Genüssliche Gaumenfreuden im Lesage

Restaurant in der Gläsernen Manufaktur

Lesage13-06

Das Lesage in der Gläsernen Manufaktur überrascht uns immer wieder mit einer Küche, die optisch klar und unprätentiös auf den Tisch bringt, was dann auch noch perfekt gemacht ist und einfach nur schmeckt – keine Ahnung, warum es eine gefühlte Ewigkeit her ist, dass wir da waren (spontan und ohne Kamera, nur so zum Genießen). Aber manchmal braucht es ja den Zufall, um sich zu erinnern: Dieses Mal gab ein Telefonat mit Thorsten Bubolz, dem Chef des Lesage, den Anstoß.

Wir kennen uns schon lange – was auch heißt: Sinnlos, da wie sonst üblich anonym hinzugehen, mit dem vollen Programm wie unter anderem Namen anmelden und möglichst einen auf Touri geben statt auf Kritiker. Weil wir uns so lange nicht gesehen hatten, gab’s einen Begrüßungsschampus aufs Haus – was wir allerdings noch nicht als Bestechung werteten, zumal es ja nun jeder weiß. Dies vorab, um die strenge Subjektivität der Texte in diesem Blog nochmals zu untermauern. Wir wurden, soviel ergab die Nachbartisch-Beobachtung, offensichtlich nicht anders behandelt als die Gäste nebenan – so sollte das ja auch sein. Unsere Bedienung stellte sich mit (Vor-)Namen vor, was wir vor allem aus anderen Ländern schon kennen. Finde ich gut! Wir hatten dann auch rund zwei Stunden Spaß miteinander, und da ist es ja gut, wenn man weiß mit wem…

Wer noch nie im Lesage war, hat erst einmal genug zu tun mit Herumgucken: Das Restaurant ist Bestandteil der Gläsernen Manufaktur (wird aber nicht vom Autobauer betreut, sondern von Kempinski). Die Architektur von Gunter Henn war natürlich nicht unumstritten, aber was ist das schon in Dresden, wenn’s nicht barock daherkommt? Uns hat der Bau schon von Anfang an gefallen, eben weil er am Platz des Ausstellungsgeländes im Großen Garten mit dem (zumindest bei Dresdnern) berühmten Kugelhaus steht. Noch mehr zu sehen gibt’s übrigens beim Gang auf die Toiletten oben im ersten Stock, wenn man runter ins Restaurant blickt und auch mal um die Ecke oben auf die Phaeton-Fertigung spinxen kann.

Die Karte von Thorsten Bubolz ist erfreulich übersichtlich. Eigentlich hatten wir schnell gewählt, baten dann aber unsere Bedienung um eigene Empfehlungen und wurden prompt mit einigen Hinweisen in noch bessere Auswahl-Richtung gelenkt. Und auch die Idee, den Herrn Andreas den Wein bestimmen zu lassen, erwies sich als richtig: Mit wenigen Fragen war unser Geschmack ausgemacht, was zum Essen passt, war dann seine Wahl.

Nach dem Gruß aus der Küche, der die große Kunst des Kleinteiligen beeindruckend nett demonstrierte und zu den üblichen Scherzen („Wie fanden Sie den Kaviar?“ „Zufällig, unterm Salat!“) animierte, blieb es zwar übersichtlich, aber keineswegs beängstigend spärlich. Wobei man, wenn man das Amuse-Bouche-Bild betrachtet, den Kaviar ja sehr wohl findet: Ganz links, als starkes Dreier-Team. Das Zweifarbige Tomatentörtchen mit Schinken und Blattsalaten (9,50 €) kam als Traum von Schaum, umgarnt mit Blattsalat und Parmaschinken, aufgehübscht mit einer (natürlich essbaren) Blüte. Die andere Vorspeise am Tisch würde auch glatt als leichtes sommerliches Gericht durchgehen: Gebratene Riesengarnele mit Mangochutney und Blattsalaten (11,00 €) ließ uns (ich habe genascht!) entzückt genießen, denn genau so muss Garnele sein: Fein-würzig außen und glasig-frisch innen! Salat mit Dressing und ein leicht scharfes Mango-Chutney rundeten diesen Gang ab. Große Freude bereitete der dazu empfohlene Diel de Diel – und für Gesprächsstoff sorgte die erfrischende Grauburgunder-Riesling-Weißburgunder-Cuveé auch noch. Als Volontär bei der Münsterschen Zeitung durfte ich 1980 (oder so…) Armin Diel und seine Serie mit Restaurantkritiken im Münsterland betreuen – woraus wir sicher beide viel gelernt haben: Ich erhielt quasi nebenbei eine Grundschulung im Restaurantkritik-Schreiben und Wein genießen und Armin Diel (damals Jura-Student in Münster) angewandte Juristerei (der Spiegel schrieb hier und da drüber, Dirk Würtz 2009 in seinem Blog auch). Hach, die alten Zeiten, wie aufregend!

Zu den Hauptgerichten gab’s dann einen Wein ohne derlei Reminiszenzen – aber einen zum Erinnern: Der Can Feliu Merlot 2005 war für uns eine Entdeckung. Dieser Bio-Wein aus Mallorca ist schön weich und hat genug Nachhall, um sich mit dem Essen zu einer genüsslichen Gaumenfreude zu verbinden. Die beiden Hauptgänge Rosa gebratener Kalbsrücken mit Quark-Estragon-Tortellini, Spitzkohl und Kirschbutter (22,50 €) und Rosa gebratener Lammrücken mit Karottte, Bohnenkernen und Bärlauchrisotto (27,50 €) würde ich am liebsten mit beredtem Schweigen beschreiben, unterbrochen von verhaltenenen „hhmmms“ und zart gehauchten „Wahnsinn!“. Denn beide Male erwartete uns perfekt gemachtes saftiges Fleisch, das mit seinem Eigengeschmack zeigte, wie man es auch machen kann. Die Kirschsauce gefiel uns, weil (endlich) mal was Anderes als gewohnt, das Bärlauchrisoto kam mit lediglich einem Hauch von Bärlauch (aber reichlich Grün) auf den Teller – wie die Optik beider Gerichte uns großes Vergnügen bereitete.

Dem Angebot, zum  Nachtisch eine Dessertvariation (Crème Brûlée mit frischen Früchten und Himbeer-Minzsorbet, Schokoladen-Törtchen mit zweierlei von der Physalis, Erdbeeren mit Pana cotta) zu nehmen, konnten wir nicht widerstehen, obwohl die Menge dann doch sehr reichlich für zwei eigentlich schon gut gesättigte Genießer war. Es blieb aber kaum was über, weil wir gerne unvernünftig sind! Dazu hatte uns Andreas einen 2007 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Spätlese ausgesucht, in dem sich Zitrusfrüchte, Kräuteraromen und Mineralik wunderbar und mit schöööönem Abgang verbanden.

Restaurant Lesage
in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen
Lennéstraße 1
01069 Dresden

Telefon: 0351 420 42 50
http://www.lesage.de/

Geöffnet:
Mo 12 – 15 Uhr | Di – Sa 12 – 15:00 Uhr und 18 – 22 Uhr | So 11 – 15:00 Uhr Brunch

[Besucht am 7. Juni 2013 | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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