Der Vasarikorridor

In Florenz (6)

Vasarikorridor

Dass es in Florenz auch mal regnen kann, haben wir selbst erfahren dürfen. Unsereins kann ja nicht viel dagegen tun, so als Gast in der Stadt und sowieso irgendwie nicht so wichtiger Typ. Die Medici hatten da schon einen ganz anderen Stand – und wenn man einen Weg von gut einem Kilometer hat, um von Zuhause zur Arbeitsstätte zu kommen, dann kann das bei bösem Wetter schon ganz schön unwirtlich sein.

Eigentlich hatte Cosimo I. nur an eine exklusive ruhige Verbindung zwischen Regierungspalast und Residenz gedacht – trocken bei Regen, schattig bei Sonne – und immer oberhalb vom Trubel der Stadt. Es ergab sich aber dannnoch eine andere Sache, die ganz angenehm für den Regierenden war: Man konnte von oben unerkannt denen lauschen, die unten unbekümmert schwätzen: Der große Lauschangriff Anno 1565!

Ein Korridor voller GemäldeGebaut hat den Gang Giorgio Vasari, ein Multitalent seiner Zeit: Er war Architekt, Maler, Schreiber (er war Biograf unter anderem von Michelangelo, da Vinci und Raffael) und Kunstkritiker. Den Korridor schuf er (wahrscheinlich mit Hilfe zahlreicher Bauleute, aber von denen liest man ja nie etwas) in nur fünf Monaten. Allerdings war er zuerst nackt – der Korridor. Aber irgendwie konnte das doch nicht alles sein – und so behängte man später (seit dem 17. Jahrhundert) die Wände einfach mit Gemälden, einen Kilometer hin und einen her. Und da hängt nicht irgendwas! Etwa tausend Meisterwerke und Selbstportraits, unter anderem von Dürer, Velasquez und Chagall drängeln sich an den Wänden und machen den Gang über den Fluss zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Blick auf die Ponte VecchiaAn dieser Stelle sollte man vielleicht wissen, dass der Vasarikorridor nicht allgemein zugänglich ist – wir hatten dank bester Beziehungen das Privileg einer Privatführung und genossen dabei nicht nur die fachkundigen Erklärungen, sondern auch die ungewohnten Blicke auf die Stadt. Begonnen haben wir den Spaziergang in den Uffizien. Von dort führt eine Treppe hinab, bei der ein Blick nach oben lohnt, weil es dort schöne Deckengemälde gibt.

Hat man das Korridor-Niveau erreicht, geht es kurz über die Uferstraße des Arno und dann parallel zum Fluss Richtung Brücke. Den Weg kannten wir schon von einer Etage tiefer – da sieht der Korridor nämlich auch recht attraktiv aus mit seinen Bögen. An der Ponte Vecchio kickt der Korridor scharf nach links ab und führt dann über die Brücke. Die war früher, weil das Wasser so schön nahe war, Heimat der Schlachter und Gerber, doch dem Vernehmen nach waren die im Korridor über die Brücke wandelnden Medici nicht amüsiert über die Düfte, die beide Gewerbe dort unten produzierten. Daher gibt es seit 1593 weniger anrüchig und auch für die Tourismusindustrie weitaus förderlicher Goldmacher auf der Brücke. Wofür so ein sensibles Fürstennäschen nicht alles gut ist!

Santa Felicita Am anderen Ufer des Arno erleben wir die nächste Überraschung: Der Korridor führt mitten durch die Kirche Santa Felicita. Na gut, nicht mitten hindurch, sondern schon am Rand entlang: Es gibt eine Loge mit Blick auf den Altar – damit die Höhergestellten unabhängig vom Fußvolk dem Gottesdienst folgen konnten.

Ja, so war das damals.

Buontalentis Grotte …und dann ist auch schon gleich Schluss: Noch zweimal um die Ecke und der andere Eingang bzw. Ausgang ist erreicht, man landet in den Boboli Gärten gleich neben Buontalentis Grotte. Die künstliche Tropfsteinhöhe ist ein wunderbares Beispiel, um den Begriff des Manierismus zu erklären – das geht nämlich entweder nur sehr theoretisch oder mit Händen und Füßen und Anschauungsmaterial wie in dieser Grotte!

[Spaziergang (rot) auf der Karte | Alle Beiträge In Florenz]

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