Weinguides 2024: Gault&Millau

Gault&Millau Titel

Der Gault&Millau Weinguide 2024 bewertet auf 704 Seiten 6.000 Weine von 650 Weingütern. Dabei schneiden die beiden ostdeutschen Weinbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen zahlenmäßig recht mau ab – was man aber nicht dem Verlag oder den Testern vorwerfen kann: es sind die Winzer:innen, die ihre Weine nicht anstellen. Ob sie den Aufwand scheuen oder den Vergleich mit anderen innerhalb und außerhalb der Region, ob sie das Geld für die Anstellgebühren nicht haben, die der Gault&Millau (wie alle außer VINUM) verlangt?

Zurück zum Buch, zu dem auch eine App gehört. Im Buch befindet sich ein Rubbelfeld mit verdecktem Code, der dann die Online-Inhalte freigibt. Diese App ist insofern wichtig, als dass das im Mission Statement (Seite 22 des Buches) versprochene Statement 6 nur so einzulösen ist: „Gault&Millau beschreibt die Weine sachlich und durchaus auch in einer emotionalen Sprache, die Neugierde weckt und verständlich ist„, lese ich da und finde im Buch lediglich die Aufzählung der Etikett-Angaben mit einer GM-typischen Bewertung – wobei GM-typisch ist, dass man sich hier für ein 5-Trauben-System in zwei Farben entschieden hat: vergeben werden zwischen einer (steht für empfehlenswert) und fünf (Weltspitze) Trauben; sind die rot gedruckt, bedeutet das herausragend in seiner Kategorie. Da kann man sich zwar dran gewöhnen, aber was das bringen soll, wo doch alle anderen sich in der 100-Punkte-Skala bewegen?

Also lesen wir, beispielsweise, bei Schloss Wackerbarth: 2021 Radebeuler Paradies Riesling Eiswein. 200 €, 9% (alc) und finden, immerhin, vier schwarze Trauben: nationale Spitze! Sehr sehr sachlich. In der App suchen und finden wir in der Tat mehr, zum Beispiel diese Beschreibung: „Bleistift-Spitze, Pumpernickel, Dill im außergewöhnlichen Bukett. Eine andere Aromenwelt und umso spannender dadurch.“ Nun ja, tägliche Erfahrungswelt Bleistift-Spitze. Immer noch besser als die mir unvergessliche Beschreibung eines Kollegen einer Probe des für die Region angeblich so wichtigen Goldriesling mit „Mittelstrahlaroma“…

Ziemlich beste Riesling!Zwei Kategorien im Gault&Millau bedürfen der besonderen Erwähnung. Beide sind im Buch unabhängig von (und auch vor) den Gebietsbeschreibungen zu finden. Die eine Kategorie heißt „Die besten Weine“. Sie präsentiert „Weine, die kaum besser sein könnten“. In den Kategorien Weiß (dort dann nach Rebsorten getrennt und beim Riesling noch in den Abstufungen trocken, Kabinett – fast alles Mosel! – und edelsüß), Rot (wieder Rebsorten) und Schaumwein gibt es gebietsübergreifend Anregungen. Weine aus dem Osten: Fehlanzeige.

Eine zweite Kategorie nennt sich Fill the Fridge, mit Weinen bis 15 € und Sekten bis 20 €. Die Kategorien sind im Prinzip die der sehr guten Weine/Sekte – und auch hier gilt: deutscher Osten: zero points. Speziell beim Sekt könnte man da ins Grübeln kommen, und wenn schon die Franken so überproportional von der Kategorie Silvaner profitieren – könnte man nicht eine Kategorie Goldriesling einführen, um es denen im Westen mal so richtig zu zeigen 😉 ?

Der ausgezeichnete SchuhNein, Scherz. Außerdem haben wir ja Matthias Schuh, der seine Weine zwar nicht angestellt hat, aber dennoch mit einer ganzen Seite im Buch vertreten ist: als einer von zehn Winzerinnen und Winzern, die als Next Generation vorgestellt werden. Schuh gehört zu den (wenigen) Visionären des Gebiets und nutzt die Chance, nach außen hin auf den Geheimtipp Sachsen hinzuweisen („das Anbaugebiet hat enorm viel Charme, viele steile Parzellen und restaurierte Trockenmauern“), aber nach innen durchaus ein wenig an die Überwindung der Trägheit vieler Kolleg:innen zu appelieren: „Ich denke, es gibt hier viel ungenutztes Potenzial. … Hier schlummert viel, was man angehen kann.“

Gault&Millau Weinguide 2024
704 Seiten, 15 x 4.2 x 22.6 cm
ISBN 978-3-7459-2041-3
HENRIS Edition | 45,00 €

[Grundsätzliches zum Gault&Millau auch im Vorjahresbericht | Alle Rezensionen der Weinguides 2024] .

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