Ein Fest der Winzer

Das Altkötzschenbrodaer Quartett

Früher, als Altkötzschenbroda noch ein Geheimtipp war, war da weitaus weniger los. Aber im Vergleich zum touristenüberfluteten Striezelmarkt geht es auf dem Anger in Altkötzschenbroda sehr gemütlich zu. Dabei ist das Angebot an Haltestationen unschlagbar gut – und zwar sowohl für diejenigen, die sich Wollmützen kaufen wollen, als auch für diejenigen, die  sich etwas andere Musik und Unterhaltung wünschen (und erst Recht für diejenigen, die gerne guten Glühwein trinken). Das liegt, rein glühweintechnisch gesprochen, an der hohen Winzerdichte von Radebeul. Es ist fast wie auf dem herbstlichen Weinfest, die Stände stehen sogar in vergleichbarer Geometrie: Man findet sich also bestens zurecht.
SchokoladeEs gibt zwei Teile des Marktes: Den rund um den Kirchplatz mit kleinem An- bzw. Ablauf und den entlang des Restangers. Der erstere, beginnend bei Büchners Feinbäckerei Günter Gellermann ist der schönere. Also sollte man erst einmal den anderen ablaufen, denn natürlich gibt’s auch da was zu entdecken – vom barfüßigen Musikus bis zur ehemaligen Weinprinzessin Katharina Fritze, an deren Stand wir mehr als den Glühwein noch die Schokolade empfehlen (wobei wir, zugegebenermaßen, nur geguckt und geschnattert und nicht probiert haben. Die Schokolade, meine ich. Da weiß man nämlich nie so genau, wo man da reinbeißt, nicht wahr!).

IMG 2518Auch der eine oder andere Hof lohnt einen Abstecher – wir gerieten beispielsweise ins Osterzgebirge und fanden mit Frank Weber einen Seiffener Holzschnitzer, der auch durchaus moderneren Formen gegenüber aufgeschlossen ist, ohne die traditionellen Dinge zu vergessen. Immer wieder erstaunlich, wie da unter den Händen der Schnitzer aus einem Stück Holz Figuren oder Bäume werden – Respekt und Bewunderung auch bei den anwesenden Jungs im Teenie-Alter.

IMG 2549Schon wieder im Zentralstück auf dem Weg zur Friedenskirche erlebten wir, dass sich die Verkaufsstände offensichtlich nicht richtig abgesprochen hatten: 1,50 Pfand kostete hier ein Glas – anderswo abgegeben hätte das 2 Euro gebracht. So funktioniert das nicht! Wir beschlossen, das Christliche im Advent nicht verleugnend, nicht zu schummeln und probierten weißen Winzerglühwein von der Hoflössnitz für 2,50 € – riss uns nicht vom Hocker. Besser waren eindeutig die Weißen von Frédéric Fourré aus seinem Müller Thurgau (ebenfalls 2,50 €) und der beim Stand des Weinguts Karl Friedrich Aust (2,50 €). Der war, in unserer individuell subjektiv geprägten Probierrunde (wir waren zu viert, einer allein schafft das ja gar nicht!) von den Weißen der beste – mit Riesling, Müller und Kerner. Gewürze nach Geheimrezeptur kippen ja alle rein, aber ich denk: auf den Grundwein kommt es an!

IMG 2505Weißweinglühwein, sagt der mitlaufende und -probierende Freund immer, ist sowieso kein richtiger Glühwein und obendrein neumodsches Zeuchs. Also gab es auch Roten. Bei Aust der aus der Kelterei Walther in Arnsdorf – da vermuten wir mal große Geschmackähnlichkeiten zu dem Glühwein, den wir bei bean&beluga auch gerne trinken. Frédéric Fourré hat französischen Rotwein als Grundlage, andere nehmen Pfälzer. So lange der Wein ok ist und die Herkunft auch kommuniziert wird, ist mir das egal – man muss ja nicht sein bisschen Rotwein aus Sachsen verglühen.

IMG 2486Die Hoflössnitzer bieten am eigenen Stand ihren weißen Glühwein mit dem Zusatz „bio“ an und nehmen dann dafür auch gleich 50 Cent mehr – wir verzichteten, weil doch alles aus der Hoflössnitz bio ist, oder? Da hatten wir den also schon für 2,50 – man belehre mich, wenn ich da irre. Die „Drei Herren“ boten wieder beide Sorten für 2,50 € an und wir waren’s, auch geschmacklich, zufrieden. Unprobiert blieb, aber nur wegen Erreichens der Testerschmerzgrenze, wer hier nicht erwähnt wurde: Das hat nichts, aber auch gar nichts zu heißen (und der Herr Schabehorn ist so am Anfang, wenn man vom Ende her kommt, dass wir ihn zuerst nicht gesehen haben. Nächstes Mal!).

IMG 2487Wir haben ja nicht nur getrunken, vergluckste Leserschaft. Wir haben auch in Kultur gemacht! Der Herr Direktor, den wir vom Schaubudensommer kennen und der auch beim Theaterteil des Weinfestes in Altkötzschenbroda dirigierend eingreift, lief seriös bemantelt und behütet wie immer übern Platz und sorgte für schönes Programm. Im Zelt erwartete die Weihnachtsgans Auguste ihr Schicksal, wir waren, mal wieder, da nicht dabei, sondern begnügten uns ein wenig weiter an Wahnsdorfer Enten’vilettes, eine Rilette zum live Probieren und glasweise Mitnehmen. Da hat man dann zu Hause auch noch was vom Budenzauber…

Weihnachtsmarkt Altkötzschenbroda – noch an den beiden kommenden Adventswochenenden 8./9. sowie 15.16. Dezember

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