So viel Entspannung und Erholung wie möglich

Podcast "Auf ein Glas", Folge 165: Ingo Theiner, Bergerhof und theiner's garten

Podcast mit Ingo Theiner

Als vor einiger Zeit die Anfrage kam, ob ich Interesse an einem Podcast mit Ingo Theiner hätte, musste ich stutzen: der Mann ist Chef eines demeter-zertifizierten Hotels  (theiner’s garten das biorefugium), er baut auf dem benachbarten Bergerhof elf Hektar Obst an (bis auf einen Hektar alles Äpfel, Südtirol halt) – ob das was für einen doch sehr weinlastigen Podcast ist? Andererseits: es heißt ja „Auf ein Glas“ – und da kann ja durchaus auch was aus Äpfeln drin sein! Außerdem ist Ingo Theiner Sommelier, Wein spielt im Hotel eine große Rolle. Also fuhr ich im Oktober nach Südtirol – und es war spannender als erwartet.

Podcast Ingo TheinerSüdtirol ist bekannt für seinen Apfelanbau. Der reichhaltige Schwemmlandboden und die ordentliche Wasserversorgung der Region schaffen ideale Bedingungen. „Der Apfel braucht viel Wasser, hat oberflächliche Wurzeln“, lerne ich von Ingo Theiner und verstehe, warum der Wein dann an den Bergen des Tals wächst: der mag es gerne karg, die Wurzeln suchen sich ihren Weg (darüber redete ich dann mit zwei Winzern, Anton Longo vom Weingut Baron Longo und Michael Sinn vom Weingut Quirinus).

Die Familie Theiner ist seit den 50er Jahren im Apfelanbau tätig, der Übergang zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft begann 1980 mit der 2. Generation (dem Vater von Ingo Theiner). Seit 1984 ist der Bergerhof Demeter-zertifiziert und war damit damals Pionier. Im Gespräch geht es natürlich auch um die Ideen, die hinter der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise stecken. Was die Familie zum Bau eines Hotels bewog und warum das auch ganz im Geist der Demeter arbeitet, verrät Ingo Theiner im zweiten Teil des Podcasts. Und zum Wein kommen wir, nachdem wir eine Apfelsaft-Cuvée probierten, auch noch…

Der rote Faden unseres Gesprächs

  • [00:30] Theiner Ingo: Äpfel und Hotel
    wie alles anfing
    mein Vater ist mein Idol – und die Traktoren taten es ihm auch an…
    die Rebe ist Tiefwurzler und hat nicht gerne nasse Füße
    der Apfel hingegen braucht viel Wasser!
    der Opa hatte in den 50er Jahren den Hof erworben
    damals noch mit hochstämmigen Bäumen, auch nur der halbe Hof bepflanzt
    es kam eine Drainage zum Entwässern – seitdem ist der Hof komplett bepflanzt
    Vater hat den Hof 1980 übernommen und auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt
    seit 1984 Demeter-zertifiziert
    seit 2003 führt Ingo Theiner es weiter
    früher waren Apfelbäume ja noch richtige Bäume, jetzt sind sie geschrumpft: sind es noch alte Sorten?
    Ingo Theiner iBergerhofder Anbau hat sich geändert!
    vom Sämling bis zur ersten Ernte hat es früher 15 Jahre gedauert. Jetzt bekommt man Bäume von der Baumschule und kann drei Jahre später ernten
    die Sorten haben sich gewandelt. Auch weil der Geschmack sich gewandelt hat
    …in Richtung süß?
    Europa teilt sich: im Süden eher süß und mehlig, im Norden eher säuerlich und knackig
    wie groß ist der Apfelbetrieb?
    am Stammhof Eigenbesitz 7 ha, davon 6 ha Apfelanbau
    im Nachbarort 4 ha in Pacht (nur Apfel)
    ist das allgemein so?
    Südtirol ist klein strukturiert von den Flächen
    mit den elf Helktar gehören sie schon zu den Größeren
    im Schnitt haben die Obstbauern hier 3 bis 3,5 ha etwa, beim Weinbau noch weniger (1,5 bis 2 ha)
    ist das arbeitsintensiv?
    ja! Aber es hat sich gewandelt, auch im Bio-Bereich (der noch arbeitsintensiver ist)
    seit zehn, 15 Jahren hat sich im Maschinenbereich viel getan
    und warum bio und das sogar dynamisch?
    Vater wollte eigentlich Rechtsanwalt werden
    aber dessen Vater wollte lieber Ahnenforschung betreiben und übergab den Hof früh. Der Bub übernahm, probeweise für ein Jahr…
    aber er merkte: so, wie es bisher gemacht wurde – konventionell – ging’s nicht
    …und da machte er sich auf den Weg, fand ein Buch über den Denkansatz von Rudolf Steiner
    in Deutschland traf er Demeter-Bauern aus der Landwirtschaft und fand das gut, hat’s umgesetzt auf Obstbau
    die Nachbarn waren neugierig, und als sie bei einem Treff auf dem Bergerhof die Läuse an den Blättern sahen, meinten sie: das war’s dann wohl…
    doch drei Wochen später gab’s keine Rote Spinne mehr, dafür aber Kugelkäfer: die haben sich gut ernähren können…
    großes Staunen, aber einfache Erklärung: die Spritzmittel damals töteten auch die Nützlinge!
  • [13:23] wie läuft das eigentlich mit den Präparaten?
    die Präparate verwenden wir, um dem Boden und/oder dem Laub Informationen zu geben
    wie ist das mit den „Informationen“?
    es tauschen sich Wurzelsysteme aus…
    was wird da ausgetauscht? Wie können Präparate helfen? Und wie merkt der Landwirt, dass das klappt?
    ein komplexes Thema!
    der Boden ist sehr komplex, eine Welt mit viel Leben (
    in einer Handvoll Erde leben 7 Milliarden Lebewesen
    kleine Störfaktoren können das System auseinanderbringen
    da laufen riesige Prozesse ab im Boden
    wenn man Kompost macht…
    wir haben ja nicht nur das Obst, sondern auch Gräser, Leguminosen
    die Präparate helfen
    zum Beispiel der Hornmist – die Sache mit dem Kuhhorn
    aus Mist wird in einem halben Jahr ein hochwertiges Profukt
    wir verwenden das, indem wir es dynamisieren
    muss man daran glauben oder funktioniert es auch ohne das?
    es funktioniert trotzdem!
    es ist noch schwierig, wissenschaftlich alles nachzuweisen!
    Nahrungsmittel oder Lebensmittel? Konventionelle Tomate unterm Mikroskop mit „keiner schönen Harmonie“, Demeter-Tomate mit „schöner Harmonie“ in der Struktur
    wir versuchen, Lebensmittel zu produzieren, keine Nahrungsmittel!
  • [22:05] wir probieren…
    am Ende zählt immer der Geschmack!
    im Saft: eine Cuvée – fünf Sorten in diesem Jahr
    der Ursprung des Apfels ist in Kasachstan – da gibt es einen Apfelwald mit ca 5.000 verschiedenen Sorten
    die Rotfleischigen sind meist sauer, also werden sie gekreuzt mit anderen zur Gesachmacksverbesserung
    die Saftpresse steht bei einem Freund
    der macht den Saft tatsächlich aus den Äpfeln, die man ihm bringt (was nicht selbstverständlich ist: viele sammeln und pressen dann)
    die Kollegen rundherum sind nicht so bio, oder?
    da muss man das System in Südtirol verstehen: große Genossenschaften, wo die kleinen Obstbauern anliefern
    eine Mischung bio und konventionell ist schwierig – also gibt es reine Bio-Genossenschaften
    natürlich läuft auch bei bio nicht immer alles perfekt
  • [29:05] ein Demeter-Hotel – was bedeutet denn das?
    Hotel hat 57 Zimmer
    alle nach Süden ausgerichtet
    die Idee ist entstanden
    2002/2003 übergaben die Eltern ihre Betriebe den Kindern
    sie wollten sich eigentlich zur Ruhe setzen, die Welt bereisen
    aber ein Arbeitsunfall änderte die Pläne
    im Krankenhaus entstanden die Pläne fürs Hotel
    der Pioniergeist des Vaters, angeregt durch die in Sachen Bio Nichtstuenden rundherum
    Ingo war sofort Feuer und Flamme
    es ging nicht darum, ein *Hotel* zu bauen, es ging darum, ein *Bio-Hotel* zu bauen
    baubiologisch rangegangen, Schwerpunkt Holzbau
    alle Zimmertrakte in Massivholzbau
    in der Hotelbranche hieß es: so wie ihr baut ist es zu teuer, nicht rentabel!
    Holz stammt aus dem Alpenraum
    nicht nur massiv, denn es ist Vollholz – nicht gepresst
    drei Holzarten: Lärche, Zirbe und Fichte
    im Ort ist keine große kulinarische Konkurrenz – könnte man also ins Hotelrestaurant als Walk-In kommen?
    auf Anfrage und wenn Platz ist, geht das.
    die einheimischen Gäste nehmen das Frühstück gut an!
    am Abend gilt: es ist kein a-la-carte-Angebot, es gibt eine Menüauswahl (Hausgäste wählen bereits beim Frühstück aus)
    alle verarbeiteten Lebensmittel sind bio-zertifiziert, ein Großteil Demeter-zertifiziert
    Getränke sind alle bio-zertifiziert
    das Restaurant gönnt sich, obwohl ja fast nur für die Hotelgäste da, einen eigenen Sommelier
    ..und eine relativ große Weinkarte
    es geht um Lebensmittelgenuss („Wir sind Genießer“)
    wir hatten ja Zeit uns vorzubereiten – Ingos Spezialisierung war Bar & Restaurant
    er hat dann eine Sommelier-Ausbildung gemacht
    als Sommelier ist man Weinbotschafter, der die Geschichten zum Wein erzählt
    2009 ist das Hotel eröffnet
    da waren die Bio-Wein-Qualitäten nicht immer da,wo sie heute sind
    deswegen war man stark auf Suche
    wer auf Bio-Wein umgestellt hatte und zur Genossenschaft geliefert hatte, fand die Trauben im konventionellen Wein wieder. Das führte dazu, dass viele freie Weinbauern wurden und selbst abfüllten
    …aber da fehlte dann oft das Keller-Know-How
    doch deren Kinder hatten eine önologische Ausbildung – was zu Qualitätssprüngen führte
    wir kamen zu diesem glücklichen Zeitpunkt, wo auch große Weingüter erfolgreich umgestellt haben (Manicor, Lageder)
    …und es kamen immer mehr Weingüter dazu
    wie groß ist die Karte? Etwa 150 Etiketten, Erzeuger natürlich weniger
    aber es ist spannend, was für Weine
    nach der Sommelier-Ausbildung war der Wunsch nach internationalen Weinen groß (F, D, AU, I)
    aber der Gast hat meist die Südtiroler Weine getrunken!
    seitdem: Konzentration auf Südtirol plus klassische italienische Weine
  • [41:13] wir probieren einen Wein
    St. Quirinus – da wird’s einen eigenen Podcast geben
    2011 (oder 12?) gab’s eine Best of Biowein Südtirol im Hotel
    es gab einen Nachzügler – weil gerade erst zertifiziert: Robert Sinn vom Weingut St. Quirinus
    aber deren erster bio-zertifizierte Wein (eine weiße PiWi-Sorte) kam im Wettbewerb unter die ersten Drei
    theiner's garten Chrelloseitdem angefreundet – und zum Zehnjährigen machte Quirinus den Jubiläums-Hauswein
    im Glas eine rote Cuvée
    Hauswein weiß und rot – Maffei und Chrello
    woher die Namen kommen
    nochmal zum Sommelier
    auf der Karte etliche offene Positionen
    genau: wir wollen auch immer wieder gute Weine offen anbieten
    es ist schade, wenn die Weine im Keller liegen – so kommen sie offen zum Genuss!
    lieber einen guten Tropfen im Glas als eine ganze Flasche vom Günstigen!
    den Genuss möchten wir leben!
    für 2026 geplant, den Wein noch mehr in den Blickpunkt zu stellen
    über Stammkunden und die Begrüßung durch die Inhaber
    die vielen Stammgäste sind aber auch Verdienst der immer herzlichen Mitarbeiter
    insgesamt um die 40 Mitarbeitende
    im Spa kann man sich eine Personality verleihen lassen (aber ich war weder Apfel noch Birne…)
    wir verkaufen eigentlich nicht die klassische Massage, sondern die Zeit
    im Hotel gibt’s weder Fernsehen auf den Zimmern noch WLAN – das ist doch sicher kein Zufall, oder?
    natürlich kein Zufall!
    Elektrosmog reduzieren so gut es geht
    also auch abgeschirmte Kabel verlegt
    den Fernseher gibt es auf Wunsch (auch tageweise, wenn jemand Serienjunkie ist)
    …und Internet geht über LAN-Kabel
    auf keinen Fall den Schlaf mit Elektrosmog belasten!
    was sagen die Gäste? Sind sie entrüstet? Spenden sie Beifall?
    es gibt beides!
    an der Bar gibt’s noch richtige Zeitungen!!!
    unser Ziel ist, dem Gast so viel wie möglich Entspannung und Erholung anzubieten
    Mehraufwand, aber auch Mehrwert für die Gäste (TV rein und raus)

theiner’s garten
das Biorefugium
Andreas Hofer Straße 1
39010 Gargazon bei Meran
Italien
Tel. +39 0473 490880
theinersgarten.it

[Aufgenommen am 28. Oktober 2025 | Alle Beiträge Südtirol]

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Hinweis
die Recherchereise nach Südtirol wurde unterstützt von theiner’s garten das biorefugium

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Auf ein Glas – der Podcast der STIPvisiten. Gespräche beim Wein. Über Wein. Über Essen. Und übers Leben, natürlich.

Alle Folgen unter diesem Link: podcast.stipvisiten.de

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