Geschmacklich wie optisch deutlich Farbe bekannt

Besuch beim Vorjahressieger der Kochsternstunden – Schönburger Palais in Lichtenstein

KSS18 Schönburger Palais

Wie eine Klassenfahrt zum Sieger sah’s aus, als an diesem Samstag die Kochsternstunden-Initiatoren Clemens Lutz und Marlen Buder zum Offenen Tisch beim Vorjahressieger des Wettbewerbs ins Schönburger Palais nach Lichtenstein bei Chemnitz gebeten hatten: eine veritable Runde von 15 Gästen hatte sich (in Fahrgemeinschaften, versteht sich – die Weinbegleitung…) aus Dresden auf den Weg gemacht, um die Kochkünste von Christian Weidt erneut unter die Lupe zu nehmen. Das Menü gibt es wahlweise als 3-Gänge-Menü (38 €, inkl. Weinbegleitung 55 €), 4-Gänge-Menü (45 €/65 €) und 5-Gänge-Menü (55 €/72 €) – was ein sehr ordentliches Preisgefüge ist und deutlich unter dem Schnitt der anderen teilnehmenden Restaurants liegt.

Günstige Preise bedeutet aber nicht Verzicht auf Annehmlichkeiten wie die fein eingedeckte Tafel, warmes Kerzenlicht sowie Brot und (etwas verspielt in der Konservendose serviertem) Gruß aus der Küche als Starter vorweg. Das signalisiert (nach wie vor) das Bestreben des kleinen und hart arbeitenden Teams, mit dem Schönburger Palais in der kleinen Stadt Lichtenstein sowohl ein Restaurant für die Stadtbewohner als auch eins für weit anreisende Gourmets zu sein. Das täglich wechselnde Mittagessen für 4,90 € hält die Mannschaft in Schwung – 80 bis 100 Portionen verlassen da die Küche. Und abends ist dann eben fine dining angesagt, nicht ganz so günstig, aber eben immer noch im wahrsten Wortsinn preiswert. So gesehen verdient das Team mit Restaurantleiterin Simone Hetze am Gast und Christian Weidt in der Küche allergrößten Respekt, zumal wenn trotz vollem Haus die Herzlichkeit und auch der Humor dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Bei den fünf Gängen gibt es einen, den man auf jeden Fall vorweg nennen muss – weil er das signature dish der diesjährigen Kochsternstunden ist (es ist das Plakat- und Programmheft-Motiv). Schwarzfederhuhn | Karotte | Schwarzwurzel | Kartoffel sehen auf dem Teller (natürlich!) nicht so aus wie auf dem Plakat – aber wenn Fotografen arrangieren, möchte man das meistens hinterher nicht essen, weil es sowieso kalt geworden ist und dann oft auch noch optisch gehübscht ist. So ist das mit und in der Werbung. Wiedererkennen konnte man den Hauptgang dennoch, und vor allem die Sauce war grandios. Das Huhn hätte ein wenig saftiger sein können – aber man konnte ja ditschen.

Unser Lieblingsgang war der direkt davor, weil er geschmacklich wie optisch deutlich Farbe bekannte: Heilbutt | Curry | grüner Spargel | schwarzer Reis – wobei es sich bei dem butterzarten Fisch um den schwarzen Heilbutt handelte, obwohl der natürlich strahlend weiß aussieht. Der schwarze Reis schimmerte dafür rötlich wie ein roter Quinoa – aber sein nussiger Geschmack war entscheidend gut. Die gelbe, leicht scharfe Curry-Sauce gab die pikante Note, der gebratene grüne Spargel sorgte für Röstaromen.

Ebenso geschmacksintensiv – und damit geht’s wieder einen Gang in der Menüfolge zurück – war die Japanische Nudelsuppe | Schweinebauch | Ei | Ingwer. Kein schnelles Ding in der Herstellung, denn da wird mal Rind, mal Fleisch, mal Gemüse zum Geschmacksträger. Gut Ding will Weile haben, das Ergebnis lohnt dann die Müh‘. Die Stäbchen waren übrigens nur für den festen Inhalt gedacht – ein Löffel lag für die Suppe bereits (wir haben es aber fernöstlich mit Direktzuführung probiert, die Schüsseln bieten sich dafür ja an!). Passend gab es dazu Sake zu trinken – ganz im Sinne der kulinarischen Erziehungsarbeit, die man im Schönburger Palais leistet: aufzeigen, was geht. Persönlicher Lerneffekt: Nicht mein Ding. Anders als die anderen Weine, bei denen die Restaurantleiterin zweimal bekannte, dass es ihr Lieblingswein sei. Das ist kein zwingendes Kriterium, aber oft ein gutes, und mit dem weißen Liebling 2015 KAITUI Sauvignon Blanc von Markus Schneider (Pfalz) und dem 2014 Fabelhaft Tinto Douro DOC von Niepoort Vinhos S.A. (Douro, Portugal) als roten Liebling traf das genau unseren Geschmack – auch und vor allem zu dem jeweiligen Essen (den Kaitu zur Vorspeise Ente | Garnele | Orange | Pistazie, den Fabelhaft zum Schwarzfederhuhn).

Nun waren wir ja eigentlich gut satt – aber im eigenständigen Dessertmagen ist ja immer noch Platz. Auch wenn Blaubeer-Pie | Buttermilcheis | Nougat | Nüsse noch ein zusätzlicher kleiner Sattmacher waren…

Schönburger Palais
Schlossberg 19
09350 Lichtenstein

Tel. +49 37204/ 601010
www.schoenburger-palais.de

Öffnungszeiten:
Mo: 11.30–14 Uhr
Di–Fr: 11.30–22 Uhr
Sa–So: 11–23 Uhr

[Besucht am 3. März 2018 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]
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Hinweis:

Die STIPvisiten sind Partner der Kochsternstunden.

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