Von oben nach unten

Gomerisches Tagebuch (16)

Ohne Moos nix los

Die Wander-Evangelisten vom Rother nennen das die Paradetour, und wenn man so etwas liest, will man das und genau das und nichts anderes natürlich auch machen: Vom Garajonay nach Hermigua! Der vorgeschlagene Weg vom Alto de Contadero an der Hauptstraße durch den Lorbeerwald hinunter nach Hermigua erschien uns aber noch nicht parademäßig genug, so dass wir einen anderen Einstieg wählten: Vom Parkplatz Parajito, der den Vorteil hat, auch eine offizielle Bushaltestelle aufzuweisen (zurück wollten wir den Bus nehmen). Außerdem kann man so den elend langen Abstieg – 1.100 Meter! – ein wenig aufpeppen: Vom Parajito geht’s nämlich erst einmal etwas hoch, wobei etwas = 100 Meter ist, wozu es einen halben Kilometer Weges braucht. Da oben, auf halbem Weg zum höchsten Berg der Insel, ist es erstens neblig und zweitens kalt. Weit ist es zum Gipfel des Garajonay nicht mehr – aber warum soll man die 24 Meter Höhenunterschied noch erzwingen, wenn man sowieso nichts sieht? Wir wenden uns also auf 1463 m Höhe am Wegweiser „Garajonay links, Contadero rechts“ bergab und erwischen freundlicherweise hin und wieder schon einmal Wolkenfetzenlücken. Nach einer halben Stunde etwa ist man dann da, wo es hätte losgehen können: am Alto de Contadero.

NebelparkplatzHier beginnt der schönste Teil dieser Tour: der Bosque del Cedro zeigt sich als Märchenwald, mit bemoosten Baumstämmen, Farnen und wild-romantischer Natur, wohin man auch schaut. Der Weg schlängelt sich beständig herab und gibt immer neue Blicke frei: nach unten auf einen dahin plätschernden Bach, nach links auf umgefallene Bäume, nach rechts auf eine Lücke im Wald, durch die der Roque de Agando lugt. Und dann gehst du einmal um die Kurve und stehst direkt gegenüber vom El Teide. Naja, eigentlich ist er weit weg, nicht mal auf La Gomera, sondern auf Teneriffa. Aber weil er der höchste Berg Spaniens ist, macht er sich mächtig breit und bietet eben auch von weiter weg einen eindrucksvollen Anblick.

Mitten im Wald droht dann ein großer Parkplatz für Autos an, dass hier das Ende der Romantik erreicht ist. Erfreulicherweise haben die Gomeros jedoch nur am Wochenende Zeit, diesen ruhigen Flecken zum Zentrum lustiger Grillparties zu machen – weswegen man diese Tour nur unter der Woche unternehmen sollte – es sei denn, man ist auf Grillfleisch scharf. Etwa eine Viertelstunde nach „Las Mimbreras“ taucht die nächste Partys-Location auf. Die kleine weiße Kapelle „Ermita de Nuestra Señora e Lourdes“ ist ebenfalls – wie viele Kapellen – ein beliebtes Ziel der Einheimischen, um den Alltag hinter sich zu lassen und ein wenig „en famille“ zu feiern.

Bald hinter der Kapelle ändert sich das Landschaftsbild – der Regenwald lichtet sich, bald kann man das Dorf El Cedro sehen (oder, wenn es nebelt: erahnen). Bei unserem ersten Besuch haben wir auf diesem Wegstück kaum die Hand vor Augen gesehen, bei der Wiederholung erkannte man dann sehr schön die Weite der Landschaft: Links sieht man in den Nebelwald zurück, gerade erheben sich Wald und Wiesen wie auf einer Alm, rechts das Dorf mit dem Mittagsziel der Wanderung: dem Campingplatz mit Restaurant La Vista. Weiter schweift der Blick nun in die Ferne, wo die Berge bis zum Meer herunter reichen. Mit etwas Glück gibt sich am Horizont wieder Teneriffa die Ehre.

Am Dorfeingang von El Cedro begrüßen Esel die Wanderer. Vielleicht dösen sie (die Esel) auch nur so vor sich hin, oder sie mampfen – was man als Esel halt so macht in der Freizeit. Wenn man es ihnen (den Eseln) gleich tun will, also ein wenig dösen/entspannnen und mampfen, dann lohnt sich der Aufstieg zum Restaurant La Vista. Ein Kamin brennt (wir waren im November dort!), aber die Leute sitzen doch lieber draußen. Man sitzt rustikal an Holztischen auf Holzbänken, und von den im Innenraum zentral gelagerten Kissen braucht man mindestens zwei, um dem Po einen Hauch von Bequemlichkeit zu verschaffen.

AufgetischtDas Essens-Angebot ist übersichtlich und gleichbleibend, es steht dreisprachig auf einer Tafel: spanisch und englisch in simulierter Handschrift, deutsch mit teutonisch anmutenden alten Buchstaben – ist sicher liebevoll gemeint, gibt aber dennoch zu denken. Wir haben dann also folgerichtig auf spanisch bestellt und können sehr empfehlen: Potaje de Berros (Wasserkressesuppe) für 3,20 EUR. Sie wird in einer Holzschüssel serviert, dazu gibt’s Gofio. Lecker und ein Sattmacher! Carne de Cabra, Ziegenfleisch, kostet 6 EUR und wird mit höllisch scharfer Mojo Rosso serviert. Dazu sollte man sich Papas arrugadas gönnen, die berühmten Runzelkartoffeln (vielleicht wird die Mojo auch dazu gereicht – wir haben ja alles zusammen bestellt). Eine Portion (3 EUR) besteht aus etwa neun mittelgroßen Kartoffeln: Hungrig muss man wirklich nicht diesen netten Platz verlassen! Die Preise waren übrigens 2006 und 2007 gleich – ein Vorteil des fertig gemalten Speisekarten-Schilds!

Perros no ni GolfosWo wir gerade bei Schildern sind: Gut gefallen hat mir auch der Hinweis, dass man dort bitte nicht rauchen möchte und dass das Restaurant für Hunde und Golfer verboten ist!

Wir rasten ausgiebig und lesen ein wenig im kleinen roten Buch, das uns eine „luftige, häufig auch sehr steile“ Wanderung nach Hermigua verspricht. Kann ja heiter werden!

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