Vom Wildwuchs, der Mehrwegflasche und dem Seewein

Podcast "Auf ein Glas", Episode 94: Mit dem Mikrofon unterwegs auf der BWClassics

Auf der Baden-Württemberg Classics neulich in Berlin haben wir uns (so ist das auf einer Weinmesse…) an den Ständen durchprobiert – aber auch tolle Gespräche mit den Winzern geführt. Bei dreien war das Mikro an, im improvisierten Studio – das gleichzeitig auch Kaffee-Auftank-Station für die Winzerinnen und Winzer war. Also: locker war’s, wie immer. Gesprächspartner waren Alexander Link, mittlerweile nicht mehr ganz so junger Jungwinzer aus Brackenheim, Werner Bender, Geschäftsführer der Heuchelberg Weingärtner und treibende Kraft einer 0,75-Liter-Pfandflasche, sowie Thomas Porsch, ein Dresdner am Bodensee – er leitet den Vertrieb beim Staatsweingut Meersburg.

Wir waren schon in Brackenheim und in Meersburg – es gibt also Grundinformationen und Bilder zum Nachlesen und Ansehen. Heuchelberg stand noch nicht auf dem Programm – und kommt auch im Podcast nur knapp dran, denn unser Thema waren eher die neuen Mehrwegflaschen. Der Classics-Dreier ist ein sehr informativer Mix – und wer die Weine probieren will, kann das ja demnächst in Dresden tun, denn da ist die BWClassics am 4. und 5. November zu Gast.

Alexander Link

Alexander Link – Fremdgänger und Wildwuchs| Klicken öffnet mehr

Alexander Link trafen wir am Stand der Jungwinzer. Wir kannten uns von vorherigen Messen und vom Besuch bei ihm im Weinberg (da entstand 2017 das Foto), weswegen es hin und wieder eindeutige Schlenker im Gespräch gibt. Mitgebracht zur Probe hatte Alexander einen Fremdgänger – das ist eine eigenwillge (aber fabelhaft schmeckende) Komposition aus Weißwein und Johannisbeeren, einen Sauvignier Gris (er hat mehrere Piwis im Anbau, aber das ist die einzige, die ihn richtig überzeugt) und einen Wildwuchs-Lemberger. Da müssen wir drüber reden, was das ist: Wildwuchs…

  • 00:36 auf der BWClassics in Berlin
    zu Gast: Alexander Link
  • 01:20 wir fangen an mit dem Fremdgänger
    Komposition aus Weißwein und Johannisbeeren
    Grauburgunder ist da hauptsächlich drin
    Weingut ist in Brackenheim
    die größte Rotweingemeinde in Deutschland
    wieviel ha habt ihr? Das weiß kein Mensch außer dem Nachbarn – der weiß alles!
    Brackenheim im Zabergäu
    zwei Berge: Heuchelberg und Stromberg – das macht was mit dem Wetter
    ein guter Wein braucht ein bisschen Stress
    50% Rotweinanteil
  • 05:49 Sauvignier Gris im Glas
    Sauvignier Gris ist ein Winzertraum: der Weinberg trotzt den Eskapaden der Natur
    wir können gesund hochreif ernten
    ein Kandidat für Eiswein
    verrückte Sachen – „alles für die Qualität!“
    Sauvignier Gris reift im Barrique
    mehrere Piwis im Anbau, aber das ist die einzige, die ihn richtig überzeugt
    der Wein hat immer zwischen 13 und 14% Alc…
    im Ländle braucht der Konsument auch ordentlichen Alkoholgehalt, oder?
    es geht um Geschmacksträger!
  • 12:56 Wildwuchs im Glas
    zurück zur Natur – geht nicht
    aber wir können möglichst naturnah arbeiten
    beim Wildwuchs wachsen die Reben wie sie wollen
    kleine aromatische Beeren sind das Ergebnis
    Kamerunschafe im Weinberg
  • 16:08 es ist ein Lemberger
    spontan angären, dann Reinzuchthefe dazu, dass der Wein auch sicher durchgärt
    jeder Wein ist ein Kind von mir
    Lemberger ist Paraderebsorte in Brackenheim – und der erste Bundespräsident kommt jetzt auch vor…

Werner Bender

Werner Bender – Vorkämpfer für die 0,75-l-Mehrwegflasche | Klicken öffnet mehr

Wir kennen das von Wasserflaschen, von Bierflaschen – ja sogar vom Wein, wenn er in Literflaschen kursiert: es sind Pfandflaschen. Glas ist ein wesnetlicher Faktor beim CO2-Fußabdruck des Weins (47%, vor allem der energieaufwändige Prozess bei der Produktion des Glases ist dafür verantwortlich) – warum also gibt es keine 0,75-Liter-Flaschen im Mehrweg-Verfahren. Das fragte sich auch Werner Bender. Er ist Geschäftsführer der Heuchelberg Weingärtner und Initiator von Wein-Mehrweg. Ein spannendes und wichtiges Thema!

  • 20:20 Zweiter Gast: Werner Bender, von den Heuchelberg Weingärtner
    unser Thema: Mehrwegflasche beim Wein
    but Heuchelberg first: 1925 gegründet
    aktuell ca 650 ha (also kanpp 6 % der ca 11.000 ha Rebfläche von Württemberg)
    Rebflächen-Verhältnis rot:weiß ist 68:32
    dennoch ist Riesling die am meisten angebaute Rebsorte auf 135 ha
    auch Piwis gibt es
  • 23:10 Thema: Mehrwegflasche 0,75l
    warum Mehrweg bei 1-Liter und nicht bei 0,75?
    einfache Antwort: zu viele Farben, Formen, Höhen
    vor vier Jahren hat er Kollegen aus Württemberg angesprochen: Nachdenken, wie es gelingen könnte
    unumgänglich: eine neue Flasche zu kreieren
    verschiedene Flaschenformen kreiert und gezeigt
    daraufhin für eine Form entschieden
    auf der ProWein im März in D’dorf vorgestellt, in den Betrieben auf Praxistauglichkeit geprüft
  • 25:55 es brauchte eine Plattform, die Wein-Mehrweg e.G. 
    eine neutrale Plattform für alle, egal ob Weingut, Kellerei oder Genossenschaft
    Die Chance, dass die Form für schön befunden wird, ist groß
    wir stellen fest: Verbraucher sind erstens unvoreingenommen und andererseits auch offen sind
    wir aus der Insiderbranche sind mit Bordeaux-, Schlegel- und Burgunderflasche groß geworden und betriebsblind
    die neue Form ist wichtig wegen der Automaten: die müssen die Flaschen erkennen bei der Rückgabe
    je eigenständiger der Charakter einer Flasche ist, desto leichter tut sich der Automat
    der eigene Charakter: schöner ästhetischer langer Hals
    zum schlanken Hals kommt der robuste Körper
    die Robustheit ist dem Mehrweg geschuldet, die Flasche kommt ja mehrfach in die Maschinen (Spülanlage, Abfüllanlage)
    auch der Eingriff am Flaschenboden stützt die Statik (und erfeut den Service: man kann die Flasche gut halten)
    Umläufe sollen machbar sein
    …aber nur, wenn die Verbraucher mitmachen!
    warum überhaupt Mehrweg? Die CO2-Bilanz zeigt, dass beim Wein die Flasche ungefähr 47 % Anteil ausmacht
    vor allem der energieaufwändige Prozess bei der Produktion des Glases ist dafür verantwortlich
    Flasche wiegt 560 g – ist also kein Leichtgewicht
    das Durchschnittsgewicht Einwegflasche in D lag vor 2,5 Jahren bei 527 g
    über Flaschenfarben: antikgrün und weiß (für Rosé) sind im Angebot
    wer macht schon mit? Zehn Betriebe sind Gründungsmitglieder
    dahinter stecken 5.200 ha Rebfläche (über 5% der deutschen Rebfläche) und damit die entsprechende Zahl an Flaschen
    weitere Zusagen zum Beitritt gibt es – jetzt, nach der Weinlese wird sich was tun
    wie hoch ist der Pfand pro Flasche? – 25 Cent
    wir haben gelernt aus der Literflasche: 5 Cent sind zu wenig Anreiz
    Anfangsproblem der Durchdringung des Sytems
    Start in BaWü und angrenzendem Bayern, und dann soll es sukzessive die Kreise ziehen
    die Zertifizierungen für die Automaten gibt es, sie müssten nur noch frei geschaltet werden
    Logistik der leeren Flaschen ist auch wichtig: Flaschen zu Kisten zu Paletten zu LKW/Zügen
    Wege sollen kurz und effizient sein
    in Deutschland sucht man immer den Grund, warum etwas nicht geht…
    aber was wäre, wenn es funktioniert?
    wo gibt es Infos?
    Nachfrage nach dem Schlusswort
    umgerüstet werden muss – die Flasche mit dem breiten Durchmesser ähnelt aber dem Durchmesser der Literflasche. Also eine Anlage, die das kann, kann dieses auch

Thomas Porsch

Thomas Porsch – Müller und Rosé vom Bodensee | Klicken öffnet mehr

Thomas Porsch kommt aus Dresden (er ist ein Kind der Neustadt) und ist Vertriebsleiter beim Staatsweingut Meersburg. Das mögen wir ja wegen seiner hervorragenden Müller-Thurgau Qualitäten und der Rosé bzw. Weißherbste. Das Gespräch kam spontan zustande – aber für einen Müller im Glas reichte die Vorbereitungszeit natürlich! Wir sprachen über dies und das und natürlich über die typischen Seeweine…

  • 41:34 unser dritter Gast: Thomas Porsch vom Staatsweingut Meersburg am Bodensee (zum Nachlesen)
    Meersburg macht geilen Müller. Warum?
    der Bodensee ist Müller-Spezialist, aber sie natürlich auch!
    im Staatsweingut macht MT knapp 40 % aus
    vis-a-vis ist ja das Kanton Thurgau, wo der Herr Müller her kam…
    Image-Problem des MT in Deutschland: er wurde zu viel geerntet und zu schlecht zu Wein gemacht
    das Mastschwein der Rebsorten
    beim Internationalen Müller-Thurgau-Preis bestens abgeschnitten 
    wenn du dem MT die Möglichkeit gibst, funktioniert er wunderbar
    wir sind mit dem Bodensee auf der Höhe – das mag der MT
    wir sind cool climate Region!
    wie war’s dieses Jahr mit der Lese? Eher kritisch…
    wir probieren – gaanz zufällig – 2022 Müller Thurgau Meersburger Lerchenberg
    Monopollage
    direkte Seelage
    eiszeitlicher Boden
    Boden: alles, was das Geschiebe mit sich führte
    alles drin – wie eine gesunde Promenadenmischung
    hier stehen die ältesten Reben, bis zu 45 Jahre alt
    ein Bergwein, hoch gelegen
    in der Hoflössnitz Vorpraktikum fürs Studium gemacht – und da gab’s ja auch MT!
    Vertriebsleiter beim Staatsweingut Meersburg ist er
    Frage: Gibt’s aus Geisenheim-Zeiten einen Lieblingswinzer im Rheingau?
    Thema ökologisches Bewirtschaften
    Hohentwieler Olgaberg, der höchste Weinberg Deutschlands
    Weinberg wird ökologisch bewirtschaftet
    seit zehn Jahren sind sie klimaneutral zertifiziert als erstes Weingut in BW
    seit 1210: die älteste Weinbaudomäne Deutschlands
    seit über 800 Jahren mit der Natur und von de Natur leben
    Hecken, Sträucher, Streuobstwiesen: bewusst nicht als Rebfläche, sondern Ausgleich
    was würde man dazu am besten essen?
    ganz klassisch: Forelle Müllerin
    und dann natürlich: Rosé/Weißherbst
    Rosé/Weißherbst/Blanc de Noir
    Rosé: Rebsorte ist nicht klar definiert
    beim Weißherbst muss es eine Rebsorte sein, bei ihnen: Einzellage und 100% Spätburgunder
    der Meersburger Bengel!
    wir sind die Provence Deutschlands
    trinkanimierende Roséweine mit Tiefe und Struktur
    gibt s eine hausinterne Klassifizierung?
    Anlehnung an die VDP-Pyramide – weil Herkunft zu signalisieren gut ist
    das System der Herkunft: Gutsweine, Lagenweine, Große Gewächse

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Auf ein Glas – der Podcast der STIPvisiten. Gespräche beim Wein. Über Wein. Über Essen. Und übers Leben, natürlich.

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