenwein-Kennerin und eine noch ambitioniertere Weinmarketingerin (falls es das Wort nicht geben sollte: bitte aufnehmen in die Liste. Betonung auf ting, übrigens). Denn obwohl sie auf einem Weingut groß geworden ist, hat es sie zum Studium nach Münster verschlagen. Und da hat man’s ja mehr so mit Bier, manchmal sogar mit handwerklich richtig gutem. Nach Stationen im VDP (als Sprecherin, da habe ich sie kennen gelernt) und bei der Agentur Medienagenten war sie eine Zeit auf dem elterlichen Weingut – und nun, wieder etwas später, treffen wir sie wieder. Dafür gab’s einen Grund, denn im Dezember flatterte Post in das E-Mail-Postfach: „Mit Freunden und für Freunde Weine kreieren, das ist es was ich tun möchte. Handwerklich produziert, mit Liebe gemacht“, stand da – und dass es den ersten Wein gäbe, der mélie-mélo heißt und bei Martin Schmitt vom VDP-Weingut Schmitt’s Kinder entstanden sei. Wir verabredeten uns schon im Dezember und trafen uns jetzt: im Weingut Schmitt’s Kinder mit Melanie und Martin. Dort erfuhren wir mehr über die Zusammenarbeit und probierten neben dem mélie-mélo 2020 auch den neuen Jahrgang (der noch im Fass liegt) sowie Sekt (Premiere: der erste nach dem VDP-Sektstatut) und Weine von Schmitt’s Kinder.

Das mit dem VDP-Sektstatut fanden wir so aufregend wie den Sekt, den wir tranken: Ein 2017er Jahrgang, in dem zu 2/3 (weiß gekelterter) Spätburgunder und zu 1/3 Weißburgunder steckt. Die Grundweine lagen über ein Jahr in älteren Barriques sowie ein Jahr auf der Hefe – dann wurden sie versektet und nach rund 30 Monaten degorgiert. Damit übertrifft Martin Schmitt die Anforderungen des VDP, denn demnach müssen Jahrgangssekte mindestens 24 Monate auf der Hefe liegen(dann sind sie ein VDP.SEKT). Die höhere Qualitätsstufe heißt VDP.SEKT.PRESTIGE® – dafür ist vor allem eine längere Hefelagerzeit nötig, und die VDP-interne Sektprüfung wird nicht von einer regionalen, sondern einer nationalen Fachkommission durchgeführt. Das klingt durchaus ein wenig wie die strengen Anforderungen in der Champagner an die dortigen Blubber – was sicherlich kein Zufall ist. Wir geraten beim Probieren jedenfalls unverhohlen ins Schwärmen…

WeineWährend des Gesprächs probierten wir:

  • 2017 Pinot Sekt brut
  • 2020 mélie-mélo (Melie und Freunde/Melanie Stumpf, Martin Schmitt)
  • 2121 mélie-mélo Fassprobe (Melie und Freunde/Melanie Stumpf, Martin Schmitt)
  • 2019 Randersacker Silvaner „Große Reserve“
  • 2019 Randersacker Sonnenstuhl Spätburgunder „Tradition“

Hierüber sprachen wir:

  • 01:21 Schmitt’s Kinder, VDP-Weingut
  • 01:40 Arbeitsbeginn
  • 02:17 im Glas: Pinot Sekt brut
  • 02:26 Premiere heute: erster VDP-Sekt von Schmitt’s Kinder nach dem neuen Sekt-Statut des VDP
  • 02:56 das ist Sekt vom Jahrgang 2017: Pinot mit 2/3 Spätburgunder und 1/3 Weißburgunder
  • 03:04 Grundwein über ein Jahr in älteren Barriques, ein Jahr auf der Hefe – dann versektet und nach rund 30 Monaten degorgiert
  • 03:16 Stufe drüber wäre Sekt Prestige: Jahrgangssekt mit mindestens 36 Monaten auf der Flasche
  • 03:39 individuell versektet bei der Sektkellerei Höfer in Würzburg (Würzburg ist nur 5 km von Randersacker entfernt)
  • 04:16 Steillagen mit 60-65% Steigung
  • 04:46 gelbe Färbung des Weinlaubs: ist es zu trocken? Es ist Trockenstress und Chlorose
  • 05:01 Muschelkalkboden fördert Chlorose – aber das ist nicht schlimm…
  • 05:31 der Hang zum Blubbern ist zu spüren, sagt Melanie
  • 05:40 Martin: der Vater hat immer einen Scheurebe-Sekt gemacht – sehr interessant. „Wir haben nur leider zu wenig Scheurebe“ (der Weinberg ist gerodet worden)
  • 05:53 im Zuge des Klimawandels hat sich einiges verändert
  • 07:26 Sekt ist insgesamt im Kommen, und das wird mit dem VDP-Sekt unterstützt. Mathieu Kauffmann bringt den Sekt voran in D (…und hat in DD in der WZ gerade seine neuen Sekte vorgestellt)
  • 07:55 ich trage ein Weinzentrale-T-Shirt
  • 08:43 Melanie meint: das T-Shirt ist ausgewaschen, zu oft getragen … ich brauche was Neues, lieber Jens Pietzonka!
  • 10:02 was ist das Besondere am VDP-Sekt-Statut? Lagerzeit ist vorgeschrieben / der Grundwein muss bestimmte Anforderungen erfüllen
  • 10:41 Umdenken ist erforderlich – nicht mehr einfach die Weine mit geringem Alkohol nehmen, sondern gezielt drauf hin arbeiten (ein Sekt-Grundwein schmeckt nicht unbedingt gut)
  • 11:10 ein Paradebeispiel, wie der VDP funktioniert und wie er Wissen fördert
  • 11:46 der Sekt hier ist Jahrgang 2017 – da haben wir Glück gehabt, dass wir vor vier/fünf Jahren angefangen haben, in diese Richtung zu arbeiten
  • 12:51 weil die Anforderungen andere sind, kann man nicht einfach Lagen 1:1 übertragen: was für den Wein eine große Lage ist, muss es nicht für den Sekt sein
  • 13:12 Melanie hat das Gefühl, dass die Winzerschaft sich zunehmend – auch trinkend – mit dem Thema Champagner beschäftigt hat. Martin: das ist die neue Generation, wir waren weltweit unterwegs und haben dort gearbeitet: wir kennen die Weinwelt
  • 13:38 …und wenn Du Champagner kennst, dan willst du es auch so machen. Oder sogar besser. Und vielleicht noch fränkisch.
  • 14:46 Prestige-Sekte von Burghardt und Schür: das war wie eine kleine Offenbarung
  • 16:02 man denkt immer, Silvaner ist ne einfache Rebsorte – aber eigentlich ist sie sehr anspruchsvoll mit engem Lesefenster
  • 16:22 man kann tolle Silvaner-Sekte machen, aber nicht beim Muschelkalk-Boden

Melanie Stumpf

  • 17:24 im Glas: 2020 mélie-mélo – Melanies Wein
  • 17:54 es war die Idee eines Grillabends. Ein Wein aus dem Maintal
  • 18:16 ich brauchte einen Partner in Wine (sie und Martin kennen sich seit der gemeinsamen Schulzeit)
  • 18:58 ein Wein, der repräsentativ für das Tal ist, in dem wir aufgewachsen sind: das Maintal von Würzburg bis zur Maindreieckspitze
  • 19:25 der fränkische Idealschoppen: Silvaner als Basis und ein Cuvéepartner
  • 19:44 nun kommt die Grafikerin ins Spiel…
  • 20:16 bei der Kapsel landete man bei einem Blau (bei der Anlieferung war der Martin, nun ja: irritiert…)
  • 20:55 Ziel in der Ausstattung war was super-chices
  • 21:09 Bei mélie-mélo ist vorne ein wenig Melanie ins französische meli-melo (Sammelsurium, Mix) geschmuggelt
  • 21:35 Martin: man sieht dier Handschrift vom Weingut Schmitt’s Kinder, aber von Cuvée, Ausrichtung,Trinkfluss, Aromatik etc her spürt man Melanies Ideen
  • 22:21 das Cuvertieren war konzentriertes Trinken
  • 23:04 vorab-Premiere des neuen Jahrgangs: 21 mélie-mélo im Tank fertig cuvetiert – ist zu 90% fertig
  • 23:28 der Wein ist lange auf der Hefe (gewisse Cremigkeit ist gewollt) – 21er lag im großen Holzfass
  • 24:01 Materialbeschaffung ist not so easy dieses Jahr…
  • 25:32 vom Duft und vom Geschmack her bin ich echt glücklich, dass da melie-melo drauf steht
  • 26:10 das ist unsere Basis, unsere Heimat! Es ist nicht easy drinking, denn es sind Trauben aus der Ersten Lage mit drin – das hat schon Anspruch
  • 28:03 wenn du frisch cuvetierst, hast du das Gefühl, die einzelnen Komponenten stehen neben sich

Martin Schmitt

  • 28:38 Schmitt’s Kinder: 14 ha machen sie insgesamt, alles Hang- und Steillagen
  • 29:15 vier Lagen, obendrauf die Qualitätsstufen plus Ausbauarten (Maischegärung, Holzfass, Edelstahl)
  • 30:36 der Jahrgang 2021 war ein Glück und eine Katastrophe: Probleme mit Peronospora (falscher Mehltau) – und das im Öko-Umstellungsjahr
  • 31:12 Durchschnittsertrag im Weingut: 53 bis 55 hl/ha (ein VDP-GG darf 50 hl/ha haben) – letztes Jahr die Hälfte gehabt
  • 31:52 der jetzige Jahrgang 2022 sieht bislang sehr gut aus, wenn auch trocken (ich bin kein Freund vom Bewässern)
  • 33:27 die Rebe ist eine trockentolerante Pflanze
  • 35:29 Riesling ist wichtig für Franken
  • 37:12 15% Rotweinrebfläche im Betrieb (Klingenberger als Synonym für Spätburgunder)
  • 40:31 Melanie: ich bin großer Franken-Praiser
  • 42:49 gibt es was cooleres, als unterschiedliche Silvaner zu probieren? Den Main mit den unterschiedlichen Terroirs entlang…
  • 43:32 im Glas jetzt: Silvaner high end – wie gewünscht: was Verrücktes und was Gutes
  • 43:43 natürlich gibt’s die VDP-Pyramide… ABER: es gibt Rebstöcke, die noch mehr herausragen
  • 44:11 im Glas das Ergebnis: 2019 Silvaner Große Reserve – kein GG, keine Erste Lage (es ist nicht fassbar, daher haben sie ihn zu den Ortsweinen gesteckt)
  • 44:28 Trauben stammen aus einer Ersten Lage, aus dem ältesten Silvanerweinberg – von den ältesten Rebstöcken die besten Trauben, teils Beeren
  • 44:44 spontan vergoren und im Keller ein Jahr mehr Zeit bekommen
  • 45:03 Vergleich: GG ist eher so die klassische Musik, und die Große Reserve ist der Punkrocker
  • 45:34 im Vergleich spielst Du da auf höchstem Niveau – und das kann der Silvaner eben auch!
  • 47:05 Entwicklung – die ersten vier Jahre: Frucht, dann 2-3 Jahre kleine Pause. Aber als gereifter Wein wird er wieder loslegen, Richtung Tannennadel/würziger Honig und mehr
  • 47:55 das ist ein Typ von Silvaner, den hätte es vor zehn oder fünf Jahren noch nicht gegeben

Selfie@work

  • 49:50 im Glas der 2019 Spätburgunder Tradition, Sonnenstuhl, Erste Lage
  • 51:11 Wenn man Rotwein macht, dann soll’s ein gescheiter Rotwein sein
  • 51:33 …da braucht’s doch keine Domina, wenn Spätburgunder so gut geht?!!
  • 52:12 das Tolle an der Domina? Tannin und Farbe! Aber der Name…
  • 54:01 was auch zählt: die Sonnenschein-Stunden. Es wird zwar wärmer, aber die Zahl der Sonnenscheinstunden bleibt – daher sind wir mit dem klassischen Portfolio gut aufgestellt
  • 54:48 spielen PIWIs eine Rolle? Als Naturland-Betrieb spielen sie eine Rolle: weniger spritzen!
  • 55:09 sie haben kein Renommee. Die 3. Generation ist von der Aromatik feiner – für Gutswein Cuvée denkbar
  • 55:39 Erste Lage und darüber: klassische Rebsorten
  • 56:01 Martin ist 10. Generation, Stammhaus im Ort wurde 1710-12 gebaut
  • 56:25 wir arbeiten immer noch auf den gleichen Weinbergen – ein Beweis der Nachhaltigkeit, dass alles intakt bleibt
  • 57:07 die Kleinteiligkeit der Weinberge nochmal erklärt (Napoleon ist Schuld, na klar) – und Bezeichnungen wie Tücher, Lumpen
  • 58:14 Weinberg oder Keller? (am liebsten alles, aber im Keller macht er es allein)
  • 58:55 wir haben sehr gute Leute (Weinbautechniker schon sehr lange im Betrieb)
  • 59:23 Arbeitsende!

Melie + Friends
Melanie Stumpf-Kröger
melieandfriends.de

Schmitt’s Kinder
Am Sonnenstuhl 45
97236 Randersacker am Main

Tel. +49 931 / 70 59 197
schmitts-kinder.de

Auf ein Glas – der Podcast der STIPvisiten. Gespräche beim Wein. Über Wein. Über Essen. Und übers Leben, natürlich.

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