Vor zehn Jahren wurden in Faro etliche Straßen von Grund auf saniert. Eine Millionen Euro standen zur Verfügung – und man hat das Geld nicht nur pragmatisch-praktisch eingesetzt, sondern dabei auch die portugiesische Tradition der calçada portuguesa (dt.: „Portugiesischer Gehweg“) gepflegt – und die charakteristische portugiesische Wegpflasterung (meist aus weißem Kalkstein und schwarzem Basalt) um einen Hingucker besonderer Art ergänzt: auf dem Passeio da Rainha ist die Zahl Pi (oder wie die Mathematiker sagen: π) zwar nicht in Stein gemeißelt, sondern mit der 3 vor dem und den ersten 79 Ziffern nach dem Komma hübsch als Gehweg gepflastert. Man hätte noch unendlich lange weitermachen können (wer erinnert sich nicht gerne an den Matheunterricht!? Oder wenigstens den Wikipedia-Artikel…), aber der Passeio da Rainha ist anders als π reell und endlich.
Wieso ausgerechnet so ein altes mathematisches Ding (schon Archimedes hat sich 250 v.Chr. mit dem Verhältnis des Umfangs eines Kreises zu seinem Durchmesser beschäftigt und kam zu einem akzeptablen Ergebnis – immerhin auf zwei Nachkommastellen genau) den Weg ins Pflaster fand? Ob’s daran liegt, dass Faros Bürgermeister Rogério Bacalhau einen Abschluss in Mathematik hat und mehrere Schülergenerationen in Mathematik unterrichtet hat und (zwischen 1990 und 2000) Mathematik an der Universität der Algarve lehrte? (Quelle) Die Kollegen des südportugiesischen Info-Portals Sul Informação mutmaßten bei einem Bericht über die Baumaßnahmen natürlich auch Zusammenhänge zwischen dem Job des Professors als OB und der Gehweggestaltung – ab der winkte ab: „Mir gefällt, dass es ein mathematisches Symbol ist, aber es war eine gemeinsame Entscheidung im Stadtrat“, erklärte Bacalhau gegenüber Sul Informação.
Um die ersten 79 Nachkommastellen der Kreiszahl π zu erlaufen, startet man am besten in der Nähe der Marina am Kreisverkehr in die Straße – dann sieht man gleich, um was es geht: π ≈ 3,14159265358979323846264338327950288419?1693993751058209749445923078164062862089… Drei Punkte hinten und das Zeichen für ungefähr gleich deuten an, dass da mehr geht – während für Normalos die Antwort „3,14 und dann noch einiges mehr“ reicht, sind Computer mittlerweile bei 314 Billionen Dezimalstellen hinterm Komma.
Falls übrigens jemand die 79 Stellen weiter oben genau gelesen hat (oder in Faro die Zahlenreihe mal entlang gegangen ist): an der 39. Stelle findet sich da ein Fragezeichen. Das ist natürlich im wirklichen π-Leben nicht vorgesehen – hier hat sich die Gemeinde einen Scherz erlaubt und hofft, dass es dann Menschen gibt, die nach der fehlenden richtigen Ziffer suchen. Hier die KI zu befragen, wäre doch ein Ding, oder? Ich hab’s gemacht und bin (wie so oft) in eine zweifelhafte Schwurbel-Diskussion geraten, bei der man mir 77 Nachkommastellen verkaufen wollte – aber ich hatte ja vor Ort gezählt und war auf 79 geraten. Das zu verifizieren war eigentlich ganz einfach: man muss ja nur die (fotografierten) letzten Ziffern kennen, dann hat man es wegen der Einmaligkeit der Ziffernfolge auch am Computer erledigt. Weil ich manchmal nett bin, bot ich der KI also die Korrektur an, was mir prompt eine unaufgeforderte Dankesinfo brachte: „Die fehlende Ziffer war übrigens eine 1 (an der 39. Stelle nach dem Komma)„. Schade nur, dass das nicht stimmte…

Hinterlasse jetzt einen Kommentar