Fisch ist hier immer ein guter Tipp

La Posada

Im „La Posada“ gibt es mehr als Tapas – aber die natürlich auch

Spanische Restaurants sind hierzulande meist alles andere als wirklich spanisch inspiriert, sie spielen als Tapas-Restaurants oft mit den Wunschvorstellungen der Hiergebliebenen. Ach, wäre doch schon wieder Urlaub! Im Hof der Königstraße 3 spielen gleich zwei Spanier auch mit den Sehnsüchten der Gäste, aber anders als bei vielen anderen kommt man hier wenigstens kulinarisch auf seine Kosten.

Rechts vom Hof liegt eine Tapas-Bar, die wir heute links liegen lassen und ins Restaurant gegenüber gehen: La Posada ist spanisch und heißt „Gasthaus“. Betrieben wird es von keinem Spanier, sondern einem Deutschen: Hartmut Richter war Fotograf, bevor er sich mit dem Spanier einen lang gehegten Wunsch erfüllte. Mittlerweile hat der Autodidakt noch eine Sommelier-Ausbildung gemacht, und spanisch redet er bei Bedarf auch.

Im Restaurant erwarten uns Holzstühle an Holztischen, und spanisch eng ist es auch. Nur so hell wie in guten mediterranen Restaurants ist es nicht: Kerzen und eher indirekte Beleuchtung sind ein Zugeständnis an deutsche Gemütlichkeit. Ansonsten kommt durch behutsam spanisch anmutende Dekoration schon das richtige Feeling auf.

Tapas, die kleinen Appetithäppchen, gibt’s auch im Gasthaus in großer Auswahl, und wer mag, kann sich mit drei oder vier davon das komplette Abendessen zusammenstellen. Sehr pikantes Huhn in Orangensauce sollte dabei sein, die zarten und würzigen Lammspieße vielleicht oder die Datteln im Speckmantel („das in der Mitte ist eine Mandel und kein Kern, die können Sie mitessen!“ klärte die nette Bedienung auf). Und auf jeden Fall dazu gehören natürlich Brot und Aioli, denn die ist hier komplett selbst gemacht und anrüchig köstlich. Oh, sind schon vier? Am besten also mit mehreren Leuten hingehen und reihum mal pickern!

Denn neben den Tapas gibt’s, wir sind hier schließlich in el restaurante, noch eine Karte mit Hauptgängen. Wir haben hier die beste Paella Dresdens gegessen – mit reichlich Fisch und Meeresfrüchten auf safrangelbem Reis, nicht zu feucht und schon gar nicht trocken. Lecker lecker! Fisch ist übrigens, auch wenn er nicht auf der Karte steht, immer ein Geheimtipp: „Hoy extra“, das Tagesangebot, hält meistens zwei, drei Dinge bereit, die der insgesamt sehr zuvorkommende freundliche Service auch gerne am Tisch erklärt. Wir probierten Pulpo galizisch und erhielten ein bewusst schlicht gehaltenes Arrangement nach Art einer Sonnenblume: In der Mitte eine Tomate, umrankt von von fünf kleinen Kartoffeln und (als Blütenblätter) auf den Punkt gegarte, leicht scharf gewürzten Pulpo-Stücke.

Wahrscheinlich einmalig in Dresden ist die Brandy-Sammlung des Wirtes: Dessen private Vorliebe und Sammelleidenschaft kommt den Gästen zugute, denn hier lassen sich auch Raritäten zu durchaus zivilen Preisen finden. Wer einfach bestellt, verpasst die profunde Beratung eines Brandy-Enthusiasten, die es kostenlos obendrauf gibt!

La Posada
Königstraße 3
01097 Dresden

Geöffnet:
Di – So 18 – 24 Uhr
seit Oktober 2011 geschlossen

[Veröffentlicht am 4.3.2010 in PluSZ, der Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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